In der Selbstisolation wird vielen Paaren klar, dass sie nicht füreinander bestimmt sind

Warum es gerade in dieser Krisenzeit noch schwieriger ist, Single zu sein? Haben wir bereits für euch erörtert. Doch nicht nur partnerlose Herzen können aktuell schwierige Momente durchleben. SO schwierig oftmals, dass selbst eingespielte Gefüge irgendwie ins Wanken geraten.

Oder, mit anderen Worten: Auch Paare durchleiden in der gemeinsamen Isolation unüberwindbare Tiefen. Klar, irgendwie sind Streitereien aus dieser Zeit auch nicht ganz wegzudenken. Wer nicht gerade alleine lebt, der hockt sich halt gemeinsam mit irgendwem den Hintern wund. Immer am selben Ort, keine räumliche Trennung, fehlende andere Gesprächspartner, kaum Entfliehen, weniger Me-Time.

Für einige Beziehungen eine schwere Zerreißprobe. Aus der vermutlich nicht alle erfolgreich hervorgehen werden. Suzanne Kimberly Bracker, eine renommierte Anwältin aus Manhatten, berichtet gegenüber der „New York Post“: „Viele Menschen merken gerade, dass sie sich eigentlich gar nicht ausstehen können.“

Autsch. Was hart klingen mag, hat einen einfachen (wenn auch schmerzlichen) Hintergrund. Auf einmal lernt man sich eben in jeder erdenklichen Facette kennen. Zu jeder noch so ungünstigen Zeit. Paare, die sonst vor allem eine bestimmte Gemeinsamkeit verbunden hat, wie etwa der Sport oder das gemeinsame Feiern gehen, könnten jetzt vor den unangenehmen Realitätscheck gestellt werden: Passt mein Partner überhaupt zu mir?

Viele Beziehungen stehen auf dem Prüfstand

Wo bislang Probleme beiseite geschoben wurden, liegen sie nun präsentiert zwischen verhärteten Fronten auf dem Silbertablett. Ablenkung ist keine Option. Aus dem Weg gehen ebenso wenig. Da bleibt die Konfrontation oftmals unvermeidlich.

Wer da nicht bereits vorab eine gute Streitkultur für sich etabliert hat, der kommt gerne mal an die gemeinsamen Grenzen. Oftmals gefolgt von der Frage: Ist es das, was mich auf Dauer wirklich glücklich macht?

Kleine Macken hat jeder, schon klar. Größere ganz sicher auch. Der Ehemann kümmert sich zu selten um die gemeinsamen Kinder. Der Freund hängt nur vor der PlayStation herum. Die Partnerin hat einen Ordnungsfimmel. Die Freundin wälzt sich die ganze Nacht unruhig im Bett hin und her… Wie sehr ertrage ich solche Eigenschaften aber nun bei meinem eigenen Partner?! Wer sich diese Frage schon lange nicht mehr ehrlich beantworten kann, der muss sich genau jetzt ganz sicher besonders intensiv mit den Folgen  auseinandersetzen.

Alles, was bisher (noch) kein Trennungsgrund war, obwohl es immer in der Luft lag, kann jetzt kaum noch aus dem neuen Alltag herausradiert werden. Viele Paare gestehen sich also ein, was sie im Innersten vielleicht sogar schon lange gewusst haben dürften: Ich und mein Partner sind nicht füreinander bestimmt. 

Experten erwarten eine höhere Scheidungsrate

Auch Psychologin Julia Scharnhorst prognostiziert gegenüber dem „Focus“ eine solche (Selbst)Reflektion, die gerne mal zur Beendigung einer Beziehung führt. Sie beschreibt es als ein ähnliches Phänomen, wie zu Weihnachten oder im Urlaub etwa: „In solchen Zeiten besteht definitiv eine höhere Trennungsgefahr. Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, fällt zum Beispiel schneller auf, wenn die Werte nicht zueinander passen.“

Und dennoch ist die aktuelle Ausnahmesituation längst nicht für alle Paare ein unüberwindbares Hindernis. Das Gegenteil kann ebenso gut der Fall sein. Beziehungen und Familien wachsen aneinander, rücken näher zusammen, lernen die Persönlichkeiten der anderen neu zu schätzen.

Sollte die Scheidungs- und Trennungsrate also tatsächlich in die Höhe schnellen, dann vor allem, weil Entscheidungen aktuell konsequenter getroffen werden, die ohnehin notwendig wäre. So ergänzt Neurowissenschaftler Volker Busch, wie der „Focus“ zitiert: „Ich glaube, dass die Ursache dafür, dass sich Menschen jetzt scheiden lassen, nicht die letzten zwei Wochen sind. Dann war vorher schon was anderes kaputt.“ Und dann, ja dann … ist diese Zeit vielleicht sogar wirklich eine wichtige Phase der Selbstreflektion. Die absehbar war, früher oder später. Und die durchlebt werden muss. Auch wenn es diese Erkenntnis leider nicht weniger schmerzhaft macht. 😕

Denkt weiterhin daran: Wir alle stehen das durch – gemeinsam!

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