Warum es ab 30 schwieriger wird, Freunde zu finden – und es die Mühe trotzdem wert ist

Eigentlich ist es doch auch nichts anderes, als der ewig gleiche Prozess des Datings. „Frage ich jetzt nach ihrer Nummer?“, „Will er mich überhaupt wiedersehen?“, „Lade ich sie schon zu meinem Geburtstag ein?“, „Ist das hier nur ein kurzer Fling – oder besteht ernsthaftes Interesse?“. Diese Sache mit dem Freunde finden. Gar nicht mal so leicht. Und mit ganz schön viel Aufwand verbunden. Jedenfalls wenn man ein bestimmtes Alter erreicht… oder eine gewisse Lebensphase.

In der Schule, Uni oder Ausbildung, da geht das alles irgendwie noch wie von selbst. Wir sitzen uns täglich gegenüber und ganz nebenbei werden aus Gruppenarbeiten Mittagspausen und aus Feierabend-Bierchen geteilte WGs.

Wo sind diese Zeiten hin, in denen Freundschaften noch vor der ersten Stunde beschlossen wurden? Und warum fühlt es sich inzwischen oftmals eher wie ein gezwungenes Herantasten an? „Willst du mit mir befreundet sein? Ja? Nein? Vielleicht?“. So viel sei vorweg schon mal gesagt: Am Alter allein liegt es natürlich nicht. Dafür aber sehr wohl an veränderten Lebenssituationen, an verschiedenen Lebensmodellen und vielleicht auch ein bisschen an uns selbst…

Finden wir mit 30 wirklich keine Freunde mehr?

Wer in einem geregelten Berufsalltag angekommen ist, der wird schnell merken, dass das mit dem „einfach mal Kennenlernen“ gar nicht mehr „einfach mal so“ passiert. Schließlich lastet der vorhandenen Freundeskreis die zeitlichen Kapazitäten meist schon ordentlich aus. Bei neuen Menschen? Die man auf Feiern oder Grillabenden kennenlernt? Geht es deshalb meist gar nicht erst über Smalltalk hinaus.

Aber selbst wenn – wie soll man den Kontakt denn dann weiterführen? Die 3-Tage-Regel einhalten? Doch lieber am nächsten morgen direkt auf ein Bierchen verabreden? Warten, bis der Mittelsmann eine weitere Party schmeißt…?

Fragen, mit denen wir also wieder angekommen wären, im komplexen Dating-Game. Und genau dieser Aufwand, den wir zunächst hineinstecken müssten, lässt uns häufig davor zurückschrecken, neuen Menschen überhaupt eine Chance zu gebe. Ganz egal wie groß das Freundschafts-Potenzial auch sein mag.

Hinzu kommen zahlreiche unstetig wabernde Lebensentwürfe, die genau jetzt aufeinanderprallen. Während die einen gerade noch ein neues Studium beginnen oder von Praktikum zu Praktikum hüpfen, bauen die anderen bereits schwanger ein Häuschen. Und nach einem kurzen Augenblick der gemeinsamen Schnittmenge… verlaufen sich die Themen auch schon wieder.

Bekanntschaft? Freundschaft? Irgendwas?

Wie soll man eine solche aufkeimende Bekanntschaft denn auch pflegen? Ab wann kann man sie selbstbewusst als gegenseitige Freundschaft bezeichnen? Lebensräume liegen meilenweit auseinander, kostbare Zeit muss eingeplant werden. Diese Energie nimmt man für langjährige Freunde sicherlich gerne in Kauf. Aber für Menschen, von denen wir noch gar nicht so genau wissen, wo wir letztendlich mit ihnen stehen? Wohl kaum.

Womit wir auch schon beim sensibelsten Punkt wären. Unseren kleinen aber feinen Eigenheiten. Denn mal ehrlich – die werden mit zunehmenden Jahren sicherlich nicht weniger. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Wir alle haben Lebenserfahrung gesammelt und unsere Persönlichkeit geschärft. Das ist ein guter Prozess, doch nicht jeder Person will man sich dann immer noch offenherzig vor die Füße werden.

Auch Paarberater Eric Hegmann beobachtet diese Entwicklung, wie er uns gegenüber erklärt:

„Mit zunehmendem Alter werden viele Menschen misanthropischer. Sie ziehen sich zurück, weil sie sich von zu vielen oder zu schnellen Wünschen nach Kontaktaufnahme vielleicht sogar bedroht fühlen. Gewohnheit gibt Sicherheit und Geborgenheit, ebenso Rituale. Veränderungen werden dann nicht mehr als etwas Spannendes, sondern als etwas Bedrohliches wahrgenommen und jeder neue Kontakt birgt grundsätzlich auch die Gefahr einer Verletzung.“

Gewohnheit, Sicherheit, Verletzlichkeit. Schlagwörter, die auf einmal schwerer wiegen als die Aussicht auf guttuende Interaktionen mit tollen Menschen. Also lassen wir diese viel zu häufig einfach gehen… bevor überhaupt etwas Ehrliches entstehen kann.

Klar macht uns der Einsatz verletzlich. Aber er lohnt sich!

Denn praktischerweise kann man es sich gleichzeitig ja so einfach machen. Einfach auf alte Freunde verlassen, sich vielleicht sogar ein wenig auf diesen Beziehungen ausruhen. Neuen Bekanntschaften im Leben wird so gar nicht erst der Raum gegeben, den sie früher bekommen hätten.

Ist diese Tatsache nicht aber eigentlich furchtbar schade? Eben weil natürlich auch nach dem 30. Geburtstag noch haufenweise Personen in unser Leben treten, die uns unglaublich bereichern können. Obwohl, oder gerade WEIL wir uns entwickelt haben. Und kleine Macken und große Meinungen nicht mehr zurückhalten wollen.

Warum also nicht denjenigen eine Chance geben, die unsere Werte teilen und an einem ähnlichen Punkt im Leben stehen? Egal ob beim Sport, vor der Kita, im Theater oder dem Verein. Einfach mal machen, kennenlernen. Und dann heißt es: Dranbleiben, Nummern austauschen, Gedanken an „Was bringt mir das jetzt?“ beiseite schieben. Ja, für dieses zeitliche Investment müssen andere Dinge dann vielleicht auch mal hintanstehen. Aber es lohnt sich. Um Erfahrungen zu teilen und gemeinsame Momente zu schaffen, die über den Schnack zur anstrengenden Wohnungssuche hinausgehen.

Eben doch fast wieder wie beim Dating. Nur eben anders. Weil wir im besten Fall letztendlich einfach nur mit einer bereichernden Person in unserem Leben mehr dastehen. Die wir als Freund bezeichnen können. Und das ist halt irgendwie doch wieder den ganzen Aufwand wert, oder nicht? 😉

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