Eine Sache die gar nicht geht? Fragen, wann man denn schwanger wird!

Text von Nina Ponath

Schulabschluss. Abiball. Studium. Erste Wohnung, Hochzeit und dann: Kinder. Ja, wir leben im 21. Jahrhundert, und ja, zumindest offiziell sind heutzutage so ziemlich alle alternativen Lebensformen – von Mingles, über Nichtbeziehungen bis hin zur Polyamorie – erlaubt. Trotzdem gehen irgendwie die meisten davon aus, dass unser Leben einem gewissen Plan zu folgen hat. Und ein unausweichlicher Punkt lautet da: ’Kinder’. 

Kein Wunder, dass wir – Ende 20, seit Jahren in einer mehr oder weniger funktionierenden Beziehung – diesen Satz immer mal wieder zu hören bekommen: „Wann bekommt ihr eigentlich Kinder?“ Und dann: Schweigen. Was soll man bitte auf diese Frage antworten? Ich hüstele meistens nur verlegen, erzähle kurz irgendwas, um abzulenken und versuche das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken. Eigentlich ganz schön umständlich, wenn die einzig richtige Antwort auf die Frage: „Geht dich ’nen Sch**ß an!“ wäre. Wirklich. Klar, ist es wichtig, sich für andere zu interessieren und nach Plänen und Wünschen zu fragen. Das beinhalten für mich aber nicht die Frage nach Kindern. Wenn es nach mir geht, ist diese Frage sogar absolut unangemessen und aufdringlich. Die Frage, ob man Kinder kriegt, ist ähnlich intim, wie zu fragen, ob man nach sechs Jahren in einer Beziehung eigentlich noch Spaß am Sex hat, ob man schon mal auf einer Fetischparty war und ob man eigentlich bei der Steuererklärung schummelt. Über manche Dinge redet man einfach nicht.

Mich trifft die Frage nicht ganz so hart, weil ich wirklich noch überhaupt gar keinen Kinderwunsch verspüre. Bei Lina, einer Bekannten von mir, ist das anders: Sie ist seit fünf Jahren mit ihrem Freund zusammen, die beiden leben jetzt seit zwei Jahre gemeinsam in einer Wohnung und rein faktisch spricht nichts gegen ein Baby. Nur, dass er nicht will. Was kein allzu kleines Gegenargument ist. Männer können sich nun mal auch mit Mitte 30 noch jede Menge Zeit lassen. Anders als Lina, die gerade 33 Jahre alt geworden ist, und die jedes neue Baby in unserem Bekanntenkreis stresst. Die Frage nach einem Baby löst da nur zusätzlich Unbehagen aus.

» Wann bekommt ihr eigentlich Kinder? Und dann: Schweigen «

Solche Fragen gehen deshalb gar nicht klar. Man weiß nie, ob das Gegenüber nicht die ganze Zeit schon verzweifelt versucht, Kinder zu bekommen, und es einfach nicht klappt, ob nur eine Seite ein Kind will, oder das Geld noch zu knapp ist. Alles Themen, auf die man nicht angesprochen werden möchte und über die man schon gar nicht reden will. Im schlimmsten Fall hat das Paar vielleicht sogar schon mal eine Fehlgeburt gehabt – alles möglich und alles Wunden, die durch die Frage erneut aufreißen. Die Frage nach dem Kinderwunsch ist deshalb ähnlich sensibel, wie einen Hartz IV-Empfänger zu fragen, wann er denn endlich mal einen neuen Job findet. Man suggeriert dem Gegenüber, dass da etwas ‚fehlt’, so als müsste jeder diese Station ‚Kinderkriegen‘ im Lebenslauf durchlaufen.

Für Frauen wie meine Freundin Lina, sind solche Fragen schmerzhaft: Sie selbst wünschen sich ein Kind und bekommen so immer wieder vor Augen geführt, dass es jetzt eigentlich „an der Zeit wäre“, ein Kind zu kriegen. Bullshit. Man muss gar nichts. Zu keinem Zeitpunkt im Leben. Wenn man sich ein Kind wünscht, und der Partner dauerhaft partout dagegen ist, sollte man sich zwar Gedanken machen, ob man da den richtigen Menschen an seiner Seite hat. Sich vor anderen rechtfertigen sollte man sich deshalb noch lange nicht.

Die Einzigen, die sich in diesem unangenehmen Frage-Antwort-Spiel unwohl fühlen sollten, sind die Fragesteller. Das ist ja meist ein bestimmter Schlag Mensch: selbstzufriedene, frischgebackene Eltern, die vor einem knappen Jahr selbst noch so wenig ans Kinderkriegen gedacht haben, wie ich. Soll heißen: Die Vorstellung, ein Kind in die Welt zu setzen, war für sie selbst bis vor kurzem noch ähnlich weit entfernt wie eine erneute Kanzlerkandidatur für Martin Schulz oder die Aussicht auf einen Waffenstillstand zwischen Taylor Swift und Kanye West. Nur weil sich jetzt bei ihnen etwas geändert hat und die jungen Eltern, übermüdet und voll mit Hormonen, wie sie sind, nur noch das Thema ‚Kinder‘ im Kopf haben, heißt das noch lange nicht, dass es allen anderen Menschen genauso geht. Es ist doch eigentlich so: Kinder zu kriegen, ist bis zu dem Zeitpunkt, zu dem wir uns aktiv dafür entscheiden, für jeden von uns ziemlich absurd. Es ändert sich ja auch so viel.

» Für Frauen wie meine Freundin Lina, sind solche Fragen schmerzhaft: Sie selbst wünschen sich ein Kind und bekommen so immer wieder vor Augen geführt, dass es jetzt eigentlich „an der Zeit wäre“, ein Kind zu kriegen. «

Wenn ich da mal von mir ausgehe: Ich habe fünf Jahre studiert und habe eigentlich jetzt erst wirklich den Job, von dem ich wirklich leben kann, und der mir wirklich Spaß bringt. Den will ich bestimmt nicht so schnell aufgeben, nur weil manche Menschen der Meinung sind, alles im Leben müsse einem bestimmten Schema F folgen.

Zumal es auch genügend Menschen gibt, die überhaupt kein Kind – zu keinem Zeitpunkt im Leben – haben wollen. Ist auch okay.

Solche „Wir-wollen-eh-keine-Kinder“-Paare nach ihrem Kinderwunsch zu fragen, ist zwar nicht ganz so verletzend, wie Frauen wie meine Bekannte Lina an ihr unerfülltes Kinderglück zu erinnern. Dafür ist die Frage hier aber komplett sinnfrei, wie eigentlich immer, denn was soll man bitte überhaupt darauf antworten? Mal angenommen, ich und mein Freund wären gerade dabei, heimlich zu versuchen ein Kind zu bekommen, mit allem was dazugehört vom Absetzen der Pille bis zum terminlich durchgetakteten Sex, damit auch ja alles klappt – würden wir auf eine so plumpe Frage davon erzählen? Ich denke nicht. Geht doch niemanden etwas an, und so schwer, wie es vielen Frauen ohnehin fällt, schwanger zu werden, würde ich mir persönlich nicht noch zusätzlichen Druck aufhalsen wollen. Denn mal angenommen, man würde einem dieser ober-wissbegierigen Fragesteller antworten, dass man tatsächlich plant, ein Kind zu kriegen, müsste man sich garantiert darauf gefasst machen, zukünftig bei jedem Treffen eine Frage à la „Uuuuund, ist es schon so weit?“, beantworten zu müssen. Nein, danke.

Ich glaube schon, dass ich irgendwann ein Kind haben will. Irgendwann, aber nicht jetzt. Solange ich es nicht plane, rede ich darüber nicht, oder wenn, fange ich das Thema von allein an. Ich will danach nicht gefragt werden, ähnlich wie mir nicht in den Sinn kommen würde, andere zu fragen, wen sie wählen, wann sie sich denn endlich einen lukrativen Job suchen und wie ihr Sexuallaben so aussieht. Geht mich nichts an. So einfach.

Meiner Meinung nach geht es von allen Menschen auf der Welt nur zwei Personen etwas an, wann wir endlich planen ein Kind zu bekommen: Meinen Freund und mich.

Mehr über: Baby, schwanger, Mama, Mutter

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