Meine Filmkritik zu „Das geheime Leben der Bäume“ – und was wir von Bäumen noch lernen können

Wenn für mich ein Kinobesuch auf der Agenda steht, handelt es sich meistens um Filme aus Genren wie Thriller, Horror, Drama oder Komödie. Auch Dokumentarfilme ziehe ich mir gerne mal rein. Ein Film über Bäume… das war neu. Ja, ich liebe die Natur, und als gebürtige Baden-Württembergerin, die die meiste Zeit ihres Lebens den Schwarzwald quasi vor der Nase hatte, fühle ich mich auch zu Wäldern hingezogen. Und sie fehlen mir hier mir im Norden wirklich schmerzlich. Alles, was über die oberflächliche Liebe zu der Schönheit von Wäldern hinausgeht, zähle ich jedoch definitiv nicht zu meinem Fachgebiet. 😄 Das sollte sich aber jetzt – zumindest zu ganz kleinen Teilen – ändern: So zog es mich also vergangenen Mittwoch ins Hamburger Zeise Kino für die Premiere von „Das geheime Leben der Bäume“. Völlig erwartungsfrei und mit neutraler Haltung wollte ich selbst unter die Lupe nehmen, ob ein „einfacher Baum“, der an jeder Straßenecke steht, so faszinierend sein kann, dass er Menschen in hoher Zahl vor die Kinoleinwände lockt. Etwas kann ich schon vorwegnehmen: Wer hätte gedacht, dass wir Menschen von Bäumen tatsächlich das Ein oder Andere lernen könnten?

Der Titel des Films basiert auf dem gleichnamigen Buch des deutschen Försters Peter Wohlleben, das sich nach seiner Erscheinung 2015 schnell zum Beststeller mauserte und mittlerweile in 40 Ländern gedruckt wird. Wohllebens Mission: den Menschen in einfacher und bildhafter Sprache beibringen, das Bäume viel mehr sind und vor allem viel mehr können, als einfach nur ihre Blätter abzuwerfen. Und auch, dass der Schutz unserer „grünen Lunge der Erde“ wichtiger ist, als man es als Laie vielleicht auf dem Zettel hätte.

Vom Förster zum Bestseller-Autor, das ist doch auch mal ein ziemlich nicer Werdegang! 👏

Verantwortlich für die 96-minütige Verfilmung waren Produzent Friederich Oetker, Regisseur Jörg Adolph, und Kameramann Jan Haft, die am Ende so etwas wie einen filmischen Hybriden erschaffen haben: eine Kreuzung aus klassischen Dokumentar-Elementen und packender Kino-Atmosphäre. Darunter auch Naturaufnahmen von Bäumen, anderen Pflanzen und großen und kleinen Waldbewohnern, die so eindrucksvoll und spektakulär aussahen, dass ich mich zeitweise gefragt habe, ob sie animiert wurden. (Wurden sie natürlich nicht.)

Übrigens – mit meinem Kinobesuch habe ich automatisch einen Baum gepflanzt! 🌳 Constantin Film hat sich nämlich mit der Suchmaschine Ecosia zusammengetan, um den Planeten mit jedem verkauften Ticket ein wenig grüner zu machen.

„Mhhm, interessant… okay, spannend, wusste ich nicht… ach, krass!“

Aufgebaut war der Streifen ein wenig wie eine Adult-Version von Peter Lustigs „Löwenzahn“-Sendung, nur mit einem anderen Peter. 😉 Dieser streifte durch vorrangig deutsche Wälder, analysierte das „Verhalten“ von Buchen- und Fichtenbäumen in metaphorischer Sprache, erklärte deren „Kommunikationsstrategien“ und kritisierte die deutsche Forstwirtschaft, der es vielmehr um Profit ginge als um den wirklichen Erhalt der Grünflächen. Dazwischen wurden immer mal wieder „Screen-in-Screen“-Elemente gezeigt, in denen der wohl berühmteste Förster Deutschlands seine Fans mittels Smartphone in kleinen, Vlog-ähnlichen Sequenzen mit in seinen Alltag nimmt.

Der Zuschauer erfährt, wie ein gesunder Baum in Vergleich zu einem fast sterbenden aussieht, welchen Baum es lohnt, zu fällen und welchen nicht, was es mit dem Blätter-Abwerfen auf sich hat, wie Waldbewohner und Bäume harmonieren und warum Stadtbäume „unglücklich“ sind (ihnen werden beim Umpflanzen die Wurzelspitzen so kurz geschnitten, dass sie nicht mehr richtig tief mit dem Erdboden verwachsen können). Auch eine von zahlreichen interessanten Infos: Bäume leben (so viel sollte ja eigentlich bekannt sein), nur eben sehr, sehr langsam. So reagieren sie tatsächlich auf „Verletzungen“ oder Beschädigungen, nur eben – anders als bei uns Menschen, wo eine solche Botschaft innerhalb von Millisekunden durch das Nervensystem ins Gehirn geschickt wird – in Schneckentempo. Genauer gesagt kostet es den Baum eine Minute pro Zentimeter, um jene Information im Baum zu verbreiten; eine weitere Stunde, um dann eine chemische, schmerzlindernde „Antwort“ in Form von chemischen Stoffen zu schicken.

„Mhhm, interessant… okay, spannend, wusste ich nicht… ach, krass“, denke ich, während der Film läuft und sich mein zunächst nicht vorhandenes Baum-Know-how langsam zumindest zu einem Basiswissen upgradet. Außerdem – wie anfangs schon erwähnt – bin ich absolut begeistert von den Naturaufnahmen von Jan Haft, die dem Streifen in meinen Augen erst so richtig seinen „Kino-Charakter“ verleihen: In gestochen scharfer Hochauflösung wird die Schönheit der Natur und ihrer Tiere sowohl aus der Frosch- und Vogelperspektive, als auch zigfach vergrößert im Detail gezeigt: Sternenhimmel, die durch kahle Baumkronen wandern, Schädlinge, die sich ihren Weg durch Rinden bahnen, Pilze, die durch die Bodendecke sprießen. Alles in allem erinnert das fast an Netflix-Doku-Hits wie zum Beispiel „Our Planet“.

Was viele Kritiker bei „Das geheime Leben der Bäume“ bemängelten, ist Peter Wohllebens Art und Weise, die Dinge zu beschreiben. Wie auch in seinen Büchern benutzt er eine sehr vermenschlichte Sprache: Bäume seien sehr „sozial“, sie würden sich „umeinander kümmern“, manche Buchen seien er „vernünftig“, andere „mutig“. Wohllebens Argumentation: Er wolle sein Fachgebiet mittels Sprachbilder so verständlich wie möglich machen, auch Laien. Das sei eben einfacher, wenn man sich nicht ausdrückt wie ein Wissenschaftler. Die Negativstimmen hingegen finden: Sein Naturbild sei zu idealisiert und romantisiert.

Nun, mich persönlich störte es überhaupt nicht, dass oft in Metaphern gesprochen wurde. Ganz im Gegenteil. Als jemand, der keine Ahnung von der Materie hatte, war ich sogar froh, dass Wohlleben sie so zahlreich verwendet hat – das verschaffte mir einen einfacheren Zugang und machte den Film in meinen Augen auch nahbarer und ansprechender.

Ein schöner Film, ein kleines „Aber“ gibt es trotzdem

Bei all meiner positiven Überraschung über ein zunächst eher öde anmutendes Thema will ich natürlich trotzdem ehrlich bleiben. Also, erstmal: Peter Wohlleben ist wohl einer der angenehmsten und sympathischsten Menschen, der mir auf einer Kinoleinwand und auch in Persona bei der offenen Gesprächsrunde während der Premiere, je begegnet ist. Er scheint authentisch, liebevoll und nahbar, und seine Leidenschaft für seinen Beruf  wirkt aufrichtig und ansteckend. Man würde sich am liebsten an einem Sonntag mit ihm auf einen Kaffee verabreden und einen kleinen Plausch halten.

So sympathisch er aber auch ist, so muss ich sagen, dass dieser Film fast zu sehr den Charakter eines Wohlleben-Porträts hat. Des Öfteren wurden wirklich informative Filmsequenzen dann abgebrochen, wenn sie den Zuschauer wirklich hungrig machten auf noch mehr Fakten zur Natur und ließen ihn mit einem Fragezeichen im Kopf zurück, weil dann der Förster wieder hauptsächlich in den Fokus gerückt wurde. Ich weiß nun sehr viel über ihn, aber nur mittelmäßig viel über Bäume. Es stellt sich mir hier also die Frage:

Wer ist eigentlich der Protagonist des Films – Peter Wohlleben oder der Baum?

Nichtsdestotrotz wollen wir diese Kritik nicht mit einem negativen Schlusswort enden lassen. Was mir beim Schauen nämlich am aller deutlichsten klar wurde, ist Folgendes: Der Mensch kann sich vom Baum noch einiges abschauen!

Wer hätte gedacht, dass Bäume den Menschen etwas lehren können?

Tja, ich nicht, ist aber so! Denn – dank Wohllebens „vermenschlichter“ Sprache, übrigens 😉 – dachte ich mir beim Verhalten der Bäume das ein oder andere Mal: Hey, darauf sollten sich die Leute auch mal wieder zurückbesinnen! Beispielsweise als es darum ging, dass mangelernährte oder schädlingsbefallene Bäume von ihren „Nachbarn“ mit wichtigen Mineralien mitversorgt werden, um sie am Leben zu erhalten. Unterirdisch sind sie nämlich durch ein riesiges Wurzelnetz miteinander verbunden und stehen im ständigen Austausch miteinander. Beschrieben wurde das vom Autor selbst als „Wood Wide Web“, das die Vernetzung der Pflanzen im Wald mit den Glasfasern unserer Internet-Leitungen vergleicht. Wohlleben sagt: „Bäume sind sehr sozial. Sie wissen: Sie alleine ergeben keinen Wald“, und dieses Zitat fand ich herrlich. In unserer erfolgsorientierten (Ellenbogen-)Gesellschaft geht diese Bescheidenheit nämlich von Zeit zu Zeit unter. Gesunder Egoismus ist gut, aber wo kämen wir hin, wenn wir nicht mehr nach rechts und links schauen würden? Wenn wir diejenigen aus unserem Umfeld, die gerade ein wenig schwächeln, nicht wieder aufpäppeln würden? Ich muss es eigentlich nicht sagen: nicht weit. Und das sollten wir uns jeden Tag erneut ins Gedächtnis rufen – wir brauchen einander! Ach, und, um die soziale und durchaus kluge Ader der Bäume noch einmal zu betonen, eignet sich diese Feststellung von Peter Wohlleben zum Schluss hervorragend: „Ein Baum würde niemals Donald Trump wählen!“ – Boom! 👏

Alleine hierfür hat sich der Kinobesuch allemal gelohnt. Und, auch wenn es kleine Minuspunkte für das Storytelling von „Das Leben der Bäume“ gab, bleibt mir am Ende dennoch zu sagen: Es ist fabelhaft, dass die grüne Lunge unserer Erde so endlich mehr Aufmerksamkeit erfährt. 🌳💚

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