Juhu, die Deutschen essen so wenig Fleisch wie nie – aber ist „weniger“ wirklich schon gut genug?

Die Nachricht verbreitete sich in dieser Woche wie ein Lauffeuer. Jedenfalls in meiner Social Bubble. Sie war vielleicht nicht ganz so omnipräsent, wie Angela Merkels öffentliche Entschuldigung, ziemlich nah dahinter (von all den Corona-News mal abgesehen) kam sie aber definitiv: „Deutsche essen so wenig Fleisch wie nie!“

Oder, naja: Jedenfalls so wenig wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Erwartungsgemäß wurde diese Meldung geherzt und gelikt, gefeiert und geteilt. Zu Recht, meiner Meinung nach. Denn bei dem hohen Fleischkonsum, den die Welt aktuell vorweisen kann, ist jeder noch so kleine Abwärtstrend ein guter. 🙏 Während genau dieser bisher nämlich immer weiter angestiegen ist – und 2010 mit 62,4 Kilogramm pro Person einen traurigen Höhepunkt erreichte – waren es 2020 nun immerhin schon „nur noch“ 57,3 Kilogramm.

Durchschnittlich fünf Kilo weniger also. So wenig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Deutscher Rekord! Und dennoch will sich bei mir nicht so riiichtig die große Freude einstellen… Denn 57,3 Kilogramm bedeuten immer noch ein gutes Kilogramm Fleisch für jede*n Deutsche*n – pro Woche. Also etwa 150 Gramm am Tag. Viele vegetarische Mahlzeiten müssen für diesen niedrigen Durchschnittswert also noch gar nicht in den Alltag integriert werden. Für viele bleibt erstmal alles beim Alten. Womit wir auch schon beim Knackpunkte dieser fröhlich anmutenden Nachricht wären…

Mehr Gemüse braucht das Schland

Ich möchte nur ungerne die Spielverderberin sein, ABER: Der Fleischverzehr der deutschen Bevölkerung bleibt damit weiterhin hoch! Weniger hoch, ja. Aber eben noch längst nicht auf einem Niveau, bei dem wir von einem verantwortungsvollen Konsum sprechen könnten. Schon gar nicht, wenn Faktoren wie Klima, Gesundheit und Tierwohl mit einbezogen werden. Denn während es beim Schweinefleisch laut den Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) ein Minus von 940 Gramm pro Kopf zu verzeichnen gibt, steigt der Verzehr von Geflügel durchschnittlich tatsächlich auch im Jahr 2020 um ganze 180 Gramm pro Kopf an.

Um irgendwann also wirklich von einem maßvollen Umgang sprechen zu können, reicht diese Entwicklung noch lange nicht aus. Ein Anfang ist sie aber allemal! Den wir gemeinsam ganz sicher noch weiter ausbauen können. Wie wäre es dafür beispielsweise mit nur einer fleischhaltigen Mahlzeit in der Woche? Oder mit pflanzlichen Alternativen, um auf den Geschmack nicht verzichten zu müssen?

Auch damit wären wir weltweit wohl schon längst nicht mehr alleine. Laut einer aktuellen Studie von Boston Consulting wird der globale Markt für Milch- und Fleischersatzprodukte bis zum Jahr 2035 um das Siebenfache anwachsen. Schon sehr bald könnte deren Schätzungen zufolge zudem jede zehnte Mahlzeit vegan sein.

Wenn pflanzliche Proteine zur Hauptzufuhr werden

Denn obwohl ganz sicher noch nicht jede*r Fan der pflanzlichen Ersatzprodukte geworden ist: Sie sind im Aufschwung – und machen vielen Menschen den Verzicht oder Umstieg um einiges leichter. Das ist es doch, was wirklich zählen sollte. Weil mehr Erbsenprotein im Einkaufskorb ganz schnell weniger Rind auf dem Teller bedeuten kann. Und weil die Entwicklung ebenfalls zeigt, dass sich immer mehr Menschen mit leckeren Alternativen auseinandersetzen wollen.

Entsprechend hoffnungsvoll warten wir nun also die Bilanz des BZL für dieses Jahr ab. Vielleicht setzt sich der positive Negativtrend ja tatsächlich im Sinne unserer Erde weiter fort. DAS wäre doch mal ein wahrhaftiger Grund zur Freude. Den wir spätestens dann auch mit einem gebührenden Freudentanz beehren würden. Ganz ohne „aber“ – dafür mit kompostierbarem Konfetti, versprochen. 😉

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