Warum die Outfits von Beyoncé und Ed Sheeran gerade eine riesige Diskussion auslösen

Ein Bild ging in den letzten Tagen um die Welt. Eines das aufgenommen wurde, als zwei international bekannte Künstler während des Global Citizen Festivals in Johannesburg gemeinsam auf der Bühne standen. Beyoncé und Ed Sheeran – sie performten ein Gänsehaut-Duett seines Songs „Perfect“. Doch nicht etwa wegen der Musik steht die Aufnahme gerade im Mittelpunkt einer riesigen Diskussion. Sie rückt ein Problem in den Fokus, das weit über die einzelnen Personen hinausgeht. Ein Problem, das Privilegien, Doppelstandards und unsere (oft unbewusst) diskriminierende Wahrnehmung betrifft. 

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Denn was sehen wir auf diesem Bild? Eine grandios gestylte Sängerin im festlichen Kleid, auffallend geschminkt – der gewohnte „Wow“-Anblick. Neben ihr? Ein Sänger, gekleidet in Jeans und T-Shirt, unaufgeregt, bequem.

Für viele ist dieser Kontrast ein Paradebeispiel dafür, wie unterschiedlich Männer und Frauen sowie verschiedene Ethnien, auch heute noch von uns wahrgenommen werden – und welche Privilegien die einen gegenüber den anderen genießen. Nur der weiße Mann könne sich nach Meinung vieler User im Netz erlauben, so „ungestylt“ auf der Bühne zu stehen. Dann auch noch neben der pompösen Erscheinung von Beyoncé. Ein absolutes No-Go…?

Gerade auf Twitter nimmt die Diskussion Fahrt auf:

Dieses Bild ist so so so repräsentativ für das, was wir von Männern und Frauen erwarten, die an der Spitze stehen, oder etwa nicht?

Ich verstehe das total! Obwohl ich gute Musiker in normaler Kleidung absolut schätze, ist dieser Doppelstandard lächerlich… es zeigt deutlich, was von weiblichen und männlichen Künstlern erwartet wird.

Denn natürlich geht es hierbei nicht allein um Ed Sheeran und Beyoncé und ihren gemeinsamen Auftritt. Vielleicht ist es also auch gar nicht das richtige Beispiel, um dieses wichtige Thema auszubreiten und ins Bewusstsein zu rücken.

Schließlich sind beide Künstler bekannt, berühmt und geliebt für genau diese Art aufzutreten und sich zu präsentieren. Kein Fan hätte erwartet, dass sich bei einem gemeinsamen Auftritt einer von beiden für den anderen verstellt. Die Szenerie lebt sogar ein wenig von dem großen Kontrast, von der Glamour-Welt, die auf den Jungen von nebenan trifft – und trotzdem SO gut harmoniert…

Die Fans der beiden Stars halten dagegen:

Beyoncé kann sich so kleiden, wie sie will. Sie hat die Macht der freien Wahl und übt diese aus.
Ed Sheeran kann sich kleiden, wie er will. Er hat die Macht der freien Wahl und übt diese aus.
Künstler haben Agenturen, die sie im besten Fall so präsentieren, wie sie es sich wünschen.

Weshalb auch Ed Sheeran die Thematik jetzt ganz trocken in seiner eigenen Insta Story aufgreift. #DressToImpress (Kleidung, um zu beeindrucken) betitelt er ein Bild von genau dem T-Shirt, das er während des besagten Auftritts trug. Nicht mehr und nicht weniger…

Beyoncé ist eben wie sie ist – und setzt sich sicherlich auch gerne genau mit solchen aufwendigen Looks in Szene. Und auch Ed Sheeran ist wie er ist – schon immer bekannt für den Fokus auf seine Musik, nicht das Drumherum.

Beyoncé und Ed Sheeran sind nicht das eigentliche Problem

Und trotzdem kann die Diskussion um Privilegien verschiedener Personen, ob die Hautfarbe, Religion oder das Geschlecht betreffend, nicht einfach so wieder abgetan werden. Die Grundsatzfrage dahinter darf dabei nämlich auf gar keinen Fall unter den Tisch fallen: Könnte eine Frau mit dunkler Hautfarbe auch berühmt werden, wenn sie sich so kleiden und verhalten würde wie Ed Sheeran? Nur durch ihre Stimme, nicht durch ihren Auftritt? Oder müsste sie sich verändern und aufstylen, um wahrgenommen zu werden? Diese Fragen stellt sich auch die Aktivistin Ericka Hart auf Instagram und stellt für sich ernüchtert fest:

Eine schwarze Frau könnte niemals in einem solchen Outfit auf einer Bühne stehen (vom Unterrichten einer Klasse bis zum Singen in Konzerthallen) und so am nächsten Tag Karriere machen.“

Wie sehr dieses Bild zweier Stars die Menschen online bewegt und spaltet, zeigt also einmal mehr, wie wichtig es ist, sensibel für solche unterschiedlichen Maßstäbe zu bleiben. In allen Bereichen des Lebens. Wir alle sollten genau hinschauen, aufmerksam machen, ansprechen – und es vor allem nicht schulterzuckend als das Problem von gestern abtun.

Dennoch (oder gerade deshalb?) freuen wir uns, zwischen all der notwendigen Diskussion, über die augenzwinkernde Interpretation des „Comedy Centrals“ zum tobenden Bey-Ed-Gate. Dort drehen sie die Looks der beiden Künstler jetzt ganz einfach um. Und wir finden: Auch so rum funktioniert’s doch! Also bitte mehr davon… 🙌

Problem gelöst?

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Problem solved.

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