50 Prozent weniger CO2 in der Küche: Wie 21 Tage unseren Teller klimafreundlich machen können

Etwas vormachen? In der Küche? Miiiir?! Pfff, ja wohl kaum. So oder so ähnlich schoss es mir durch den Kopf, als ich das Buch „Cooking For Future“ zum ersten Mal in den Händen hielt. Keine zwei Sekunden später wurde dieser Gedanken bereits wieder relativiert: Was für eine überhebliche Annahme meinerseits! Denn dazulernen können wir schließlich alle. Warum also nicht das eigene Wissen einmal mehr überarbeiten und ausbauen?

Weitere zehn Sekunden später bin ich dann auch schon vollkommen vertieft: In die zahlreichen Seiten des Kochbuchs, das so viel mehr kann, als Rezepte aneinanderreihen. Darin enthalten sind wertvolle Tipps, eine spannende Challenge und allerlei wissenswertes, über eine klimafreundliche Ernährungsform. Ziel von „Cooking For Future“ (für 25 Euro im Buchhandel erhältlich) soll es dabei sein, alle an ihrem individuellen Punkt abzuholen… und eine CO2-Reduktion von 50 Prozent in der Küche zu erreichen.

Zur Einführung wird entsprechend erst einmal geklärt, was unser Essen überhaupt mit dem Klima zu tun hat. Und wieso Gemüse so viel weniger Ressourcen verbraucht, als beispielsweise ein Stück Rindfleisch. Die Zahlen sind eindrücklich und lassen auch mich wiederholt schlucken: 20 bis 25 Prozent der weltweiten Emissionen sind allein auf unsere Nahrung zurückzuführen. 44 Prozent davon entstehen bei der Erzeugung von tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst, Eiern, Milch und Butter. Pflanzliche Lebensmittel, wie Gemüse, sind dagegen nur für 8 Prozent der Schadstoffe verantwortlich.

Im Anschluss folgen Rezepte, die dem Versuch eines klimafreundlichen Tellers so nahe wie möglich kommen sollen. Ob Pasta mit Spitzkohlgemüse, Grünkernburger, Crêpes mit Kürbisfüllung, Brownies aus Ackerbohnen oder Linseneintopf. Die Gerichte sind größtenteils vegan, basieren auf saisonalen Zutaten und legen Wert auf regionalen Anbau. Immer mit aufgeführt wird auch die jeweilige CO2-Bilanz der Portion – im Vergleich zu ähnlichen, herkömmlichen Produkten. Bei den Sauerteigpfannkuchen mit Spinat und Kräutern spart man so etwa 70 Prozent CO2 ein, verglichen mit der ‚traditionelleren‘ Variante des Gerichts. Aus Weizenmehl, mit Wurst und Käse gefüllt.

Spannend bleiben die Seiten also weit über das Kocherlebnis hinaus. Und auch ich wollte Worten Taten folgen lassen. Also habe ich mich probiert, an der 21-Tage-Challenge, die zu Beginn des Buchs bereits eingeführt wird. Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sein oder jeden Tag die aufwendigsten Speisen zu zaubern. Viel mehr sind es Anreize, die uns im Alltag Bewusstsein vermitteln können – und neue Möglichkeiten aufzeigen, sich klimafreundlich zu ernähren.

Vom Frühstücks-Porridge bis zur Hirse-Bowl

Beispiele gefällig? Na dann mal aufgepasst! Denn von den Tipps und Tricks aus „Cooking For Future“ können wir sicherlich alle noch den ein oder anderen Input herausziehen. Ganz egal, ob wir uns schon lange mit den klimatischen Auswirkungen unserer Lebensweise beschäftigen, oder ob wir gerade erst so richtig damit beginnen…

Wer nun aber einen 1 zu 1 anwendbaren Speiseplan erwartet, hat falsch gedacht. Hierbei geht es um einen möglichst neutralen Klimateller… und den unterschiedlichen Weg dorthin. So werden über die 21 Tage hinweg kleine To-Dos gestellt, die mal leichter und mal schwerer in den eigenen Alltag zu integrieren sind. Eine Aufgabe ist es beispielsweise, Setzlinge zu kaufen – und diese auch sprießen zu lassen. Eine andere regt dazu an, die Großeltern oder Eltern nach einem alten Gemüserezept zu fragen…

Der Grundgedanke dahinter wird dabei schnell klar: Wir sollen nicht nur wild herumkochen, sondern uns Gedanken über unseren Konsum machen. Was sind die heimischen Alternativen zu fancy Superfood-Sorten? (Spoiler Alert: Leinsamen, Hirse und Heidelbeeren können so einiges). Welches Gemüse hat gerade eigentlich Saison? Und wie kann ich die Reste aus meiner Küche sinnvoll verwehrten? 

Es macht Spaß, sich diesen neuen Aufgaben zu stellen. Jedenfalls dann, wenn die Zeit da ist und der Kopf mitmacht. Marmelade zu kochen habe ich in den 21 Tagen nicht mehr geschafft. Stattdessen sind die Erdbeeren ganz ohne Umweg in meinen Körper gewandert. Als Verliererin der Challenge sehe ich mich trotzdem nicht.

Für den geplanten Startschuss oder die Inspiration zwischendurch

Ich habe mit der „Too Good To Go“-App Lebensmittel gerettet, konnte einen eigenen kleinen Kochplan für die Woche erstellen, war auf dem Wochenmarkt und habe Pesto aus Karottengrün gezaubert. Für mich eine gute Bilanz. Denn nur, was sich auch wirklich ins Leben integrieren lässt, kann zur Gewohnheit werden. Und in vielen meiner Entscheidungen sehe ich mich dank dieser Challenge wieder bestätigt. Es macht Sinn, die Erntezeiten von Obst und Gemüse auf dem Schirm zu haben. Bei mir hängt deshalb zur Erinnerung ein Saisonkalender in der Küche herum. Und es macht ebenfalls Sinn, tierische Produkte auf dem Speiseplan zu reduzieren.

Denn dadurch kommen letztlich die höchsten CO2-Werte zustande. Dicht gefolgt von stark verarbeiteten Lebensmitteln, außersaisonalem Obst und Gemüse, aber auch den jeweiligen Herstellungsverfahren. Wer mehr darüber erfahren möchte, der wirft am besten einen ausführlichen Blick in das Buch der „Klimateller“-Organisation. Denn: Ausgelernt haben wir alle nie. Und spielerisch Neues zu entdecken, kann ungeahntes Potential entfalten. Ich habe sogar den Rhabarber-Kuchen meiner Oma veganisiert bekommen (und der wird mit Eischnee gemacht!!). Seither glaube ich nicht mehr an das Unmögliche. Wer will, kann mich also gerne herausfordern. Immer her mit den neuen Rezepten! Ich bin bereit für die nächste Challenge… 😉

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