Aline Bachmann im Interview:“ Ich alleine entscheide, ob ich das Opfer bin oder nicht!“

Normalweise gehe ich ohne Nervosität an Interviews ran. Heute war das anders. Der Grund: Mein Zoom-Talk mit Influencerin und YouTuberin Aline Bachmann (27). Nur wenige Tage nach ihrem alarmierenden Posting auf Instagram (mittlerweile wieder gelöscht). Falls ihr es nicht gesehen haben solltet: Auf dem Foto zeigte sich Aline völlig verweint ihren Followern und gestand offen und ehrlich, wie fix und fertig sie sich fühle. Ihre Batterie sei leer und durch die vielen Operationen sei darüber hinaus auch noch eine Schmerzmittel-Anhänigkeit entstanden. Ganz menschlich ausdrückt also: Sie braucht eine Pause.

Mein erster Gedanke, als ich dieses Foto sah: Das ist nicht gerade die beste Ausgangssituation für ein Interview, um über die Veröffentlichung ihrer neuen Autobiographie „Nie wieder Opfer“ (erhältlich seit dem 03.03.2021) zu sprechen. Mitten in einem emotionalen Down, das Aline ganz offensichtlich so sehr zuzusetzen scheint. Ich hatte Bedenken. Doch wie ich bei unserem Gespräch relativ schnell feststellen durfte, hätte es vielleicht sogar gar keinen passenderen Zeitpunkt für dieses Interview geben können. Denn Aline zeigte sich mir als die absolute Kämpferin – als eine junge Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und stetig daran arbeitet, – um es nochmals in den Worten ihres Buchtitels zu sagen – eben „nie wieder Opfer“ zu sein.

Aline Bachmann und ihr turbulentes Leben

Für all diejenigen unter euch, die Aline bis jetzt noch nicht wirklich auf dem Schirm hatten, vorab aber noch ein paar einschneidende Facts über ihr Leben: Die 27-jährige gebürtige Dresdnerin wurde 2013 als Teilnehmerin bei DSDS bekannt. Zu dieser Zeit brachte sie 200 Kilo auf die Waage, was jetzt prinzipiell natürlich erstmal nicht das Topic ist.

Allerdings machte Aline in der Zeit darauf durch ihre drastische optische Veränderung auf sich aufmerksam. Sie verlor unglaubliche 130 Kilo durch eine Magenverkleinerung und harte Disziplin. Ihre Fans nahm sie auf diesem Weg stets mit.

2020 legte Aline dann einen krass berührenden Clothes-Down auf dem Alexanderplatz in Berlin hin, an den sich sicherlich noch einige von euch erinnern dürften. Inmitten von etlichen Menschen ließ sie ihre Klamotten fallen und offenbarte uns damit die „andere Seite“ eines Gewichtsverlustes, nämlich massig schlaffe Haut und ein komplett zerstörtes Bindegewebe. „Als ich dick war, haben sie sich umgedreht und geurteilt und jetzt urteilen sie wegen meiner überschüssigen Haut! Man kann es der Menschheit nicht Recht machen“, schrieb sie zu dem Posting. Damals hatte sie bereits 107 Kilo abgenommen.

Alines überschüssige Haut, nachdem sie ihr Gewicht von 200 auf 66 Kilo durch eine Magenverkleinerung und strenge Diät reduziert hatte.

Seitdem schafften es Aline und ihr krasses Leben immer wieder in die Schlagzeilen. Ob mit News über neue körperliche Veränderungen und Beauty-OPs, heftige Prügel-Vorwürfe gegen ihren Ex oder auch kürzlich dank des Cyberkrieges mit Oliver Pocher. Spoiler: Auch darüber sprachen wir während unseres Interviews. Nur ein Punkt auf meiner Liste.

Denn ihr müsst schon zugeben, allein wenn man das alles liest, schießen einem direkt 1000 Fragen zu ihrer Person durch den Kopf. Viele davon konnte ich Aline während unseres Gespräches stellen. Und die Antworten solltet ihr euch definitiv nicht entgehen lassen. 🙏🏻

» Ich alleine entscheide, ob ich das Opfer bin oder nicht – und ich habe mich dagegen und für meine eigene Verantwortung und Stärke entschieden. «
Aline Bachmann

TC: Hey Aline, ich muss es dich nach deinem aufwühlenden Instagram-Posting einfach ganz direkt fragen: Wie geht es dir heute?

Aline: Jetzt geht’s wieder. Wir haben alle unsere Up- und Down-Momente im Leben, vor ein paar Tagen war es schwierig.

🙏🏻 Dein neues Buch soll den Leser ja ermutigen, sich selbst aus der „Opfer-Haltung“ zu begeben und mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Das ist für viele eine riesige Nummer. Ist der Titel “Nie wieder Opfer“ bei dir selbst komplett eingetroffen?

Es gab Situation in meinem Leben, in denen ich mich selbst in die Opferrolle begeben habe. Es gab aber auch Situationen, in denen ich in diese Position schmerzhaft gedrängt worden bin. Der Titel ist ein starker Reminder an mich selbst, dass ich beides nicht mehr mit mir machen lasse, und dass ich selbst in jeder Situation die Zügel in der Hand habe. Ich alleine entscheide, ob ich das Opfer bin oder nicht – und ich habe mich dagegen und für meine eigene Verantwortung und Stärke entschieden.

Aline vor ihrem Beschluss, abzunehmen.

Also wenn ich dich jetzt ganz direkt frage, ob du dich zukünftig niemals wieder in der Position des Opfers wiederfinden wirst, beantwortest du mir das mit 100%?

Zu 99% auf keinen Fall! Aber auch nur, weil man nie im Leben etwas zu 100% beantworten kann, denn wir werden erst noch sehen, was die Zukunft bringt. Doch selbst wenn ich mal wieder am Boden liege, bin ich von meinem Kopf her kein Opfer mehr. Wichtig ist nur, dass man immer wieder aufsteht, auch an Tagen, die alles andere als toll sind!

„Kämpfe und verliere nie dein eigenes Ich“, heißt es in deinem Buch. Hast du einen Spruch, der dich motiviert, auch in sch**** Situationen weiterzukämpfen? 

Erst wenn du dich selbst liebst, kannst du die Liebe von anderen bedingungslos annehmen – diesen Spruch nehme ich mit ins Grab und er wird das Erste sein, was ich meinen Kindern beibringen werde! Denn ich musste erst verstehen, dass die Liebe bei sich selbst anfängt. Vorher bekommt man die quälenden Gedanken „nicht gut genug zu sein“ niemals ruhig gestellt.

» Ich habe immer zu hören bekommen, dass ich selbst an meinem Gewicht schuld bin und das stimmt nicht «
Aline

Wie bist du zu dieser wertvollen, lebensverändernden Ansicht gekommen?

Durch einen Mann, der mich wirklich geliebt hat! Nur konnte ich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht verstehen, wieso er das tat. (…) Es ist alles ein riesiger Prozess.

Ja, diese Prozesse verfolgen uns ein Leben lang. Und du hast bereits eine Menge davon durchgemacht. In kürzester Zeit hast du stark abgenommen – 130 Kilo, um genau zu sein – und einen heftigen Op-Marathon (Hautstraffung, Zähne, Lippen etc.) hast du auch hinter dich gebracht. Wie schaffst du es, dich selbst nach so einer krassen optischen Veränderung wiederzufinden?

Wiederzufinden… ich fange gerade erst wirklich richtig an, zu leben. Ich habe in der Zeit, in der ich so stark übergewichtig war, in einer Trance gelebt, ich habe vor mich hinvegetiert. Mir haben einige Leute vorgeworfen, nicht mehr so lustig wie früher zu sein, dabei war das alles eine riesige Ablenkung. Ich bin gerade auf dem Weg, authentisch mit mir selbst zu werden und nach und nach zu entdecken, wer ich bin. (…) Irgendwann komme ich in meinem Glück an. Das ist mein Ziel!

Hättest du dir mehr Achtsamkeit im Bezug auf dein frühes Übergewicht von deinen Eltern gewünscht?

Ich nehme es meinen Eltern nicht übel. Sie wussten vieles nicht besser, doch ihr Umgang mit meinem Gewicht, schon als kleines Kind, war immer sehr kontraproduktiv. Ich habe immer zu hören bekommen, dass ich selbst an meinem Gewicht schuld sei, und das stimmt nicht. Zusätzlich dumme Sprüche über das Essen und das Gewicht von den Eltern zu kassieren, hilft überhaupt nicht. Sie machen es schlimmer und gehen nicht auf das wirkliche Problem ein. Ich habe als Kind immer nach außen gelächelt und innen drin stark gelitten, dabei gibt die Kindheit die so wichtige Basis für unser Leben.

Als Influencerin stehst du mit deinem Leben stark in der Öffentlichkeit. Anfang des Jahres konnten wir einen kleinen Cyberkrieg zwischen dir und Oliver Pocher, der es sich aktuell zur Aufgabe gemacht hat, Influencer öffentlich zu bashen, verfolgen. Jetzt hat er bei RTL eine neue Prime-Time-Show mit dem Titel „Pocher vs. Influencer“ bekommen – Was hältst du von diesem Format?

Hahaha. Vielleicht bekomme ich eine Einladung – das fände ich lustig. Aber Spaß bei Seite, ich finde das alles nicht gut, das haben Oliver und ich aber bereits in einer Aussprache geklärt. Mit vielem, was Oliver in seinem Format macht, hat er recht. Nur diese öffentliche Hetzjagd, die dadurch ausgelöst wird, ist wahnsinnig gefährlich. (…) Er hat keine Ahnung, wie emotional stabil die Person ist, und welche Verletzungen diese Art der Kommunikation mit sich bringt.
» Nur weil jemand emotional am Tiefpunkt ist und auf dem Boden liegt ist er noch lang kein Opfer «
Aline Bachmann

Hast du dich immer in diesen Auseinandersetzungen korrekt verhalten?

Nein, auch ich habe meine Fehler gemacht und das auch öffentlich eingestanden. Aus Fehlern lernen wir.

Das stimmt. In deinem Buch berichtest du ausführlich über deine toxische Beziehung zu dir selbst, aber auch zu Ex-Freunden. Was hast du daraus gelernt und was ist dein Rat an andere jüngere Frauen, die ggf. auch in toxischen Partnerschaften stecken?

Man nimmt sich einen Partner, der toxisch ist, weil man es sich selbst in dem Moment gar nicht wert ist. Man macht eine Menge mit, nur um „geliebt“ zu werden, dabei ist das keine Liebe. Mein Ratschlag: Sofort die Reißleine ziehen. Keine 2. Chance – wir reden in solchen (körperlich und emotional übergriffigen) Situation immer alles schön.

Zurück zum Buch: Wie können wir uns deinen Schreib-Prozess vorstellen?

Ich habe wahnsinnig viel geweint, während ich mit meiner Co-Autorin Tina das Buch geschrieben habe. Jedes Kapitel war wie eine kleine Therapie für mich, die viele Aha-Momente in mir ausgelöst haben. Es war eine unerwartete Selbstfindungsphase – ich hatte das niemals erwartet.

Ist eine Verfilmung des Buchs geplant?

Wow. Ich bekomme Gänsehaut. Das ist schon ein hochgegriffener Traum, bis jetzt steht der wohl noch in den Sternen.

Und wirst du die Rezensionen lesen?

Ja! Ich mag Kritik sehr, ich finde das ist eine sehr gesunde Form der Meinungsfreiheit und nur durch ehrliche Kritik entwicklen wir uns weiter, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Das stimmt. Gibt’s zum Abschluss noch irgendwas, das unsere Leser unbedingt wissen müssen?

Jeder macht Fehler und diese Fehler machen uns stärker. Wir lernen aus jeder Situation. Nur weil jemand emotional am Tiefpunkt ist und auf dem Boden liegt, ist er noch lang kein Opfer!

_ _ _ _ _ _ _ _ _

Word! 👏

Letzte Worte von mir an dieser Stelle: Natürlich stecken wir nie in den Schuhen des Gegenübers und wissen nicht, was wirklich im Inneren vor sich geht!  Doch Aline wirkte während unseres ganzen Interviews emotional reflektiert, klar mit sich und ihrer Geschichte, und vor allem voller Willenskraft in ihrem Kampf – dem Prozess, „nie wieder Opfer“ zu sein. Mich hat sie auf jeden Fall davon überzeugt, dass sie auf einem guten Weg ist. Und wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel und der entsteht nur beim Gehen!

Danke Aline für das ehrliche Interview. Pass auf dich und dein Herz auf und bleibe niemals stehen. 😉

x Fine

Credits: Instagram / Aline Bachmann , PR – Material

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