Bahar Kizil im Exklusiv-Interview: Jeder kann seinen Körper lieben – mit dem richtigen Mindset!

Ist es wirklich schon 14 Jahre her, seit Bahar Kizil (31) zusammen mit Mandy Grace Capristo und Senna Glamour als Siegerin der Castingshow „Popstars“ hervorging? Hitsongs wie „Shame“ der Girlband Monrose“  in Dauerschleife auf meinem Computer liefen? Ja! 2006 wurde Bahar tatsächlich zum Popstar, doch die Welt drehte sich weiter und somit auch ihr Karriereweg: Sie wurde vom Bandmitglied zu einer ausdrucksstarken Solo-Künstlerin.

Und zum Symbol von Selbstliebe. Denn auch ihr Körperbild veränderte sich im Laufe der Jahre – mit mittlerweile 5 Kleidergrößen mehr mauserte sie sich zur Curvy Goddess, und zwar so, wie es sich gehört: ohne großes Drama. Vor 3 Jahren, als das Bodypositivity-Movement noch in den Startlöchern steckte, war es besonders erfrischend, von einer Person der Öffentlichkeit eine so schöne und starke Ansage zu bekommen! 

Nach einer zweijährigen Pause vom Showgeschäft vor ihrer Teilnahme bei „Dance Dance Dance“ 2017 startet sie jetzt so richtig durch und gilt als Vorbild zahlreicher Frauen. Neuerdings auch als Gesicht der aktuellen Herbst-Kampagne #MyPerfectStyle von Sheego. Die ist genau wie sie: schlagkräftig, stark, inspirierend, noch dazu umweltbewusst.
Ich habe die gebürtige Freiburgerin und Wahl-Berlinerin zu  einem Zoom-Interview getroffen, und das war so bereichernd, dass ich fast vergessen habe, dass es sich hier um einen Geschäftstermin handelte.

Ein Interview über die Lektionen des Lebens, die Veränderungen des Körpers und die Wichtigkeit eines gesunden Mindsets

Bahar: Vorab möchte ich gleich sagen, dass ich nicht das typische Plussize-Model bin, oder wie immer man das bezeichnen möchte. Ich habe bei der Kampagne zugesagt, weil ich transparent sein will und es darum geht, unsere Persönlichkeit ganz bewusst mit nach außen zu spiegeln. Das Message der Kampagne ist mir noch viel wichtiger als die Looks an sich. Hier geht es um uns, um die die Fragen nach: „Wer bin ich, was macht mich aus, wer möchte ich sein?“

TrèsCLICK: Das klingt so toll! Wir sind gespannt, gleich mehr darüber zu erfahren. Aber zunächst – Wie hast du die Veränderung deines Körpers als Person, die ständig unter der Bewertung der Öffentlichkeit steht, wahrgenommen?

Bahar: Schwierig. Nach 2 Jahren Pause und vielen Veränderungen in meinem privaten und beruflichen Leben hatte ich schleichend 20-30 Kilo zugenommen. Ich selbst hatte das überhaupt nicht als negativ empfunden, bis die Anfrage von „Dance, Dance, Dance“ kam. Ich hatte kurzzeitig wirklich Angst, von der Öffentlichkeit beurteilt, verurteilt und zerfetzt zu werden – damals waren wir mit Themen wie Selbstliebe und Körperakzeptanz noch nicht so weit wie heute. Diese Angst war unbegründet, wie sich dann herausstellte. Die Teilnahme war das Beste, was ich für mich tun konnte. Nichts in meiner ganzen Karriere hat mir so einen positiven Push im selbstbewussten Wahrnehmen gegeben. Mein Drang zu tanzen und mich gut zu fühlen war größer als die Angst vor der Verurteilung. Mein Köper hat Power und Ausdruck! Genau das habe ich in diesem Prozess gemerkt!

Wow, das wird viele Frauen, die Ähnliches erleben, ermutigen! Du hast nie gestrugglet?!

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es war immer einfach und unkompliziert in meiner Gedankenwelt. Doch irgendwann habe ich den Ist-Zustand erkannt und ihn einfach akzeptiert. Ich weiß, dass ich selbst die Power habe, ALLES, was ich möchte, zu verändern, – WENN ich es denn möchte!

» Warum zerfetzen wir uns manchmal selbst so sehr, um irgendwelchen Klischees zu entsprechen? «
Bahar Kizil

Du warst noch so jung (17) als du „Monrose“-Bandmitglied wurdest. Konntest du den Druck im Bezug auf vermeintliche Schönheitsidealen damals schon so gut wegstecken?

Ich war schon damals sehr natürlich und konzentrierte mich hauptsächlich auf die Schule, den Sport und natürlich die Musik. Als ich beim Popstar-Casting ankam und dort auf Mädchen traf, die mit 2 großen, vollgepackten Koffern dastanden, war ich überfordert. Alles war voller mit Schminke, hohen Schuhe, Lockenstäben und Glätteisen – Ich wusste damals noch nicht eimal, was ein Glätteisen ist! 😄 Ich war nie das typische „girly Girl“, das war nie relevant für mich. Deshalb habe ich diesen klischeehaften „Schönheitswahn“ auch nie wirklich erfahren, denn mir war damals schon klar: Diese Regeln erlegt man sich im Endeffekt doch nur selbst auf! Diese ganze Thema „Beauty“, speziell vor der Kamera, ist eh nur ein Teil eines ganzen Konstrukts. Licht, Perspektive, Winkel, Schnitte und Retusche beeinflussen so Vieles. Wer das verstanden hat, lässt sich auch von Schönheitsidealen nicht aus der Ruhe bringen.

Was bestaunst du an dir selbst besonders gerne im Spiegel und was nicht so sehr?

Haha, das klingt jetzt vielleicht doof, aber ich mag meine Waden! Nicht so sehr hingegen meine Hände. Ich finde, sie sehen aus wie Kinderhände. 😄

Deutlicher wird’s nicht: Du liebst dich und deinen Körper!

Ja! Ich mag meinen Körper – ich stehe gern zu ihm. Natürlich gibt es da auch immer wieder weniger gut Phasen. Aber ich habe festgestellt, dass eine Zahl auf der Waage weder bei Frauen noch bei Männern so wichtig ist. Warum muss es in unserer Gesellschaft immer darum gehen? Das nervt mich extrem! Warum zerfetzen wir uns manchmal selbst so sehr, um irgendwelchen Klischees zu entsprechen? Mein Fokus liegt auf meinem Wohlbefinden und meiner Gesundheit!

Als Markengesicht der neuen Sheego Kampagne #MyPerfectStyle verkörperst du Bodypositivity at its best. Welche Message soll die Kampagne anderen Frauen übermitteln?

Alles ist möglich, egal, worum es geht – und wie viel wir dabei wiegen! Ich möchte vermitteln, dass es keine Tabus und Grenzen gibt. Wenn wir Lust haben, einen kurzen Rock zu tragen, einen Ausschnitt oder was immer uns in diesem Moment gefällt, dann tun wir das!

Natürlich erschafft man mit seinem Outfit ein Bild von sich, das man nach außen trägt – und die richtigen Klamotten können dazu beitragen, zu zeigen, wer wir als Menschen sind und was uns aus macht!

Wie beschreibst du deinen ‚Perfect Style‘?

Weniger ist mehr! Ich zweige entweder Beine oder Arm. Ich mag es einfach entspannt und reduziert. Allerdings gibt es auch so ein paar Momente im Jahr, wo ich so richtig auffahre! Mit Gold, Glitzer und hohen Schuhen bis zum Abwinken, haha! Und über die Jahre kamen ja auch noch einige Tattoos hinzu.

Im Endeffekt soll Mode einfach Spaß machen.

Amen! Liebe Bahar, dein Schlusswort?

Es ist scheiß egal, wie dick oder dünn du bist, wie groß oder klein. Es geht darum, wer du bist, was du kannst du und wofür du einstehst!

________

Vielen Dank für dieses Gespräch. Bahars Geschichte und Mentalität vermitteln eine wertvollen Botschaft, die ich schon fast als Pflichtprogramm für eine gesunde Denkweise empfinde! Ich hoffe, euch hat das Interview einen genau so großen Mindest-Boot gegeben wie mir. Denn Mindest is Key! Alles im Leben können wir zu jeder Sekunde des Tages zu unserem Wohl verändern und lenken, WENN WIR WOLLEN. Wir bilden unser eigenes Konstrukt von Idealen, also let’s do it! 🥰

Und bevor ihr euch jetzt vor den Spiegel stellt und einmal ganz laut DANKE an euren Körper sagt, gibt’s hier noch ein kleines Schmankerl von Sheego – zur ganzen Kampagne geht’s hier. Gern geschehen. ❤️

x, Fine

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