22 Lektionen übers Leben, die ich vor 23 gelernt habe

Manchmal wünschte ich, es gäbe ein goldenes Regelbuch des Lebens. Eine Art Anleitung, in der Kapitel für Kapitel aufgelistet wird, wie man seinen Alltag bestmöglich meistert und gewisse Tiefpunkte am erfolgreichsten überwindet. „Cheat Codes for Infallibilty“, oder so. Aber diese Unfehlbarkeit werden wir in der Realität niemals erreichen. Und das ist im Grunde genommen ein Geschenk. Wenn wir aufmerksam durch die Welt gehen, ermöglichen uns nämlich genau die Fehler, die Rückschläge und die Verletzungen, unsere eigenen Regeln zu schreiben.

Bewusstsein ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die man im Laufe seines Daseins erreichen kann, glaube ich. Je eher, desto besser. Erst, wer bewusst ist und seine Sinne für sich selbst und seine Umgebung schärft, kann erkennen, was das Leben uns eigentlich aufzeigen will. Und davon bin ich fest überzeugt: Man bekommt vom Schicksal immer genau das serviert, was man für sein Wachstum braucht. Genau dort, wo es gewisse Baustellen gibt. Wo es bestimmte Muster gibt, die es zu durchbrechen gilt; Wo Verhaltensweisen durchbrochen werden müssen, mit denen wir uns selbst schaden, und Perspektiven verrückt werden müssen.

Mit 22 bin ich jetzt das erste Mal in meinem Leben die meiste Zeit sehr glücklich, obwohl vieles schief läuft.
Warum? Weil ich diese Dinge gelernt habe.

22 Einsichten, die das Leben leichter machen

1. Du kannst Menschen nicht zwingen, dich zu lieben. Egal, wie sehr du es dir wünscht, egal, wie gut du zu einer anderen Person bist, egal, wie liebevoll. Du kannst all deine Energie in dein Bedürfnis stecken, von einer anderen Person geliebt zu werden – wenn diese Person dich gerade (aus welchen Gründen auch immer) nicht lieben kann oder will, wird sich daran niemals etwas verändern. Das ist die härteste Erkenntnis, die ich machen musste. Dann verstand ich aber auch: Mit mir hat das überhaupt nichts zu tun. Und die fehlende Liebe einer einzigen Person wird niemals meine Liebenswürdigkeit definieren.

2. Alleine sein bedeutet nicht, einsam zu sein. Es gibt genügend Menschen, die für dich da sind und sich um dich sorgen, auch wenn sie gerade nicht in deiner unmittelbaren Nähe sind. Du bist nicht einsam, weil du alleine bist.

3. Es ist okay, nein zu sagen. „Nein“ sagen geht oft damit einher, für sich selbst einzustehen und im gleichen Zuge jemand anderen zu enttäuschen. Es bedeutet vielleicht auch, der Erwartung anderer und der eigenen Erwartung an sich selbst nicht gerecht zu werden. Aber das ist völlig okay – mehr noch, absolut notwendig –, um die Verantwortung für dich und deine seelische und körperliche Gesundheit zu übernehmen.

4. Ablenkung ist nicht immer der richtige Weg. Manchmal muss man sich einfach in seine Emotionen reinschmeißen, sich so richtig darin suhlen, unangenehme Gefühle zulassen und aktiv durchleben, um sie erfolgreich abzulegen. Sonst schiebt man sie nur auf.

5. Du kannst Menschen nicht retten. Vor allem nicht vor sich selbst. 

6. Gleichzeitig darfst du nicht erwarten, dass ein anderer Mensch dich rettet. Diesen Menschen gibt es nicht. Du musst es selbst tun.

7. Eine schöne Seele ist wichtiger als ein schönes Gesicht. Die umwerfendste, äußere Schönheit bedeutet rein gar nichts, wenn das Innenleben nicht mindestens genau so schön ist. Schönheit ohne Tiefe ist Dekoration ohne Bedeutung.

8. Höflichkeit und Manieren kommen niemals aus dem Trend. Punkt.

9. Die Schönheit einer anderen Person bedeutet nicht die Abwesenheit deiner eigenen. Die Versuchung, sich mit anderen zu vergleichen und uns an ihnen zu messen ist oft so wahnsinnig groß, dass wir uns damit den eigenen Selbstwert klein reden. Was eine andere Person kann, wie sie aussieht, wie erfolgreich sie ist – all das hat nichts mit dir zu tun.

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10. Hör auf, dich ständig für dich zu entschuldigen. Zum Beispiel: Ich kämpfe für meine Rechte als Frau, meinen Körper so zu zeigen, wie ich es möchte. Zu lange habe ich mich dafür entschuldigt und Leuten Rechenschaft abgelegt. Wozu? Am Ende zählt, dass ich mit mir im Reinen bin und die Intention eine gute ist. Meine persönliche Freiheit hört erst dort auf, wo sie die eines anderen begrenzt. Das Gleiche gilt im Umkehrschluss.

11. Gossip sucks. Jetzt mal ehrlich. Ich kann mich davon (noch) nicht freisprechen. Wo auch immer früher Gossip war, war ich ganz vorne mit dabei. Weil es „lustig“ ist, weil „alles es tun“, weil man dabei von seinem eigenen Scheiß ablenken kann. Weil es einen kurzen Kick verleiht. Ein buddhistisches Sprichwort besagt: „Gossip dies when it hits a wise person’s ears“, Lästerei stirbt, sobald sie auf die Ohren einer weisen Person trifft. Daran ist so viel Wahrheit. Worte sind mächtig, und wir sollten sie bedachter verwenden.

12. Der richtige Zeitpunkt ist genau jetzt. Hör auf zu warten, bis vermeintlich alle äußeren Faktoren „stimmen“, um zu handeln oder eine wichtige Entscheidung zu treffen, die du schon ewig vor dir herschiebst. Dieser Zeitpunkt wird nie kommen und du verschwendest nur wertvolle Zeit. Renn einfach los, vieles ergibt sich auf dem Weg.

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Genuine.

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13. Glück wartet nicht hinter der nächsten Ecke. Ich erwische mich oft dabei, wie ich denke: „Wenn DAS passiert, dann bin ich endlich glücklich“, „Wenn JENES eintrifft, geht es mir endlich besser“, „Wenn ich DIESES erreicht habe, kann ich endlich durchatmen“. Was für ein Irrglaube! Alles, was ich habe, ist Jetzt. Wir müssen diese „Destination Happiness“ ablegen; den Glauben, dass Glück mit einem bestimmten Event gekoppelt ist. Ist es nicht.

14. Der denkende Mensch ändert seine Meinung. Friedrich Nietzsche Zitat. Wer denkt – wir alle, im besten Fall – befindet sich in einem ständigen Prozess, und Prozess bedeutet Veränderung. Alte Glaubenssätze, Überzeugungen, Meinungen, Annahmen – wir müssen nicht auf ewig an ihnen festhalten, nur um in das Bild zu passen, das wir bis dato von uns selbst hatten. Im Gegenteil. Seine eigenen Inhalte immer wieder zu „kuratieren“ ist ein Zeichen von Wachstum und Größe.

15. Du bist wie ich ein Teil des Umwelt-Problems. Ich kann das nicht länger leugnen, die Verantwortung nicht mehr von mir weisen. Ich bin unfassbar weit davon entfernt, ökologisch perfekt zu leben, aber ich mache kleine Schritte. Weil ich genau so auf diesem Planeten lebe wie alle anderen. Weniger tierische Produkte, weniger Auto fahren, weniger einkaufen, Plastik sparen. Alles besser als nichts.

 

16. Shoppen macht nicht glücklich. Don’t get me wrong, ich liebe schöne Dinge. Das tue ich wirklich. Immer öfter frage ich vor einem Kauf aber: Warum spüre ich gerade dieses Bedürfnis? Meistens komme ich zu dem Ergebnis, dass ich das aus einer falschen Intention heraus mache. Weil gerade irgendetwas nicht so läuft, wie ich es mir wünsche, und dieses Loch dann so schnell es geht mit Materiellem stopfen will. Und dann lasse ich es bewusst sein. Besitztümer sind kein Pflaster für die Seele. Jedenfalls keine, die besonders lange halten.

17. Handy einfach mal ausschalten kann Wunder bewirken. Ich bin süchtig nach meinem Smartphone. Aber – manchmal sehne ich mich danach, mich für einen Moment von der digitalen Außenwelt abzuschotten. Social Media und diverse Apps können wahnsinnig praktisch und entertaining sein, sie können mich zeitweise aber auch fast „krank“ machen, wenn ich zu viel Zeit damit verbringe. Die erste Stunde nach dem Aufwachen und die letzte Stunde vor dem Schlafengehen gehören jetzt nur mir. Manchmal bleibt mein Handy nach der Arbeit auch ganz aus. Oder am Wochenende mal für ein paar Stunden. Das ist Zeit für mich, Zeit, in denen ich mich anderen nicht „schenken“ will. Das ist völlig legitim. Und ganz ehrlich – meistens merkt es sowieso niemand, also wird man auch nicht vermisst, wenn man sich mal eine Auszeit gönnt.

18. Hör auf deinen Bauchgefühl. Verdammt, tu’s einfach.

19. Schwäche zulassen ist eine Stärke. Du musst das Pokerface nicht immer aufsetzen, wenn es dir schlecht geht. Du darfst zugeben, wenn du verletzt bist. Schwäche zeigen bedeutet Aufrichtigkeit. Menschlichkeit. Das kann Menschen so schön machen.

20. Manche Tage sind einfach besser als andere. Manche Tage sind richtig beschissen. Mal ohne Grund, mal mit mehr als genug Gründen. Einfach aushalten. Das Schöne ist: Auch der ätzendste Tag hat nur 24 Stunden.

21. Die Menschen erinnern sich an das Gefühl, das du ihnen gibst. Nicht an die Worte, nicht an die Taten, nicht an Geschenke. Wenn jemand in deiner Anwesenheit kompromisslos aufblühen kann und das Gefühl hat, er darf zu 100% er selbst sein, wird er dir das nicht vergessen.

22. Die Sache mit der Selbstliebe… Tja, diese Selflove. Was machen wir nur mit der? Ich habe eine Sache für mich erkannt: Selbstliebe ist nicht immer der einfache Weg, der einen in Versuchung führt, das zu tun, womit man es sich in diesem Moment am leichtesten macht. Kein Bock auf Arbeit? Einfach mal liegen bleiben. Kein Bock auf Sport? Braucht eh niemand! Eigentlich kein Geld für diese Investition? Egal, treat yourself! Ja, das klingt gut, hat mit richtiger Selbstliebe in meinen Augen aber nicht allzu viel zu tun.

Wer sich selbst liebt, der gibt auf sich Acht und behält das längerfristige, große Ganze im Blick. Das beinhaltet auch Dinge, die vielleicht nicht so viel Spaß machen, aber wichtig für einen sind. Arztbesuche, körperliche Aktivitäten, bestimmte Deadlines und Pflichten einhalten – all das ist manchmal nervig, hält uns aber „in Stand“. Natürlich soll man sich unbedingt auch mal die Pizza gönnen, natürlich am Wochenende auch mal ausschlafen. Aber Balance is Key. Und deshalb ist Self Love in meinen Augen vielleicht weniger das, was sofortige Hochgefühle verspricht, sondern vielmehr Dinge, die man für sich tut, um sich selbst stolz zu machen.

________

Tja, das war sie, meine kleine, bescheidene Auswahl der Lektionen, die mir das Leben bisher beschert hat. Manchmal auf die harte Tour. Aber das war es allemal wert. ❤️ Auf viele weitere Stolpersteinchen und ihre Lehren.

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