Brustkrebs mit 26 – Wie Lilly mit Medizin, veganer Ernährung und Will-Power den Kampf ums Überleben gewann

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Von Deborah Landshut

Als die erst 26-järige Lilly mit Brustkrebs diagnostiziert wird, ist es schon fast zu spät. Er hat bereits in die Lunge gestreut. Die Prognose der Ärzte war nicht besonders positiv: Mit Hilfe ihres eisernen Willens und einer radikalen Ernährungsumstellung hat sie das geschafft, was viele kaum für möglich gehalten haben: Nach sechs Monaten ist sie wieder fast gesund. Auf ihrem Blog ließ Lilly ihre Follower nicht nur an ihrer veganen Ernährungsweise teilhaben, sondern wollte vor allem das Bewusstsein junger Frauen schärfen. Schließlich kann Brustkrebs jeden treffen.

Ich habe Lilly* vor mehreren Jahren in Tel Aviv durch eine gemeinsame Freundin kennengelernt. Schon damals war sie mir auf Anhieb sympathisch, was vor allem an ihrer positiven Ausstrahlung, ihrem strahlenden Lächeln und ihrer Ehrlichkeit lag. Vor zwei Jahren habe ich sie das letzte Mal gesehen, wieder in Tel Aviv, anlässlich der Hochzeit unserer gemeinsamen Freundin. Damals hatte sie sich gerade von ihrem Verlobten getrennt und überwand ihre Trauer, in dem sie sich voll und ganz in die Hochzeitsorganisation ihrer Freundin stürzte und in den Tagen der Feierlichkeiten Ansprechpartnerin Nummer Eins war. Sie hatte alles im Blick und kümmerte sich um jedes noch so kleine Detail, um die Hochzeit ihrer Freundin perfekt zu machen.

Immer nach vorne schauen und sich nicht unterkriegen lassen. Das schien Lillys Motto zu sein. Und das sollte ihr auch helfen, als ein viel größerer Schock sie aus ihrem unbeschwerten Leben riss. Im Dezember 2016, kurz vor Weihnachten, wurde die damals 26-Jährige mit Brustkrebs diagnostiziert. Stufe 4, er hatte schon in die Lunge gestreut. Die Ärzte waren nicht besonders zuversichtlich. Und noch weitere Schock-Nachrichten sollten sich nach der Brustkrebs-Diagnose verbreiten. Dass die jetzt 27-jährige Lilly heute, knapp ein halbes Jahr später, fast völlig gesund ist, hat sie nicht nur ihrem unerschütterlichem Willen zu verdanken, sondern auch ihrer radikalen Ernährungsumstellung – Lilly isst jetzt vegan. Auf ihrem Blog und ihrem Instagram-Account ließ Lilly ihre Follower an ihrer Reise teilhaben: von der Diagnose bis zur Gesundung. Und sie will das Bewusstsein für Brustkrebs stärken: „Viel zu jung für Brustkrebs“, ist einer der meistgehörten Sätze, die Lilly selbst von Ärzten gesagt bekam – nein, offensichtlich nicht. Es kann jeden treffen. Dich, mich und auch Lilly. Ihre Geschichte erzählt sie hier.

Eigentlich hat man mit 26 das ganze Leben noch vor sich, denkt man. Das dachte auch Lilly. Sie ist gerade noch London gezogen, nachdem die Berlinerin die letzten Jahre in Israel gelebt hatte. Sie hat sich von ihrem Verlobten dort getrennt und wollte ihr Leben in London neu sortieren. Die gelernte Inneneinrichterin machte eine Ausbildung zur Personal Trainerin, da sie Sport schon immer besonders geliebt hat. Sie wollte jetzt das machen, worauf sie Lust hat. Trotzdem holte sie die Vergangenheit in London ein, sie zweifelte und hatte mit Depressionen zu kämpfen: „Wenn ich mir meine heutigen Probleme anschaue, lache ich fast darüber, dass ich wegen so einem Quatsch geweint habe. Aber manchmal weiß man nicht, dass es noch viel schlimmer kommen kann.“ Sie fing sich wieder und begann, ihr neues Leben zu genießen. Dass etwas mit ihr trotzdem nicht stimmte, spürte sie zum ersten Mal an einem Sommerabend mit einer Freundin in einem Londoner Restaurant: „Auf einmal merkte ich, wie sich meine linke Brust anfühlt, als wäre ein Feuerwerk darin entfacht. Oder als ob jemand eine Granate in ihr hat explodieren lassen. Ich hab’s meiner Freundin direkt erzählt, sie meinte, sie hätte so etwas auch schon mal gehabt. Ich habe mir also nichts dabei gedacht.“

» Auf einmal merkte ich, wie sich meine linke Brust anfühlt, als wäre ein Feuerwerk darin entfacht. Oder als ob jemand eine Granate in ihr hat explodieren lassen. Ich hab’s meiner Freundin direkt erzählt, sie meinte, sie hätte so etwas auch schon mal gehabt. Ich habe mir also nichts dabei gedacht.“ «

In den folgenden Monaten merkte Lilly aber, wie sie immer schlapper wurde. Sie arbeitete als Personal Coach bei einer angesehenen Londoner Company und musste für einige Kunden besonders früh aufstehen. Doch sie kam nicht mehr aus dem Bett. Ihr Körper wurde schwächer und schwächer und auch bei ihrem eigenen Training schaffte sie es nicht mehr, ihre Sechs-Kilo-Gewichte, mit denen sie sonst ihre Übungen machte, zu halten. Sie schraubte ihr Pensum herunter und dachte sich, bei Zwei-Kilo-Gewichten angekommen, dass etwas nicht stimmen kann. Durch das viele Duschen nach dem Training, fasste sie ihre Brust vermehrt an und spürte immer wieder, dass sich dort etwas tat: „Am Ende habe ich drei Golfbälle in meiner Brust gespürt. Ich habe keine großen Brüste – aber irgendwie haben sie darein gepasst. Ich bin sofort zu einer Ärztin gegangen, die meine Brust abtastete und dann aber zu mir meinte, es sei etwas Hormonelles – ich sei zu jung für Krebs.“ Lillys Zustand wurde trotzdem nicht besser, sie brauchte immer wieder einen Mittagsschlaf, konnte nicht mehr auf der linken Seite schlafen, weil sich ihre Brust so anfühlte, als würde sie auf einem Blauen Flecken liegen. Sie ging zu einem anderen Arzt und auch dieser schickte sie mit den Worten weg, es sei wahrscheinlich etwas Hormonelles: „Ich dachte schon, ich bin verrückt und ich bilde mir alles nur ein.“ Ende November kam Lillys Mutter sie in London besuchen. Lilly zeigte ihr ihre Brust: Die Mutter bestand darauf, sofort ins Krankenhaus zu fahren. Sie erinnert sich, wie sie beim Friseur saß und noch mit ihrer Schwester WhatsApps schrieb: „Ich google gerade die Symptome von Brustkrebs und ehrlich gesagt, passt vieles bei mir“. Ihre Schwester entgegnete ihr, sie solle sich keine Sorgen machen, wenn man Kopfschmerzen googlet, kommt auch ein Hirntumor als Diagnose heraus.

» Am Ende habe ich drei Golfbälle in meiner Brust gespürt. Ich habe keine großen Brüste – aber irgendwie haben sie darein gepasst. Ich bin sofort zu einer Ärztin gegangen, die meine Brust abtastete und dann aber zu mir meinte, es sei etwas Hormonelles – ich sei zu jung für Krebs.“ «

Im Krankenhaus angekommen untersuchte sie ein erster Arzt. Er wollte noch nichts sagen und schickte sie zum Ultraschall. „Ich konnte ihm trotzdem ansehen, dass er nichts Gutes gefunden hat. Wir mussten lange auf den Ultraschall warten – und das waren ehrlich gesagt die schlimmsten anderthalb Stunden meines Lebens. Als ich endlich in den Ultraschallraum durfte, weiß ich noch, wie ich da lag und an die Decke gestarrt habe – was mache ich hier? Wie kann es sein, dass ich mit 26 jetzt hier liege und hoffe, dass ich keinen Brustkrebs habe?“ Der nächste Arzt machte den Ultraschall und eine Mammographie. Lilly brauchte nicht zu warten, bis er ihr die Ergebnisse mitteilte: „Das Einzige, was er gemacht hat, war mit dem Kopf zu schütteln. Da war es mir dann zu Hundertprozent klar. Ich hab nur sprachlos die Hand meiner Mutter gehalten. Und irgendwann fand ich mich fluchend auf dem Krankenhausboden wieder, auf den ich eingeschlagen habe. Mein erster Gedanke war: Ich werde jetzt sterben. Ich wusste ja noch nichts über Krebs. Ich dachte, man stirbt sofort.“

Lillys Eltern leben in Zürich. Die Mutter packte ihre Tochter am nächsten Tag direkt ein und flog mit ihr in die Schweiz. „Dort bin ich sofort ins Krankenhaus und habe dann auch den Arzt kennengelernt, der mich ab jetzt therapieren sollte. Ich hatte vorher von den Ärzten in London nicht viel erfahren, außer, dass sie sagten, ich habe drei Tumore in der Brust und einen in der Lymphe, und dass es ein sehr aggressiver Krebs ist, der sich überall verbreiten wird. Erst als ich den CT-Scan in Zürich gemacht habe, habe ich gesehen, was die Ärzte mit „überall“ meinten: Der Krebs hat sogar bis in die Lungen gestreut. Das Problem mit den Metastasen ist, dass es eigentlich schon das Endstadium bedeutet. Die vermehren sich in einem fort.“ Die Ärzte waren sehr besorgt und gaben ihr keine wirklich positive Prognose. Trotzdem sollte schnell gehandelt werden, denn Lilly war schon viel zu spät dran. Zwei Tage später begann sie ihre Chemotherapie. Sie hatte keine Zeit sich mit dem Gedanken anzufreunden lebensbedrohlich krank zu sein, noch Vorbereitungen zu treffen, sollte sie später unfruchtbar werden.

» Mein erster Gedanke war: Ich werde jetzt sterben. Ich wusste ja noch nichts über Krebs. Ich dachte, man stirbt sofort. «

Lilly, die sich bis jetzt noch wie ein unbeschwertes Kind fühlte, musste mit einem Mal erwachsen werden und sich mit der Krankheit auseinander setzen, die ab jetzt ihr Leben bestimmen sollte. „Seit der Diagnose war sie mein täglicher Begleiter. Beim Aufwachen, beim Einschlafen. Ich habe mich teilweise gefürchtet einzuschlafen, weil ich nicht wusste, ob ich aufwache.“ Nach den ersten fast schlaflosen Nächten wollte sie wissen, was mit ihr passiert, fing an zu recherchieren und zu Lesen, die Ärzte mit Fragen zu löchern und kam schließlich zu dem Schluss, ihr Leben in ihre eigenen Hände zu legen: „Ich habe mir gesagt: Lilly, du bist jetzt dein eigenes Navigationssystem, du musst jetzt schauen, dass du hier gesund rauskommst. Bis heute, sechs Monate später, lerne ich die Sprache vom Krebs. Und die ganzen medizinischen Wörter. Aber jeden Tag weiß ich mehr. Wichtig ist auch der Kopf: Du kontrollierst dein Leben. Medizin ist ein wichtiger Teil, aber alle Ärzte haben mir gesagt, 50 Prozent ist auch dein eigener Kopf. Positives Denken, immer nach Vorne schauen und wissen, dass man nicht alles im Leben planen kann.“

Am Anfang hatte Lilly jede Woche Chemotherapie, später nur alle drei Wochen, aber dann mit einer größeren Dosis. Vor jeder Chemo wurden Lillys Werte gecheckt: Es ist wichtig, dass die Werte gut sind, sonst kann man keine Chemotherapie machen. Für Lilly war es also eine Challenge, zu jeder Chemo-Session mit besonders guten Werten zu kommen. Sie achtete auf ihre Ernährung, trieb Sport, war an der frischen Luft: „Schon vorher habe ich mich ja mit allem Möglichen auseinander gesetzt und recherchiert, was den Krebs füttert und was man selbst noch aktiv tun kann, um ihn zu bekämpfen. Mein Arzt meinte von Anfang an zu mir, dass ich vor allem bei der Ernährung sofort mitmachen muss, weil wir schnell handeln müssen. Er hat mir Zucker verboten, da die Krebszellen Zucker lieben, sie werden regelrecht durch Zucker gefüttert. Alkohol hat er mir auch verboten, die Pille musste ich direkt absetzen. Und er meinte, drei Sachen soll ich essen: Ganz viel Spinat, Kefir und einen Löffel Leinsamen in den Kefir. Das sind sozusagen die Krebs-Superfoods. Bis heute nehme ich diese drei Sachen jeden Tag zu mir, selbst wenn ich unterwegs bin.“

» Ich habe mir gesagt: Lilly, du bist jetzt dein eigenes Navigationssystem, du musst jetzt schauen, dass du hier gesund rauskommst. «

Weiter hat Lilly das Internet durchsucht, Ernährungsbücher gelesen (sie legt jedem auch nicht kranken Menschen „How Not To Die“ von Michael Gregor ans Herz) und sich eine Balance aus Sport und Ernährung geschaffen: „Ich habe wirklich 110% gegeben, mich auf alles eingelassen. Ich war und bin extrem diszipliniert. Ich hab mich manchmal gefühlt wie ein Soldat. Wenn ich eine Challenge bekomme, nehme ich sie an. Und ich glaube aufgrund all dieser Sachen habe ich es überhaupt nur geschafft in nur einem halben Jahr keinen Krebs mehr zu haben. Ich habe den Krebs sozusagen besiegt, allerdings kann man einen metastasierten Krebs nicht ganz besiegen: Ich muss immer noch alle drei Wochen zur Therapie, damit er nicht zurückkommen kann.“

Das ist auch das, was heute am meisten an Lilly nagt: Viele Leute, die ihren Krebs besiegt haben, können ihr Leben danach wieder aufnehmen. Sie allerdings muss bis ans Ende ihres Lebens alle drei Wochen zur Therapie und kann mit dem Kapitel nicht abschließen. „Es ist ein Teil meines Lebens und wird auch immer einer bleiben. Diese Therapie ist für mein Immunsystem, eine Antikörper-Therapie.“ Die Ärzte haben nämlich herausgefunden, dass Lilly einen seltenen Gen-Defekt, TP53, das Li-Fraumeni-Syndrom, hat, den nur 400 Leute auf der Welt haben und der eine 100-prozentige Chance auf Krebs bedeutet. Das heißt, einen Krebs, nicht unbedingt Brustkrebs, wird man in seinem Leben mindestens bekommen. „Das Traurige ist aber, dass der Krebs nur so selten ist, weil viele Leute eben gar nicht wissen, dass sie ihn haben. Denn man muss sich speziell darauf testen lassen. Und das kostet viel Geld, das die Krankenkasse nicht übernimmt. Ich habe eine Krebsart, die noch wenig erforscht, aber sehr aggressiv ist: Glücklicherweise ist meine Therapieform gerade entwickelt worden – mein Arzt meinte, wenn ich vor drei Jahren mit meiner Diagnose gekommen wäre, hätten sie nicht viel für mich tun können.“ Eine weitere Hiobsbotschaft: Lilly hat erfahren, dass sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren höchstwahrscheinlich ein zweites Mal Krebs bekommt.

Auch das ist der Grund, warum sich Lilly seit sechs Monaten komplett vegan ernährt und so auf ihre Gesundheit achtet. Sie will den Krebs nicht füttern und es ihm so schwer wie möglich machen, zurückzukommen. „Vorher habe ich alles gegessen, was ich in die Finger bekommen habe, ich habe mir gar keine Gedanken über Ernährung gemacht. Dass ich jetzt vegan esse, geschah auch nicht aus Überzeugung: Mein Arzt sagte mir von Anfang an, dass ich kein Fleisch essen sollte, weil in der Massentierproduktion einfach wahnsinnig viel mit Hormonen gearbeitet wird und das alles jetzt noch schlechter für mich ist. Direkt am Anfang habe ich ja schon keinen Zucker mehr gegessen, dann habe ich das Fleisch weggelassen und schließlich auch die Milchprodukte – da eigentlich alles, was heutzutage von einem Tier kommt, mit Hormonen belastet ist, und auch der biologischen Haltung vertraue ich nicht. Ich bin sehr visuell und habe mir gesagt, dass ich meinen Körper gerade versuche zu reinigen – vom Krebs und von allem Schädlichen. Und ich bin für mich zu dem Entschluss gekommen, dass alles, was von einem Tier kommt, nicht gut für mich sein kann. Und wenn ich manchmal im Supermarkt doch sehnsüchtig an einem Stück Käse vorbei gehe, denke ich immer daran, dass meine Gesundheit viel wichtiger ist, als ein kleines Stück Käse.“

Da Lillys Gendefekt negativ auf Bestrahlung reagiert, muss sie auch auf etwas Weiteres verzichten: Die Sonne. „Jeden Tag schaue ich mir den UV-Index an und entscheide danach, wo ich mich aufhalte. Ich liebe die Sonne, aber das ist jetzt vorbei. Wenn, dann kann ich ganz früh morgens oder spät Abends in die Sonne und dann auch nur mit Sonnenschutzfaktor 50. Wenn ich mir überlege, wie ich früher in Israel immer gerne in der Sonne gebrutzelt habe, ohne mich einzucremen, musste ich fast lachen und mich fragen, warum ich keinen Hautkrebs bekommen habe.“

Der Humor und die positive Einstellung ist Lilly geblieben, auch wenn sie ab und an mal schlechte Tage hat: „Am Schlimmsten war es, als mir meine Haare ausgefallen sind. Jeden Tag, wenn ich mir meinen Pullover ausgezogen habe, hingen an ihm büschelweise Haare. Ich habe meine lange Löwenmähne geliebt und hasse meine kurzen Haare! Ich reibe mir jeden Tag Kokosnussöl in die Kopfhaut, damit meine Haare schneller wachsen. Vor ein paar Tagen habe ich viel geweint, weil ich unbedingt Wimpernextensions haben wollte – ich schmiere mir die Wimperntusche schon immer auf die Haut. Aber wo keine Wimpern sind, kann man auch nichts verlängern. Und dann ist wieder ein Sommertag und ich kann kein kurzes Kleid anziehen, weil meine Beine viel zu weiß sind. Manchmal ist es eben doch sehr viel für mich. Ich war ein Mädchen, das vor dem Krebs gedankenlos gemacht hat, worauf es Lust hat. Manchmal sitze ich im Restaurant und alle trinken ein Glas Wein und ich darf nicht. Aber ich habe mir gesagt, wenn einer meiner Geschwister heiratet, darf ich einen Abend Alkohol trinken. Zum Glück ist mein Bruder schon mal verlobt!“

Worauf sie auch noch hinblickt ist, dass jedes Jahr so viele Medikamente auf den Markt gebracht werden, die verschiedene Krebsarten heilen können: „Ich hoffe einfach, dass wenn ich nochmal Krebs bekomme, die Forschung schon sehr viel weiter ist. Natürlich habe ich auch Angst vor der Zukunft, aber ich denke mir, ich habe das alles schon einmal so gut gemeistert, ich schaffe es auch noch mal.“

Während sie sich selbst Mut machte, gab sie vor allem auch vielen anderen Frauen und Krebspatienten Kraft und Hoffnung: „Irgendwann habe ich angefangen einen Instagram-Account zu machen, da ich das Gefühl hatte, ich muss auch anderen Leuten helfen und diejenigen motivieren, die in einer ähnlichen Situation stecken wie ich. Und ich wollte nicht nur zeigen, dass man mit Krebs leben kann, sondern auch ein Bewusstsein schaffen. Mir geht es darum, dass man mit Krebs auch gut leben kann, dass man sich nicht gehen lassen muss, dass man sich trotzdem Mühe geben kann, toll auszusehen. Es ist nicht immer alles wie im Film: Da ist eine Krebspatientin, sie hat keine Haare mehr und sie stirbt langsam. Ich will mich schön anziehen, mich schminken, mich gut fühlen. Je besser ich mich fühle, desto besser geht es mir. Und ich freue mich, wenn ich das mit anderen Leuten teilen kann. Der Instagram Account, aus dem auch der Blog entstand, war auch für mich wie eine eigene Therapie.“

Auf ihrem Blog und auf Instagram (mittlerweile hat sie beides pausiert, da sie nicht nur über ihre Krankheit identifiziert werden möchte) erzählte Lilly nicht nur von ihrer Reise, die Hobby-Köchin zeigt vor allem gesunde und vegane Rezepte mit „Cancer-Super-Foods“ und inspiriert zu gesunder Ernährung: „Es ist komisch: Ich dachte früher immer, mein Körper braucht Fleisch, zum Beispiel auch für den Muskelaufbau. Und jetzt lebe ich seit sechs Monaten ohne Zucker und Tierprodukte und mein Körper hat nicht einmal danach geschrien. Ich esse auch nicht viel Fruchtzucker, mal eine Banane und einen Apfel. Ansonsten viele Nüsse, Bohnen, Kichererbsen, für Saucen mische ich immer Gemüse in den Blender und benutze viele Gewürze, damit das Essen einfach viel Geschmack hat. Ich habe das Kochen davor schon geliebt, das ist natürlich jetzt eine Hilfe und macht mir jeden Tag Spaß.“

Lillys größtes Ziel ist es aber, jungen Frauen zu vermitteln mit sich und seinem Körper im reinen zu sein, sich nicht zu schämen, seine Brust selbst zu untersuchen, wenn man Schmerzen hat, wirklich zum Arzt zu gehen und sich nicht wegschicken zu lassen. „Ich bereue es, dass ich nicht besser auf mich gehört und den Ärzten in London geglaubt habe. Das hat mir ein halbes Jahr genommen, in dem der Krebs gewachsen ist.“ Die Ärzte verklagen will Lilly nicht. Sie hat es nicht darauf abgesehen, Leuten zu schaden und es wird sich nichts an ihrer Situation ändern: „Ich bin auch nicht eine Person, die Leuten das Leben schwer machen will. Aber vielleicht werde ich denen mal einen Brief schreiben und ihnen sagen, dass sie nicht einfach wegschauen können, nur weil ein 26-jährigens Mädchen zu ihnen kommt.“

Etwas Positives hatte das letzte Jahr aber für Lilly: „Durch diese Sitaution bin ich als Mensch sehr gereift, ich bin viel positiver, beschwere mich viel weniger, alles ist in Relationen gut. Das Leben muss weitergehen, ich bin so ein lebensfroher Mensch und will mir das auf keinen Fall nehmen lassen.“

Übrigens: Zusammen mit ihrer Freundin Sarah gibt sie am 16. Juli einen Self-Empowerment-Workshop in Hamburg.

*Name von der Redaktion geändert

 

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Credits: Le 21ème
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