Julia Kiener
05.07.2017 von Julia Kiener

Warum die Message von G(irls)20-Powerfrau Marleen Och an uns Mädels sooo wichtig ist …

Wenn wir hier in Hamburg den letzten Vorbereitungen auf den nahenden G20-Gipfel so zuschauen, da wird uns schon etwas anders. In der Stadt herrscht der absolute Ausnahmezustand, Häuser und Geschäfte werden verbarrikadiert, an jeder Straßenecke steht die Polizei und man hat das Gefühl alle stehen unter Strom. So ist das wohl, wenn sich die 20 Staats- und Regierungschefs sich zu einem Gipfeltreffen verabreden und sich mit Fragen Rund um das Thema „Wachstums der Weltwirtschaft, des internationalen Handels und der Regulierung der Finanzmärkte“ befassen.

Aber nicht nur Merkel, Trump und Co. treffen sich zu einem Gipfeltreffen um die Lage der Welt zu besprechen, auch 24 junge Powerfrauen haben sich im Zuge des „G(irls)20“-Gipfels vom 16. bis 23. Juni in München getroffen und über weltpolitische und weltwirtschaftliche Themen gesprochen. Neben einer Delegierten für jedes G20-Land waren auch Vertreterinnen für die Europäische und Afrikanische Union, Afghanistan, Pakistan und der MENA-Region anwesend. Für Deutschland ging Marleen Och nach München, um zusammen mit den anderen Delegationsmitgliedern viel über Women’s Empowerment und die Gleichstellung der Geschlechter zu diskutieren und globale Lösungsansätze zu finden.

Très Click hat es sich natürlich nicht nehmen lassen Marleen zum Interview zu bitten, einem Interview, aus dem wir mit noch mehr Girl-Power gekommen sind, als wir reingegangen sind.

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TC: Wie bist du als junge Frau dazu gekommen dich bei Girls 20 zu engagieren? Gab es einen besonderen Auslöser?

Girls20 geht ja vor allem um die Förderung junger Frauen. Das ein Thema ist, was mich schon immer interessiert hat. Aber dass ich nun ausgerechnet da mitgemacht habe lag an der Vielfältigkeit und den verschiedenen Aspekten, die dieses Projekt vereint. Zum einen die Idee, dass man die jungen Frauen aus der ganzen Welt miteinander in Kontakt bringt, dass sie ein Netzwerk bilden und sich gegenseitig inspirieren können. Dass man an verschiedenen Workshops teilnehmen kann, dass in diese Frauen investiert wird. Die Idee, Eigeninitiative zu zeigen und das soziale Engagement unter jungen Leuten zu fördern und dann natürlich auch, dass wir eben selbst ein Communiqué verabschiedet haben, welches dann an die G20 Staats- und Regierungschefs weitergeleitet wird. Dadurch kann man auch selbst aktiv politischen Einfluss nehmen.

TC: Kannst du kurz beschreiben, worum es beim Girls 20 ging und was eure Diskurspunkte waren? Was habt ihr für Lösungen erarbeitet?

Wir haben uns in unserem Communiqué auf drei Kernaspekte konzentriert, die auch für den G20-Gipfel in diesem Jahr relevant sind. Das ist zum einen Migration, aber auch Klimawandel und Energie sowie digitale Wirtschaft. Ich kann gerne zu jedem Punkt ein Kernbeispiel geben.

Zum Thema Migration
: Dass man jungen Migratinnen die Chance gibt am Arbeitsmarkt 
teilzunehmen, insbesondere, dass man bereits bestehende Qualifikationen anerkennt und, dass man ihnen Sprach und Berufstraining anbietet und sie auch über die Rechte insgesamt und über die Rechte am Arbeitsmarkt aufklärt.

Thema Klimawandel und Energie: Da kommt es sehr auf das Land an, aus dem man das Ganze betrachtet. In Entwicklungsländern geht es oft darum, dass Frauen darüber aufgeklärt werden, wie man nachhaltige Landwirtschaft betreiben kann. Damit sie Ertrag erzeugen und diesen langfristig halten können. In den „entwickelteren“ Ländern geht es dann zum Beispiel darum, die Clean Tech-Branche zu fördern, die viele Frauen anzieht und gerade Frauen in der Technik fördert, die sich speziell für nachhaltige Lösungen einsetzen.

Thema Digitale WirtschaftWir haben uns besonders darauf konzentriert, dass man die typischen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) mehr an Schulen unterrichten muss, auch mit mehr Praxisnähe. Es hat sich gezeigt, dass Frauen von der sehr analytischen Herangehensweise abgeschreckt sind, aber bei einer praktischen Herangehensweise doch viel Interesse zeigen und, dass man da eben eine frauen-freundliche Möglichkeit findet. Und schon ab der Grundschule mehr Frauen für diese Fächer begeistert, damit wir auch in Zukunft genug weiblichen Nachwuchs in diesen Bereichen haben.

» Wo ich wirklich noch Nachholbedarf sehe ist in den Führungsebenen von Unternehmen. Da sind nach wie vor zu wenig Frauen vertreten. «

TC: Jede von euch hat ein ja ein Projekt, welches sie umsetzen will, für ihr jeweiliges Heimatland mit nach Hause genommen. Was hast du dir für Deutschland vorgenommen?

Ich möchte ein Mentoring-Netzwerk zwischen Schülerinnen und Studentinnen aufbauen. Ein ganz simpler und freundlicher Ansatz, bei dem die Schülerinnen eben einen Ansprechpartner haben und etwas Hilfe dabei bekommen, was sie vielleicht mit ihrer Zukunft machen sollen, wie sie das Projekt Uni angehen. Ich habe die Hoffnung, dass sich dadurch mehr Frauen trauen, auch außergewöhnliche Studiengänge zu wählen und womöglich mit mehr Überzeugung an ihr Studium heranzugehen.

TC: Was meinst du mit außergewöhnlichen Studiengängen?

Eben genau diese sogenannten MINT-Fächer, aber auch einfach etwas zukunftsorientiertere Studiengänge. 

TC: In welchen Aspekten muss Deutschland in Sachen Gleichberechtigung noch etwas passieren und was funktioniert schon ganz gut?

Wenn es um die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen geht, dann haben wir aus meiner Sicht in Deutschland eine relativ gute Basis, was das Thema die Bildung angeht. Da stehen die meisten Türen für beide Geschlechter offen. Da geht es wenn dann darum, Frauen in den MINT-Fachgebieten zu fördern. Wo ich wirklich noch Nachholbedarf sehe ist in den Führungsebenen von Unternehmen. Da sind nach wie vor zu wenig Frauen vertreten. Was sicherlich viel mit den unbewussten Vorurteilen gegenüber Frauen zu tun und damit, dass die Elternrolle in Deutschland immer noch nicht gleich verteilt ist. Und dass noch nicht so viele flexible Möglichkeiten bestehen für angehende/ junge Eltern, die Arbeit gleichmäßig zu verteilen. Das sind für mich Dinge, die man wirklich angehen müsste.

TC: Mal eine anderes Thema: Bodyshaming… Meinst du Frauen müssen sich für ihre Optik eher rechtfertigen und werden wenig ernst genommen? Stehen wir unter einem anderen optischen Druck oder ist das zum Teil „selbstgemacht“?

Ich denke, dass Frauen unter einem anderen Druck stehen und viel mehr unter bestimmten Körperbildern leiden. Es gibt ja auch einige Statistiken dazu, dass unglaublich viele Frauen sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen. Ich glaube schon, dass das ein Frauenproblem ist und, dass das von der Gesellschaft geschaffen ist, sowohl von Männern als auch von Frauen selbst. Ich halte es für ein riesiges Problem, denn ob mich sich in meinem Körper wohl fühle, spiegelt sich natürlich auch nach Außen wieder und das hat viel mit Selbstbewusstsein zu tun und damit, wie glücklich und zufrieden man an sein Leben herantritt. Das wirkt sich auf so viele andere Aspekte aus.

Und ich finde es eher dramatisch, dass dieser Trend nicht wirklich zurückgeht, sondern sich im Gegenteil auch zunehmend Männer, was ihr Aussehen angeht, ebenfalls unter Druck gesetzt fühlen. Und, dass der Trend in die Richtung geht, dass wir uns als Gesellschaft auf diese Äußerlichkeiten fokussieren. Deshalb finde ich es super, wenn Menschen sich in dem Bereich engagieren und versuchen, das Ganze wieder ein bisschen zurückzuschrauben.

TC: Wie könnten wir als Frauen denn selbst dafür sorgen vielleicht auch eine Art Sexismus aus dem Weg zu räumen?

Wo jeder für sich selbst anfangen kann – und das sind ja oft die Dinge, die helfen – ist, zu reflektieren, wie man über sich selbst und über andere denkt und zu reflektieren, ob es das überhaupt ist, worum es eigentlich gehen sollte. Ich finde dieses Beispiel gut: Was man niemals zu seiner besten Freundin sagen würde, dass sollte man auch nicht zu sich selbst sagen. Wenn man freundlicher mit sich selbst und seinem Körper umgeht, führt das zu deutlich mehr Selbstbewusstsein und wirkt sich auf viele Lebensaspekte aus.

» Seid mutig und traut euch auch mal Dinge zu sagen «

TC: Was können wir denn im Alltag/täglich für mehr #Girlpower tun?

Seid mutig und traut euch auch mal Dinge zu sagen, bei denen man erst denkt „Uh, ist das jetzt zu viel“ oder „Trau ich mich das jetzt zu sagen?“. Ein ganz tolles Beispiel vom Summit: Bei einer der Podiumsdiskussionen bei Girls20 sollten wir sagen, was unser Traumjob ist. Die indische Delegierte Anannya Parekh sagte, dass sie mal CEO von Airbus werden möchte. Und natürlich hat sie vorher überlegt, ob sie das so sagen kann, das ist schließlich eine ganz schön große Nummer. Aber in dem Raum saß jemand, die den CEO von Airbus tatsächlich kennt und aufgestanden ist und gesagt hat, dass sie die zwei einander bekannt machen will. Das war ein ziemlich toller Schlüsselmoment, denn hätte sie sich nicht getraut so eine mutige Aussage zu treffen, dann wäre es dazu natürlich nicht gekommen.

 

Dann finde ich es super wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen. Es ist so wichtig, dass Frauen sich nicht auch noch gegenseitig runtermachen und sich Steine in den Weg legen. Wir haben ohnehin schon genug Hürden. Stattdessen müssen wir uns gegenseitig zu unterstützen und das wirklich in den Alltag integrieren. Das heißt nicht nur zu denken „Oh, wow, die ist super“, sondern das auch zu sagen. Sich in seinem Freundes- und Bekanntenkreis gegenseitig dafür zu loben, was andere Frauen Tolles gemacht haben, und das nicht nur untereinander, sondern auch vor anderen.

TC: Was willst du uns noch mit auf den Weg geben, irgendwas, was dir besonders aufgefallen ist und was dir besonders am Herzen liegt?

Tatsächlich ist das wirklich auch mein letzter Punkt, den ich gerade genannt habe. Es ist so wichtig als Frau, sich ein Netzwerk zu schaffen und sich eben gegenseitig zu empowern. Und ich habe gemerkt, wie viel ich von den Frauen und dem Netzwerk profitiert habe. Diese Vielfältigkeit eben für sich zu nutzen und so viel wie möglich mit anderen Frauen in Kontakt zu treten. Ich glaube, dass das enorm helfen kann.

TC: Was war denn für dich der absolut herzergreifendste Moment bei dem Girls20 Summit?

Wir haben relativ viel auch während des Summits schon über Migration geredet und während der Hauptveranstaltung hat eine junge Frau eine Rede gehalten. Ihr Name ist Sandra Uwiringiyimana und in ihrem Buch „How dare the sun rise“ beschreibt sie ihre außergewöhnliche Lebensgeschichte. Wir haben vorher relativ abstrakt darüber geredet wie es ist, in einem Krisengebiet aufzuwachsen und als Geflüchtete die Welt zu erleben. Da war es unglaublich ergreifend, ihre Geschichte zu hören und ich habe auch links und rechts von mir gemerkt, dass es den anderen ebenso ging. Wir haben uns in dem Moment auch alle noch ein bisschen mehr in dem bestärkt gefühlt, was wir da tun.

Mehr über: Interview, Très Click Interview, Marleen Och, G20, G(irls)20
Credits: G(irls)20, Instagram.com/girls.20/
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