Warum der Drang nach einem „Winter-Boyfriend“ so groß ist

Kennt ihr das? Dieses Bedürfnis, das sich in einem ausbreitet, sobald draußen die ersten Blätter fallen und man morgens wieder nach einem warmen Schal kramt? Dieses Bedürfnis nach Nähe und danach, sich irgendwo anlehnen zu können? Und diese gleichzeitig aufkommende PANIK, wenn einem bewusst wird, dass niemand da (und in Sicht) ist, der dieses Bedürfnis stillt? 

Hallelujah. 🙏🏼😅 Dann willkommen im Club. Bei mir hat sich dieses Gefühl tatsächlich am letzten Wochenende mal wieder so richtig schön breit gemacht. Das Wetter war eine Katastrophe. Keiner hatte Zeit und ich saß allein an einem Samstagabend auf meinem Sofa. Scheiß Gefühl. Das vielleicht gar nicht mal so scheiße gewesen wäre, wenn sich die Außenwelt nicht gefühlt schon zum Abendbrot in ein schwarzes Loch verwandelt hätte.

Tja, aber so ist die kuschelige Jahreszeit nun mal. Womit wir auch direkt beim Problem wären. Denn guess what… wir nennen diese dunkle Jahreszeit eben auch nicht umsonst kuschelige Jahreszeit. Ja, der Winter ist zum Schmusen da und das geht nun mal schlecht alone. Pech für alle Singles also.

Und damit herzlich Willkommen in der Cuffing-Season!

Und nein, dieses Wort hat sich trèsCLICK gerade nicht mal eben ausgedacht. Der Begriff ist tatsächlich schon vor ein paar Jahren aus der Versenkung aufgetaucht und leitet sich von dem englischen Verb „to cuff“ (Handschellen anlegen) ab.

Was dahintersteckt:

Aber nicht so, wie ihr jetzt denkt. 😉 Um genau zu sein, geht es bei der Cuffing-Season laut Definition bei Urban Dictionary nämlich darum, dass sich eigentlich überzeugte Singles oder auch promiske Menschen (also die, die sonst eher Bäumchen wechsel dich mit ihren Liebespartnern spielen) plötzlich nach einer ernsthaften Beziehung sehnen. Und Grund dafür sind die grauen Herbst- und Wintermonate, die eben niemand gerne alleine verbringen will.

Logisch, Netflix and chill bringt zu zweit nun mal gleich doppelt so viel Spaß… Und an Silvester – dem absoluten Endgegner für jeden Single 😅 – steht natürlich auch niemand gerne ohne Schmusepartner da (während sich um einen herum alle Pärchen wild in die Arme fallen).

Bleibt also eigentlich nur eine Option: Man muss sein Popöchen schnellstens zurück ins Dating-Planschbecken befördern und sich nach einem neuen WINTER-Boyfriend umschauen. Jup, die Differenzierung ist wichtig. Denn genau darum geht’s bei diesem Dating-Phänomen. Man sucht eigentlich einen Boyfriend auf ZeitEben jemanden, der einen gut behütet durch die kalten Tage bringt. Wenn’s also nicht länger geht, wen juckt’s?

Und dieses „Verlangen“ ist tatsächlich ziemlich menschlich, wie auch Eric Hegmann, Single-und Parship-Coach aus Hamburg, im trèsCLICK-Interview verriet. Den Wunsch nach Nähe und Bindung tragen alle Menschen in sich, natürlich individuell verschieden ausgeprägt. (…) Wenn die Tage kürzer und die Abende länger werden, wird die Sehnsucht größer jemanden an seiner Seite zu haben. Während im Sommer viele Freizeitaktivitäten auch vom Alleinsein ablenken, igeln sich viele Singles im Winter ein, was manche die Einsamkeit besonders stark fühlen lässt. (…) Da wird selbst für selbstbewusste und zufriedene Singles oft die Sehnsucht nach einer Beziehung wieder stark, so der Paarberater. 

Wenn die Jagd eröffnet ist…

» Die Anmeldezahlen bei Dating-Apps steigen im Dezember deutlich an. «
Eric Hegmann

Öhm, jup, das können an dieser Stelle sicher viele so unterschreiben. 😅 Mein kleines „Winter-Ich“, das da am vergangenen Wochenende kurz mal rauskam, allemal. Es ist also auch kein Wunder, wenn ab September/ Oktober plötzlich alle langsam verrückt spielen… was sich in ungefähr so äußern kann, dass auf einmal längst verschollen geglaubte Ex-Lover aus ihren Löchern gekrochen kommen und wieder auf der Matte stehen. (Oder man selbst andersrum bei ihnen.) Fremde in der Bahn nicht mehr mürrisch aufs Handy starren, sondern sich vielleicht sogar zu einem Lächeln bewegen können. (Ja, es liegt Verzweiflung in der Luft…) Oder dass die Dating-Portale (mit nochmal frisch aufgepimpten Profilen) auf Hochtouren glühen. Und das tuen sie tatsächlich.

Sagt auch Hegmann: „Die Anmeldezahlen bei Dating-Apps und Partneragenturen steigen im Dezember deutlich an. Laut Parship durchschnittlich mindestens um ein Drittel. Und in einer Umfrage von Parship sagt fast jeder fünfte Single, dass er oder sie in der dunklen Jahreszeit noch intensiver als sonst nach der großen Liebe sucht. Das ist gewiss bei Tinder und ElitePartner ähnlich“. Stichwort: Silvester-Panik! 😁

… und die Probleme und das Ende folgen

Alles gut und schön. Und hey, vielleicht hat man tatsächlich Glück und findet das perfekte „Opfer“ für seine Winterbeziehung. Aber dann fängt der Stress oftmals erst an. Denn wie es eben so oft bei lockeren Sachen ist (…was vorab vielleicht auch nicht so wirklich kommuniziert wurde… wer schreibt schon „Suche Winter-Boyfriend, der sich mit mir durch die kalten Tage kuschelt“ in sein Tinder-Profil?! 😁), kommen irgendwann bei einer Seite Gefühle auf. Und dann steht man Weihnachten ohne Geschenk da, während man selbst Karten für ’nen Kochkurs im Sommer auspackt, obwohl man ja eigentlich genau weiß, dass die Sache im März schon wieder vorbei ist. Tja, das ist dann blöd… und man wird spätestens beim Frühlingsbeginn zum Buhmann und Herzensbrecher.

» Jemand, der sonst das ganze Jahr über keine enge Beziehung eingehen möchte, wird ganz sicher im Winter nicht plötzlich heiratswillig. «
Eric Hegmann

Also Frage: Macht diese ganze Winter-Boyfriend-Sache überhaupt Sinn?

Oder machen wir uns da alle nur irgendwas vor und drehen im Winter Blues einfach nur kurz durch? Tja, laut Eric Hegmann würden viele Experten die ganze Cuffing-Season sowieso doch eher für eine moderne Legende als für eine psychologische Wahrheit oder einen wirklichen ‚Dating-Trend’“ halten. 

Ich möchte auch unterscheiden zwischen dem echten Bedürfnis nach Bindung und Nähe und dem Wunsch sich nicht zu langweilen im Winter. Jemand, der sonst das ganze Jahr über keine enge Bindung eingehen möchte, der hat dafür Gründe, die beispielsweise in schmerzhaften Beziehungserfahrungen liegen, die man nicht wiederholen möchte. Solche (…) bindungsängstlichen Menschen werden ganz sicher im Winter nicht plötzlich heiratswillig. Anders vielleicht bei Personen, die grundsätzlich den Wunsch nach einer Beziehung haben und im Winter den dann tatsächlich umsetzen“, so der Coach weiter.

Ihr solltet euch also vorab klarmachen, was ihr wollt und warum. Spricht wirklich der echte Partnerwunsch aus euch (der durch die kalten Tage nur noch verstärkt wird) oder einfach nur die Langeweile und der Drang nach Spaß und Ablenkung? (Mein „Winter-Ich“ vom letzten Samstag denkt nochmal drüber nach… 🙈)

Hegmanns Tipp an dieser Stelle: „Ich würde raten zu überprüfen, wie groß meine Bereitschaft ist zu einem echten Commitment und einer verbindlichen Beziehung. Bin ich bereit, in meinem Leben und in meinem Herzen tatsächlich Raum zu schaffen für eine andere Person. Oder will ich nur jemanden an meiner Seite, der das, was ich habe, noch etwas ‚besser macht‘.“

Aber muss es dann echt ein Winter-Boyfriend sein? Denn mal ehrlich, Leute: Schon mal darüber nachgedacht, dass man selbst auch mal genug ist? Oder dass es SO viele andere Dinge gibt, die man machen kann, anstatt Mühen in eine kurze Winterliaison (ohne Zukunft) zu stecken und sich am Ende wahrscheinlich noch ’ne Sehnenentzündung vom Dauer-Swipen zu holen?

Jaa, denkt mal drüber nach und hört auf den Experten: Gegen das Gefühl von Alleinsein helfen ganz viele Dinge. Pflegt eure Freundschaften und euer wirkliches soziales Netz. Zusammen kochen, Spiele spielen, auf der Spielekonsole zocken, sich zum Sprachen lernen zusammentun, Ausstellungen ansehen … Es gibt so viele Dinge, zu denen man im Sommer nicht kommt und die Freude bereiten im Winter.“ #word 🙌🏻

Und mit diesen Aussichten sieht die kalte Jahreszeit doch gar nicht mehr so dunkel aus, oder? 😉

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