Wir haben uns Aviciis Doku „True Stories“ auf Netflix angeschaut und sind noch immer fassungslos

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Avicii ist tot.

Wenn wir die letzten Tage nicht persönlich fast jeden Bericht darüber gewälzt oder auch schon selbst über seinen tragischen Tod geschrieben hätten, würden wir wahrscheinlich immer noch denken (und hoffen), dass wir uns in einem geschmacklosen Albtraum befinden.

Doch das sind wir nicht. Nein, einer der größten Musiker unserer Zeit ist mit gerade mal 28 Jahren viel zu früh von uns gegangen.

Der DJ wurde am Freitag, 20. April, tot in Maskat, der Hauptstadt des Oman, aufgefunden. Die Frage nach dem Warum ist noch immer ungeklärt.

Denn auch wenn die Todesursache, laut Angaben der schwedischen Polizei, mittlerweile zwar geklärt sei und ein Tötungsdelikt ausgeschlossen werden könne, werden genauere Angaben auf Wunsch der Familie trotzdem noch zurückgehalten.

Ja, Aviciis Tod wirft Fragen auf, das ist unbestreitbar. Doch neben all den Vermutungen und Berichten, die derzeit durchs Netz schwirren, drängt sich uns doch immer mehr eine ganz bestimmte Frage auf: Wer war Avicii überhaupt?

Denn haben wir uns eigentlich jemals gefragt, welcher Mensch hinter dem Star-DJ Avicii steckte? Wer war Tim Bergling (so heißt er mit bürgerlichem Namen) wirklich?

Nein, diese Fragen haben sich wohl die wenigsten gestellt, während sie zu seinen Songs durch die Gegend gesprungen sind und seine unverwechselbare Musik in sich aufgesogen haben. Alle hatten nur das große Ausnahmetalent vor Augen, das mit seinen Songs die ganze Welt ansteckte.

Aviciis „True Stories“ lässt uns fassungslos zurück

Doch mit Aviciis Doku „True Stories“, die erst 2017 produziert wurde, ändert sich das alles schlagartig. Denn sie zeigt erstmals den Menschen hinter Avicii, Tim, und seinen rasanten Weg von einem schüchternen, 17-jährigen Teenager mit großem Talent bis hin zu einem der größten DJs unserer Zeit. Sie zeigt seinen Weg in all seinen wilden und vor allem düsteren Facetten.

Wir haben uns die Doku, die seit dem 31. März auf Netflix läuft, angeschaut und sind vor allem eines: Bestürzt, fassungslos, sauer und unglaublich traurig. Ja, es bleiben viele Gedanken und Gefühle, die sich eigentlich nur schwer in Worte fassen lassen. Doch „True Stories“ hat uns, so kurz nach Aviciis Tod, vor allem mit einer Sache zurückgelassen: einem unglaublich mulmigen Gefühl im Bauch. Ein Gefühl, das auch bis heute nicht ganz weggehen will.

Doch kein Wunder, denn schon die ersten Minuten der Doku schmeißen einen mit einem Ruck in das rasante Leben des einstigen Star-DJs. Es war ein Kick, wie beim Fallschirm-Springen. Beim Springen spielt man damit, dem Tod nahezukommen. Und auf der Bühne spielt man damit, etwas Besonderes zu sein und gleichzeitig eine Verbindung zum Publikum aufzubauen, akzeptiert zu werden“, erzählt Avicii zu Beginn des Filmes. 

Etwas Besonderes sein – Das hat Avicii geschafft. Doch zu welchem Preis, ist eine andere Frage.

Zu Beginn sehen wir einen schüchternen Jungen, gerade mal 17 Jahre alt, der mit seinen Kumpels in seinem Zimmerchen an Musik herumtüftelt, ohne eine Ahnung davon, was daraus einmal entstehen könnte.

Bis plötzlich Arash „Ash“ Pournouri, sein damaliger Manager, auf ihn aufmerksam wurde. 

Avicii: „Ich war jung, ich war Single und mein Leben war eine einzige Party“

Sein Ziel: Tim groß rausbringen.

Und dann ging alles ganz schnell. Die ersten großen Auftritte, eine Show nach der nächsten, Tournee. 2011 kam dann mit „Levels“ der MEGA-Durchbruch. Plötzlich kannte nicht nur die Clubszene Avicii, sondern die ganze Welt.

Und genauso rasant wie sein Aufstieg, war auch das neue Leben als Star-DJ: Bunt, laut, schnell – eine einzige Party! Plötzlich sitzen auch wir wie in einem Rausch vor unserem Bildschirm. Die Bilder fliegen. Wir werden im Schnelldurchlauf durch Wochen, Monate, Jahre voller Gigs und Shows gezogen. Oben links läuft eine Uhr. 1, 2, 3, 254… 550 Shows! Und das in vier Jahren.

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Ja, Tim fuhr nur einen Weg – und zwar den steil nach oben. Neue Songs, mehr Shows. Gefühlt jeder große Künstler wollte mit dem schwedischen Überflieger zusammenarbeiten.

Doch mit dem Erfolg, kam auch der Druck. Tim griff mehr und mehr zum Alkohol.

Anfangs habe ich mich nicht getraut, zu trinken. Ich wollte die Auftritte nicht versemmeln, aber dann habe ich gemerkt, dass ich mit ein paar Drinks einfach lockerer drauf war. Aber letztendlich hat es mir geholfen, die Shows durchzustehen“, erzählt er.

Doch während es für Avicii immer mehr bergauf ging, führte der Weg für Tim hingegen steil bergab. 2012 vor einem Gig in Australien bekam der Musiker plötzlich starke Schmerzen und musste ins Krankenhaus: Bauchspeicheldrüsenentzündung!

Erholen? Dafür war keine Zeit. Stattdessen griff Avicii mehr und mehr zu Schmerztabletten. Wie heißt es so schön: The Show must go on!

Und das ging sie (2008-2013 650 Shows) – bis 2013 dann der Knall kam. Wieder ins Krankenhaus. Diagnose: Blinddarmdurchbruch, Gallenblasenriss. Tim ist körperlich am Ende. Die Bilder zeigen einen abgekämpften, abgemagerten, jungen Mann. Es sind Bilder, die erschrecken und einen fragen lassen: Wie konnte es soweit kommen? Warum griff niemand früher ein?

„Ich musste die verschiedensten Medikamente nehmen und ständig wurde betont, nichts davon würde süchtig machen. Am Ende nahm ich 20 verschiedene Präparate. Mir wurde Angst und Bange bei der Menge. Das ging eine Zeit so weiter und ich ging wieder auf Tour.“

 

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Freund: „Er war nur noch ein Schatten seiner selbst“

Von Szene zu Szene wird deutlicher, dass der Druck für den eigentlich so introvertierten Tim zu viel wird. Doch Avicii muss glänzen. Star-DJ David Guetta, der schon mit Avicii zusammenarbeiten durfte, fasst es im Interview perfekt zusammen: „Wenn du erstmal drei Welthits abgeliefert hast, erwartet jeder einen neuen von dir. Und das ist sehr belastend“.

Ein Druck, der Tim zunehmend kaputt gemacht hat. Es gab nur noch einen Gedanken: Ich muss bestehen, weil andere (Manager und Co.) und eigentlich die ganze Welt das von mir erwarten. Was Tim will, daran hat der DJ schon lange nicht mehr gedacht. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Das war nicht mehr der Mensch, den ich einmal kannte“, erzählt ein guter Freund von Tim.

„Es war ein Leben unter Starkstrom“

2015 zog Tim schließlich erstmals die Reißleine. Nachdem sein Album „Stories“ rauskam, sagte er für die nächsten acht Monate alle Shows ab, versuchte sich wieder zu erholen.

Das schaffte er auch – bis die Shows wieder losgingen. Denn mit jedem Gig, kamen auch die Panikattacken und Ängste zurück.

Seine Konsequenz: 2016 sagte er den Live-Auftritten ein für alle mal Lebewohl! Eine Handlung, die bitter nötig war und nicht mehr aufgeschoben werden konnte. Das wurde mit jeder weiteren Szene deutlich. Dieser Stress dauert schon viel zu lange an. Ich will die Leute nicht hinhalten, ich muss aufhören, sonst komme ich nie zur Ruhe. Das sagt mir mein Körper schon seit 8 Jahren. Deswegen möchte ich das jetzt endlich aller Welt mitteilen.“ 

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Es war ein „Leben unter Starkstrom“, wie er selbst sagt. Ein Leben, das ihn kaputt gemacht hat. Von 2008-2016 hatte er unglaubliche 813 Shows hinter sich. 

Die letzten Szenen zeigen Tim am Strand von Madagaskar. Er wirkt erholt, ist braun gebrannt und zu Kräften gekommen. Es ist erst einen Monat her, seitdem ich meinen letzten Gig gespielt habe, aber es kommt mir vor, als wenn es Jahre her ist. Ich fühle mich momentan wie damals mit 18, hört man ihn sagen. 

Ja, man hat in dieser Szene das Gefühl, Avicii hat zurück zu sich gefunden, zu Tim. Und es sind gerade diese Bilder, die einen traurig machen. Denn der 28-Jährige schien nach langer Zeit endlich wieder glücklich zu sein, er hatte sein Leben noch vor sich. Doch jetzt ist er tot und wir trauern nicht nur um einen begnadeten Musiker, sondern vor allem auch um Tim, einen Menschen, der vielleicht zu spät auf sein Herz und das gehört hat, was ihn wirklich glücklich macht.

Seht hier den Trailer zu Aviciis „True Stories“:

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