Emma Thompson über ihre Frontal-Nacktszene mit 62 – und warum dieser Step so viel bedeutet

Dass Emma Thompson (62) zu den absoluten Top-Schauspielerinnen unserer Zeit gehört und einfach eine unfassbar krasse Frau ist, muss an dieser Stelle natürlich gar nicht mehr diskutiert werden. Doch jetzt hat sie in ihrer Karriere einen Schritt gewagt, den sie selbst als „die größte Herausforderung“ in ihrer bisherigen Laufbahn als Schauspielerin beschreibt. Denn für ihren neuen Film „Good Luck to You, Leo Grande“ hat sich Thompson komplett ausgezogen und in einer Szene nackt vorm Spiegel betrachtet. Ein Schritt, für den die 62-Jährige gerade auf allen möglichen Social-Media-Kanälen gefeiert wird. Und auch erste Kritiken zum Film, der by the way beim Sundance Film Festival seinen Auftakt feierte, loben die Schauspielerin voller Begeisterung. 

Und klar, hier geht es natürlich nicht alleine darum, dass Thompson mit 62 blankgezogen hat (übrigens das allererste Mal für eine Filmrolle), sondern vielmehr um das, wofür dieser Schritt steht. Immerhin müssen wir wohl niemandem sagen, was für ein unglaublicher Body-Druck auf den Schultern von Frauen lastet – online, unter „Normalos“, aber natürlich vor allem auch in Hollywood, wo noch immer ein völlig unrealistischer Schönheitswahn herrscht.

Natürliche Bodys auf der Leinwand? Eine Seltenheit. Kate Winslet musste kürzlich für ihre Crime-Serie „Mare of Easttown“ geradezu dafür kämpfen, dass ihr Bauch – so wie er eben ist – nicht wegretuschiert wird. Kein Wunder also, dass wir alle – und dabei sprechen wir natürlich vor allem Frauen an – mit Komplexen bezüglich unserer Körper durch die Gegend rennen. Ein Twitter-User fasste es im Zuge von Thompsons Movie, in dem sie übrigens eine verwitwete Frau spielt, die sich einen Callboy (Daryl McCormack) holt, um endlich sexuelle Erfüllung zu erfahren, ganz nice zusammen: „Ich kenne keine Frau, die sich selbst im Spiegel betrachtet – bekleidet oder unbekleidet – ohne dabei streng über ihren Körper, ihr Gesicht, ihre Haare etc., etc. zu urteilen.“ 💯 Jep. Die wenigsten Frauen sind jemals wirklich zufrieden mit sich selbst und können das, was sie dort sehen, akzeptieren.

Emma Thompson: „Wir sind es nicht gewohnt, natürliche Körper auf der Leinwand zu sehen“

Und dazu muss natürlich auch noch gesagt werden, dass wir in solchen verletzlichen Momenten alleine vor dem Spiegel stehen. Emma Thompson kann nun ein Millionenpublikum dabei zuschauen. Es ist eine große Herausforderung, mit 62 nackt zu sein. Sie [Anm. d. Red.: ihre Figur Nancy Stokes] steht alleine vor einem Spiegel und lässt ihre Robe fallen. Ich glaube nicht, dass ich das vor meinem jetzigen Alter hätte machen können. Und trotzdem macht es mein Alter natürlich extrem schwierig, weil wir es nicht gewohnt sind, natürliche Körper auf der Leinwand zu sehen“, zitiert Entertainment Weekly aus einem kürzlichen Cinema Café Panel Talk der Schauspielerin. 

„An den schrecklichen Anforderungen, die an Frauen in der realen Welt, aber auch in der Schauspielerei gestellt werden, hat sich nichts geändert. Die Sache mit dem ‚dünn sein müssen‘ ist immer noch dieselbe wie früher, und in gewisser Weise denke ich, dass es jetzt sogar noch schlimmer ist“, so Thompson weiter. Und da mag sie recht haben. Natürlich haben sich viele Dinge schon geändert. Es gibt die Ashley Grahams dieser Welt und auch in den sozialen Netzwerken schleicht sich unter all den vielen perfekt retuschierten Fotos mal etwas Echtheit ein… aber die Mehrheit ist sicher noch dem über lange Zeit aufgebauten Schönheitswahn verfallen. Oder lässt sich vielmehr davon unter Druck setzen. Frauen ganz besonders.

Um Thompson etwas von diesem Druck zu nehmen, lief die Gang am Set übrigens gerne mal nackt durch die Gegend. „[Regisseurin] Sophie [Hyde], Daryl und ich haben völlig nackt geprobt und über unsere Körper und unsere Beziehung zu unseren Körpern gesprochen, sie gezeichnet und die Dinge diskutiert, die wir schwierig finden und Dinge, die wir an ihnen mögen.“ Und ganz alleine das finden wir ja schon so mega nice. Denn klar, jede:r hat Körperpartien, die er an sich so gar nicht toll findet (das ist auch okay), aber oftmals ist unser eigenes Urteil eben so viel härter als das von Außenstehenden. So eine Reflexion tut also mal verdammt gut.

Trotzdem war diese Erfahrung für Thompson das „wahrscheinlich Schwierigste“, das sie jemals tun musste. „Und das ist an sich ja schon interessant. Das erzählt die ganze Geschichte meines Lebens als Frau, umgeben von unmöglichen Anforderungen und Körperbildern“, erzählte sie weiter. „Das ist die große Tragödie des weiblichen Körpers im 20. und 21. Jahrhundert. Und es ist eine Erzählung, die wir unbedingt ändern müssen.“ Word, Emma!!!! 👏 Und deine Nude-Szene trägt definitiv einen ersten Schritt dazu bei. Also danke! Und hier kommt abschließend noch ein bisschen Netz-Lob:

Credits: Twitter/ Variety , Twitter/ #EmmaThompson

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