Warum es für einige Menschen so schwer ist, eine Beziehung genau zu definieren

Ich kann mich noch ziemlich genau an eine gewisse Dating-Phase mit einem Typen während meines Studiums erinnern. Wir haben uns ganz klassisch und unspektakulär auf einer Party kennengelernt, Nummern ausgetauscht und uns ein paar Tage später das erste Mal getroffen… was super lief. So super, dass wir es ausgeweitet haben. Heißt: Es folgten einige Monate voller Dates, süßer Nachrichten und romantischer Stunden im Bett. Ich mochte ihn, das war mir ziemlich schnell klar. Und trotzdem wusste ich nicht, was wir da gerade überhaupt am Laufen hatten. Denn definiert haben wir es nie. Aber brauchte es das überhaupt? Eine Definition? Wir schwebten eben so in unserer heiteren Sex/Kuschel/Date-Bubble durch die Gegend. Alles super… Oder?

» Heute wird mehr geschwiegen als definiert. «

Soll ich euch was sagen? Nein, das war es nicht. Denn mich hat dieser Schwebezustand damals verrückt gemacht. Und ich habe mich kurz mal in eine Zeit zurückgewünscht, in der ein Kuss noch etwas bedeutet hatte, und in der Sex eigentlich die ultimative Aussage dafür war, dass man sich für diesen Menschen entschieden hat und exclusive ist. Doch das ist lange her…

Heute wird mehr geschwiegen als definiert. Und es gibt sogar eine Bezeichnung dafür: „Mingle“, eine Wortschöpfung aus „mixed“ und „Single“. Man ist eben offiziell noch Single, obwohl man parallel eigentlich schon die komplette Pärchenschiene fährt.

Aber woran liegt das bitte? Seit wann kann man auf Entweder ganz oder gar nicht nicht mehr zählen? Wann haben wir aufgehört, Dingen einen Namen zu geben? Und vor allem, warum? Klarheit kann schließlich auch was Gutes sein. Man weiß, ob man zum Geburtstag der Schwiegereltern in spe ein Geschenk kaufen muss oder ob man sein Anhängsel beim zufälligen Aufeinandertreffen mit den BFFs als Freund*in vorstellt oder eben nur als Lisa/Paul oder whatever.

Also was ist da bitte los? Meine Antwort habe ich damals mit einem netten: „Irgendwie fühl ich’s doch nicht richtig!“ bekommen. Gut, das kommt vor… Doch woran liegt es generell, dass viele Menschen eine Beziehung einfach nicht definieren wollen?

Zu allererst mal nur so viel: Keine Definition = keine Beziehung! Wenn deine Beziehung nicht definiert ist, befindest du dich auch in keiner“, so Nikita Banks, Psychotherapeutin, gegenüber Bustle. „Die Wahrheit ist, wenn es keine Titel gibt, gibt es auch keine Rollen. Würdest du beispielsweise einen Job annehmen, ohne zu wissen, was in deiner Jobbeschreibung steht? Nein. Wenn du keinen Titel und keine dazugehörige Beschreibung hast, weißt du auch nicht, was von dir erwartet wird und wann du einen guten Job machst. Beziehungen funktionieren genauso.“

Ja, damit hat sie wohl Recht. Dann bleiben wir in der Schwebe, ist es nichts Halbes und nichts Ganzes. Doch was steckt dahinter?

4 Gründe, warum Leute Angst vorm Beziehungs-Stempel haben

1. Sie haben früh gelernt, dass Beziehungen sche*** sind

Dieser Punkt ist eigentlich ziemlich logisch, oder? Man kommt gerade aus einer ätzenden Beziehung (die quasi gescheitert ist, kurz nachdem man den offiziellen Vergeben-Stempel drauf gesetzt hat) oder man hat seine ganze Kindheit miterleben müssen, wie zu Hause die Fetzen flogen? Klar, dass solche Leute dann nicht unbedingt scharf auf eine feste Bindung sind und allein dem Wort Beziehung schon die Schuld an allem Übel geben.

Wir alle kommen mit unterschiedlichem emotionalem Gepäck in unsere Beziehungen. Wenn man sich seiner nicht bewusst ist, kann einen das von einer gesunden und guten Beziehung abhalten“, erklärt Melissa Divaris Thompson, lizensierte Psychotherapeutin, im Gespräch mit Bustle

2. Sie denken, dass mit der Beziehung alles schlechter wird

Okay… natürlich kommen in einer Beziehung auch mal Momente, in denen man nicht einer Meinung ist und in denen der Eine nach links und der Andere nach rechts will. Aber nur, weil man der Sache jetzt eine Bezeichnung gegeben hat und jeder endlich weiß, woran er ist, heiß das doch noch lange nicht, dass sich plötzlich alles ändert. Und der Spaß verschwindet.

Doch genau davor haben viele Panik. Die größte Angst, die ich sehe, ist, dass die Menschen glauben, dass sich die Dinge verändern werden“, so Banks. „Einige Leute sind so darauf konditioniert, zu glauben, dass eine Beziehung das Ende von jeglichem Spaß bedeutet, obwohl das eigentlich gar nicht stimmt.“ Wenn diese Gedanken allerdings erstmal da sind, ist es für „Betroffene“ oftmals schwer, sich auf mehr einzulassen. 

3. Sie haben keinen Bock auf die Verantwortung, die so ein Commitment mit sich bringt

Okay, hier kommt eigentlich der Worst Case. Denn klar, mit jeder Beziehung kommen auch gewisse Erwartungen. Erwartungen, die erfüllt oder eben auch gebrochen werden können. Wenn es kein ‚Label‘ gibt, kann eine Person ‚technisch gesehen‘ tun, was sie will. Wie zum Beispiel andere Personen sehen oder dich ghosten [Pfui!]“, erklärt Ehe- und Familientherapeutin Lia Huynh dem Onlineportal. „Wenn ihr euch nicht offiziell datet, warum solltest du dich dann auch darüber ärgern?“

Tja, dieses Verhalten erinnert doch ziemlich stark an Fuckboys, oder? 🖕🏻🖕🏻🖕🏻 Ankommen, wenn es gerade passt, dann den süßen Traumprinzen raushängen und ansonsten nicht mit dem Arsch angucken. Und nochmal pfui, pfui, pfui! Doch hey, streng genommen, können sie eben genau das machen. Sie sind keine Verpflichtungen eingegangen… und der jeweiligen Lady gegenüber demnach eigentlich auch zu nichts verpflichtet.

Entschuldigt trotzdem nicht so ein Verhalten, just saying. Dann sagt einfach von Vornherein, dass ihr nur was Lockeres wollt und gut ist.

4. Sie schützen einfach nur ihr Herz

Ja, diese dezent kitschig verklärte Antwort mussten wir der Liste einfach noch hinzufügen. Und erst recht, nach diesem düsteren Punkt 3. Denn natürlich besteht die geringe Chance, dass jemand einfach nur aus Selbstschutz handelt und aus Angst, das Herz gebrochen zu bekommen.

Sagt auch Love Coach Susan Winter im Interview mit Elite Daily: Wenn man niemals zugibt, dass man in einer Beziehung ist, kann man technisch gesehen auch nicht verletzt werden. (…) Es ist ein selbst auferlegter Schutzmechanismus, der einen vor emotionaler Beteiligung schützen soll.“ 

Jaaaa, das macht eigentlich gar keinen Sinn (wenn man denn stattdessen von den unerträglichen Liebesqualen und der großen Sehnsucht zerrissen wird😅), aber ein Fünkchen Wahrheit ist eben doch dran. Denn niemand kann verletzt werden, wenn er es sich nicht erlaubt, oder? 

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Hach, ihr merkt schon, es ist verzwickt. Und am Ende zählt eigentlich auch wieder nur, auf sein Gefühl zu hören oder die Sache einfach direkt anzupacken. Denn hey, wenn ihr die Sache zuerst definiert und eine Antwort fordert, wisst ihr zumindest, woran ihr seid. 🙏🏽

Mehr über: Beziehung, Angst, Definieren

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