Très Click
04.12.2017 / Update: 08.12.2017 von Très Click

Achtung, dieser Facebook-Betrug kann echt teuer werden

Text von Tina Gablenz

Lug, Betrug, Psycho-Terror … wer kennt sie nicht, die gängigen Maschen der Internet-Abzocker? Ob Enkel-Trick, das große Erbe eines entfernten Verwandten im Ausland oder Romance Scamming: Von all dem hatte ich zigfach gehört und gelesen und war der festen Überzeugung, dass das ja doch nur immer die anderen trifft. Denkste! Denn vor ein paar Tagen war ich selbst kurz davor, in die Falle zu tappen und zum Opfer zu werden. Dass ich so leichtgläubig und naiv war – zumindest am Anfang – ärgert mich dabei fast noch am meisten.

Die Falle wird aufgestellt

Es ist ein ganz normaler Montag, als das „Pling“ meines iPhones mich in helle Aufregung versetzt, denn über den Facebook Messenger habe ich gerade eine Chatanfrage von Morten Harket, dem Sänger der norwegischen Band a-ha und Schwarm meiner Jugendtage, bekommen. Hilfe!

Sofort macht sich Nervosität in mir breit, aber es sieht tatsächlich so aus, als handle es sich um „sein“ Profil bzw. seine Facebook-Seite, von der die Nachricht kommt. Und nun? Was schreibe ich ihm? Wie kommt der auf mich? Ach, ist das aufregend! So schnell fühlt man sich also wieder wie ein total verknallter Teenie – absurd! Da ich natürlich besonders eloquent und lässig rüberkommen möchte, entscheide ich mich für ein simples „Hei!“ (norwegisch für „Hallo“, haha) und warte gespannt auf die Reaktion meines Gegenübers. Die lässt nicht lange auf sich warten, und „Morten“ kommt recht schnell zur Sache: Ich sei einer der wenigen auserwählten Fans, die er mit Gratis-T-Shirts, Caps etc. überraschen möchte. Ein weltberühmter Super-Star, der Fan-Artikel verschenkt? Hmm … echt jetzt? Obwohl, vielleicht im Zuge einer Promo-Aktion, schließlich haben a-ha gerade ihr neues Album veröffentlicht, möglicherweise gehört dazu ja auch, großzügig Geschenke unters musikbegeisterte Volk zu bringen? Sicherheitshalber frage ich nach, ob ich nicht doch mit dem Management oder Fan-Club zu tun habe, der im Auftrag des Sängers handelt. Nein, „Morten“ selbst sei am Werk. Und damit nicht genug, er möchte auch gerne „mein Freund“ sein!

Trotzdem lehne ich T-Shirts, Caps und Co. ab, daraufhin werden mir Gratis-CDs angeboten – so langsam kommt mir das alles aber seltsam und merkwürdig vor, und ich möchte auf keinen Fall meine privaten Daten preisgeben. Also schlage ich auch das CD-Geschenk aus.

» Dass ich so leichtgläubig und naiv war, ärgert mich dabei fast noch am meisten. «

Dank ein bisschen Hin- und Hergeplänkel und charmantem Nachfragen schafft es „Morten“ dann aber doch und erfährt, wie alt und dass ich Single bin. Weil der Gute aber noch „zu tun“ hat, machen wir für heute Schluss und verabschieden uns. So weit, so harmlos und nett. Und mir ist inzwischen mehr als klar, dass es sich bei meinem „neuen Freund“ auf gar keinen Fall um Morten Harket handelt.

Jetzt geht’s um Geld

Allerdings scheint er selbst das nicht zu wissen oder zu merken, denn in den nächsten Tagen geht es richtig rund und zur Sache. Ich werde mit unzähligen Nachrichten regelrecht bombardiert.

Sicherheitshalber beschließe ich, beim Management, der Plattenfirma und Facebook nachzufragen: Auf meine Mails bekomme ich jedoch leider keinerlei Rückmeldung – und zwar bis heute nicht! Einzig RTL hat reagiert, um über diese perfiden Machenschaften zu berichten, und wir sprechen ab, wie wir weiter vorgehen wollen. Ich soll „Morten“ bei Laune und bei der Stange halten.

Das ist zum Glück nicht weiter schwer, denn der Nachrichtenfluss reißt nicht ab. Abgesehen von Rechtschreibfehlern (ist Morten Harket etwa Legastheniker??) sind die Texte wirklich höchst unterhaltsam, schmeichelhaft und auch ziemlich authentisch. So wissen „die“ beispielsweise, dass die Band sich gerade in USA befindet und wann Morten bei „The Voice Norwegen“ im Fernsehen zu sehen ist. Der Höhepunkt ist für mich erreicht, als ich nachschauen soll, was ein Erste-Klasse-Flugticket nach New York kostet, damit wir uns endlich persönlich kennenlernen und spüren können. Mein Einwand, dass es da doch auch noch eine Partnerin gibt, wird mit dem Argument entkräftet, dass es um die Beziehung gerade nicht zum Besten stehe. Oje, wenn das die beiden (angeblich) Betroffenen wüssten …

Ab jetzt werde ich mit Komplimenten und Schmeicheleien geradezu überschüttet, anscheinend gehen „die“ davon aus, dass ich unter meinem Single-Dasein leide und mir nichts sehnlicher wünsche, als eine Beziehung mit einem Promi. Hmm …

Kurz darauf schlagen Stimmung und Tonalität jedoch um. „Morten“ bittet mich um Geld. Ich sage ihm direkt, dass ich nicht glauben kann, dass jemand, der seit über 30 Jahren im Musikbusiness unterwegs ist und Millionen von Alben verkauft hat, keine 150 Euro für die lungenkranke Mutter seines Cousins hat. Doch auch dafür hat er eine Erklärung: Weil er gerade im Studio festsitzt, kann er nicht aktiv werden, darum soll ich das Geld vorstrecken und bekomme es selbstverständlich schnellstens zurück, zusammen mit noch viel mehr. Was auch immer das bedeuten soll.

Als ich mich darauf nicht einlasse, wird mir ein schlechtes Gewissen gemacht. Die Zeit dränge, jede Minute zähle, je länger wir warten würden, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Patientin sterbe.

RTL und die Polizei schalten sich ein

Krass, der Druck auf mich wird auf diese Weise massiv erhöht. Aber natürlich zahle ich nicht und bin auch zu keinem Zeitpunkt dazu bereit. Dafür werde ich jetzt so richtig sauer über dieses Verhalten. Ich ziehe mich zurück, antworte nicht mehr sofort und täusche Krankheit vor. Trotzdem bitte ich um weitere Infos zwecks Banküberweisung, schließlich braucht RTL diese Daten, um die Hintermänner und Drahtzieher ermitteln zu können. Ich muss gestehen, dass diese ganze Geschichte mich extrem viel Kraft kostet, das ständige Schreiben auf Englisch, das Abwimmeln, Hinhalten und Erfinden von Ausreden ist anstrengend und schlägt sich auf meine Stimmung nieder, außerdem schlafe ich schlecht, weil das Thema mich dauer-beschäftigt.

Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass der Account von Morten Harket nicht der einzige ist, der gehackt und missbraucht wurde.

Auf Nachfrage bei der Polizei wurde mir gesagt, dass diese Form der „Internet-Abzocke“ neu sei und es bisher keine weiteren Fälle gebe.

Wahrscheinlich ist das aber nur eine Frage der Zeit!? Darum ist es so wichtig, offen und ehrlich darüber zu berichten, andere aufzuklären und zu warnen.

Zu einer Anzeige ist es nicht gekommen – obwohl diese notwendig gewesen wäre, damit die Polizei der Sache nachgehen und ermitteln kann. Da ich aber (glücklicherweise) nicht geschädigt wurde, würden die Ermittlungen laut Polizei irgendwann im Sande verlaufen und eingestellt werden.

Gut, vielleicht sind 150 Euro nicht die Welt, das können selbst Schülerinnen oder pubertäre Teenager locker machen, wenn Justin Bieber oder Ryan Gosling schreiben und für einen „Freund in Not“ um Geld bitten und eine enge Freundschaft oder gar ein persönliches Treffen in Aussicht stellen würde. Allerdings zeigen ähnliche Internet-Abzock-Fälle, dass solche „Klein-Beträge“ oftmals nur der Einstieg sind …

Darum meine Bitte: Sobald ihr über Facebook, Instagram oder anderen Medienplattformen eine Anfrage, Nachricht o.ä. bekommt, die euch seltsam erscheint oder auch unwahrscheinlich ist (um ehrlich zu sich sein, warum sollte ein Star wirklich selbst schreiben? Jeder Promi hat Assistenten, Manager und sonstige Helfer und alles andere als Zeit für solche Spielereien), auf gar keinen Fall antworten und reagieren, sondern sofort blockieren und den Betreiber informieren!

Mehr über: Facebook

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