Alex Springer
19.10.2015 von Alex Springer

Das passiert, wenn dein Freund dich eine Woche lang stylen darf

Das Experiment beginnt. JETZT

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Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man mekt, dass man gerade einen ganz großen Fehler gemacht hat? So geht es mir, als ich abends nicht einschlafen kann. Warum? Es geht um Klamotten. Etwas peinlich, ich weiß. Genauer gesagt geht es um das, was ich am nächsten Tag tragen werde.

Normalerweise suche mir schon am Vortag alles raus. Dieses Mal liege ich im Bett und weiß nicht, was mich erwartet. Nicht etwa, weil ich keine Ideen hätte. Nein, ich habe mich auf das wahnwitzige Experiment eingelassen, meinen Freund eine Woche lang zu meinem persönlichen Stylisten zu machen. Oh, oh.

Wie wird denn das Wetter morgen?“ fragt er. „Kalt und nebelig“, antworte ich nach einem Blick auf mein iPhone-Wetter und frage: „Warum?“ „Na, dann kann ich dein Outfit daran anpassen!“  Toll, jetzt ist meine Laune echt im Keller, denn er verrät mir natürlich nicht, was er sich ausgedacht hat. Ob er mich wohl in einen Ski-Anzug steckt? Männer denken ja immer, dass Frauen so schnell frieren. Das kann ja was werden.

TAG 1: Schöner Mantel

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Aktuell mag ich am liebsten Jeans, ein schickes Top, Sneaker und meine Lederjacke (siehe Bild ganz oben). Meinem Freund geht es da offensichtlich anders: Er steckt mich in ein graues Kleid mit Raffung (das habe ich ja auch noch!), eine schwarze Bikerweste, einen karierten Mantel (hatte ich noch nie an – oops), einen schwarzen Schal und Boots.

Schnell ziehe ich alles an und will schon gehen. Da sagt er: „Moment, ich darf doch auch über Haare und Make-up entscheiden, oder? Dann bitte die Haare offen tragen und Lippenstift auf die Lippen!“ Aha! Haare offen tragen verstehe ich ja noch. Aber Lippenstift? Ich dachte Männer finden das eher nervig.

Als ich zum ersten Mal seit Wochen pünktlich die Wohnung verlasse (entweder weil ich durch das Fremdstyling Zeit gespart habe, oder weil ich vor weiteren Styling-Übergriffen flüchten wollte – kann man sehen, wie man will), bin ich mir sicher, auf dem Weg zur Arbeit einen Hitzschlag zu erleiden. Das Gegenteil ist der Fall. Ich fühle mich kuschelig warm. Ach so ist das also, wenn man sich auf dem Weg zur Arbeit nicht den A**** abfriert.

Ich schließe die Office-Tür auf und statt „Guten Morgen“ sagt meine Kollegin mir direkt: „Cooler Mantel, solltest du öfter tragen.“ Vielleicht sollte ich meinen Freund öfter an mein Styling lassen, denke ich. Mal sehen, ob ich diese Meinung auch in den nächsten sechs Tagen behalte.

 TAG 2: Michael bist du’s?

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 It don’t matter if you’re Black or white  Diesen super Song von Michael Jackson habe ich heute den ganzen Tag im Kopf. Und jeder, der mich gleich auf der Straße sehen wird, wohl auch. Er war ein echter Hit – ganz im Gegenteil zu meinem heutigen Outfit.

Dabei hatte doch gestern alles so schön angefangen. Wie gerne würde ich noch mal das selbe tragen. Sonst eigentlich mein Horror: zwei Tage im gleichen Outfit, aber ALLES wäre mir gerade lieber als das Outfit, das mein Freund mir gerade freudestrahlend entgegenstreckt.

Zuvor hat er gefühlte zwei Stunden alles zerwühlt – Taschen flogen durch die Luft, Hosen wurden fachmännisch begutachtet (du hast ja nur solche Skinny-Dinger) und Pullover durcheinander geschmissen. Zwischendurch und zwischen immer höheren Kleiderbergen die Frage: „Hast du denn keine weißen Strümpfe???“ Nein, habe ich nicht. Aus guten Gründen! „Gut, dann nimmst du eben meine.“ Problem gelöst – zumindest für ihn. Er ist es ja nicht, der den ganzen Tag in Socken in Größe 45, die sich in ein Paar 39er Loafer gequetscht haben, rumlaufen muss.

Ja, richtig gelesen. Ich trage weiße Socken in schwarzen Schuhen. Natürlich haben das vor und nach Michael und mir schon vieeeele andere Menschen angezogen. Aber ich fühle mich etwas verkleidet. Vielleicht muss ich aber auch einfach noch etwas an meinem Moonwalk feilen. Den Rest vom Outfit finde ich okay, bin aber echt verwundert, dass ER mir einen Neon-Pulli rausgesucht hat. Ähnlich wie beim Lippenstift von Tag 1 dachte ich, dass Männer da nicht so drauf abfahren. Wieder was gelernt! Abfahren ist heute übrigens noch mal ein Thema:

Ich verpasse drei U-Bahnen, weil ich mich mit ihm über die weiße Handtasche streite („passt doch super zu den Socken!“) und er unbedingt will, dass ich mir einen hohen Dutt mache („aber nicht so ’nen Wuschelmopp bitte!“).

An der Tür verabschiedet er mich mit den Worten: „Das macht ja voll Spaß!“ – wenigstens einem von uns beiden. Das „Ich weiß auch schon, was du morgen tragen wirst“ höre ich nur noch durch die sich schließende Wohnungstür und springe schnell in den Aufzug.

To be continued… MORGEN: ein Business-Outfit bitte!

 

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Ich auf der Flucht vor meinem Freund, dem seine Styling-Aufgabe für meinen Geschmack etwas zu viel Spaß macht…

TAG 3: Traum-Pullover & Ledershorts

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Obwohl ich ein echter Fashion-Fan bin, habe ich noch nie von etwas zum Anziehen geträumt. Dass ich regelmäßig nachts hochschrecke, weil ich ohne Kleider noch mal mein Mathe-Abi schreiben muss, zählt wohl eher nicht. Aber letzte Nacht war es so weit: Mein neuer Schnür-Pullover und ich hatten Streit. Er wollte einfach nicht verstehen, warum ich ihn noch nicht angezogen hatte. „Na, weil ich gerade nicht selbst entscheiden darf, was ich anziehe“, wollte ich antworten, wachte aber vorher auf.

Entsprechend gut ist meine Laune, als ich zum Kleiderschrank gehe, wo schon mein Outfit für heute hängt. Aber – Überraschung – ich liebe es! Ich sehe meine Lieblings-Ledershorts, mein kariertes Hemd und die Leo-Boots, die ich viel zu selten trage. Klasse! Die ganze Sache hat nur einen Haken: Es sollte ja ein Business-Look sein, weil ich heute einen wichtigen Termin habe. Darauf angesprochen antwortet er leicht pikiert: „Da ist doch ein Blazer dabei – also ganz klar ein super Business-Outfit!“ Ansichtssache.

Genau wie die Strumpfhose, die er dazu gelegt hat: Schwarze, fast durchsichtige Nylons mit Naht hinten. „Sowas trägt man doch im Büro,“ sagt er stolz. Ich sage nichts und denke mir: Okay „Mad Men“-Verbot für die nächsten Wochen…

Ich ziehe einen schwarzen Mantel darüber und versuche mir den gesamten Weg zur U-Bahn einzureden, dass alle Frauen Ledershorts, Naht-Nylons und Leo-Booties zu wichtigen Terminen anziehen, als mich ein leicht verrückter Mann von oben bis unten mustert und ein aufforderndes „Miau“ in meine Richtung haucht. Okayyyyy.

Egal, da muss ich jetzt durch. Wenn man erst mal einen Tag in Loafern und weißen Boyfriend-Socken überlebt hat, kann nicht mehr viel schief gehen. Oder????

To be continued…

P.S.: Fotos heute leider kopflos – Augenränder sind aktuell meine It-Accesoires.

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TAG 4: KNALLBONBONS & ICH BEKOMME DOCH KEINEN KNALL

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Während ich versuche, mir mein Diadem, (steckt sonst eher am Spiegel statt auf meinem Kopf), in meinen Zopf zu friemeln, frage ich mich:

„War es eventuell, ganz vielleicht, möglicherweise ein Fehler, ihm zu sagen, dass ich heute nach der Arbeit auf die Party eines Onlineshops eingeladen bin?“ Als er mir im Rausgehen noch meine silberne Tasche in Form einer Riesen-Bonbon-Packung reicht, kenne ich die Antwort.

Cool bleiben! Auch, wenn die  acht Zentimeter hohen Booties, die ich zum Rock mit Wickel-Pulli-Effekt, Streifenshirt und zum Aufgeplatzter-Teddy-Mantel trage, mich schon auf dem Weg zur U-Bahn zum Fluchen bringen.

Ehrlich gesagt: Ich fühle mich, als würde ich gerade von meinem Abiball zu einem Rave fahren. Kein Wunder, dass meine Kollegin einen Utz, Utz, Utz-Beat anstimmt, als sie auf den iPhone-Auslöser drückt, um mich abzulichten.

Apropos Licht: Mir ist eins aufgegangen. Zum Beginn des Selbstversuchs hatte ich zu meinem Freund gesagt: „Spätestens an Tag 4 werde ich das Ganze beenden oder ich muss mich von dir trennen!

Völliger Quatsch! Statt wütend bin ich dankbar, denn: Ich glaube, er hat geschafft, mir innerhalb von nur vier Tagen alle, wirklich alle meine Schrankleichen anzuziehen. Danke! Zusammen sehen sie gar nicht mal so schlecht aus – denn ich drücke einfach nicht ein, sondern zwei Augen zu 

…to be continued

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TAG 5: Der letzte Tag und meine Rache an ihm

Karl Lagerfelds absolut bester Spruch: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren!“ Oft zitiert und oft wahr. In meinem Fall allerdings nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Nach vier Tagen, an denen mein Freund entscheiden durfte, was ich anziehe, trage ich heute am fünften und letzten Tag des Selbstversuchs eine Jogginghose.

Aber keine Spur von Kontrollverlust über mein Leben. Ich habe (ausnahmsweise!) alles fest im Griff. Oder zumindest im Blick, denn: Ab morgen darf ich eeeeeendlich wieder selbst entscheiden, was ich anziehe. AHHHH! Ich freue mich so. In meinem Kopf habe ich schon eine Liste gemacht mit all den Sachen, die ich nächste Woche tragen werden. Am liebsten alle zusammen und auf einmal (Memo an mich: Vorher herausfinden, wieviele Schichten man maximal übereinander tragen kann).

Diese Liste liegt gleich neben einer anderen. Auf dieser stehen all die Dinge, die ich in den Tagen unter kompletten Styling-Kontrollverlost gelernt habe. Auf ihr steht:

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1. Es muss nicht immer alles perfekt sein. So streng wie du selbst schaut dich niemand an. 2. Zieh doch einfach mal tagsüber etwas an, was für abends gedacht ist und umgekehrt. 3. Nimm‘ Mode nicht zu ernst – sie muss vor allem eins: Spaß machen. 4. Mehr in der Farbe Bordeaux kaufen – er steht offensichtlich drauf.

Ich kann nur jedem raten, sich auch mal von seinem Freund stylen zu lassen. Oder der Mama. Oder der BFF. Obwohl es ums Äußere geht, geht es auch ans Innere. Was ich damit sagen will: So ein Selbstversuch ist nichts anderes als ein gemeinsames Projekt. Und das schweißt zusammen. Und macht als Paar stärker. Dafür trage ich auch gerne mal ein paar weiße Socken in Loafern.

Ach so und ihr fragt euch jetzt sicher, ob und wie ich mich an meinem Freund für die kleinen Outfit-Fehltritte rächen werde. ICH weiß es schon. ER noch nicht. Aber bald – genau wie ihr. 

Mehr über: Selbstversuch, Experiment, Tag 1
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