Leute, wir müssen über die Zusammenhänge von Wetterextremen und Klima sprechen

Starkregen, Hagelfälle, Unwetter und Überschwemmungen. Geben sich die Hand mit Trockenheit, Rekordtemperaturen und Brandkatastrophen. Während Kanada noch vor wenigen Wochen unter einer beispiellosen Hitzewelle leidet, versinken Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Hochwasser. Noch immer sind wir geschockt über das Ausmaß der Zerstörung. Noch immer sind wir in Gedanken bei all denjenigen, die ihr Zuhause, oder sogar Familienmitglieder und Freunde verloren haben.

Gleichzeitig werden wir das ungute Gefühl nicht los, solche Ereignisse in Zukunft öfter betrauern zu müssen. Schließlich scheint eine Naturkatastrophe aktuell die nächste zu jagen. Oder spielt doch nur unsere eigene Wahrnehmung verrückt…?

Solche Ereignisse hat es immer schon gegeben!“, heißt es lautstark als Gegenargument. Aber ist damit wirklich alles gesagt? Reicht diese Verallgemeinerung aus, um Diskurse zu unterbinden und Zusammenhänge abzutun? Darf dieses Schulterzucken die Reaktion auf eine Katastrophe sein, durch die über Hundert Menschen ihr Leben verloren haben?

Natürlich nicht! Auch uns hat daher die Frage nicht losgelassen: Wie steht es denn nun um die Kausalität? Werden extreme Wetterereignisse wirklich immer häufiger? Was haben sie mit der Erderwärmung zu tun und wie ist es um die zukünftige Katastrophenprävention in Deutschland bestellt?

Mit Klimaschutz gegen den Starkregen?

Ganz so einfach ist die Antwort leider nicht. Aber das ist sie wohl nie. Konzentrieren wir uns also auf die Faktenlage. Denn obwohl Unwetter natürlich auch unabhängig vom Klimawandel auftreten können und immer schon aufgetreten sind, werden sie durch die Erhitzung der Erde doch stark begünstigt.

Auch die Arktis und die Luft darüber erwärmen sich nämlich und entziehen dabei dem Jetstream, also den Starkwinden, die als Antrieb des Wettergeschehens gelten, die Kraft. Ganz konkret heißt das: Weil sich durch den geschwächten Jetstream Hoch- und Tiefdruckgebiete langsamer bewegen, bleiben sie länger an einer Stelle bestehen und können dort – sehr regional – ihre ganze Kraft entfalten (mehr dazu hier). Das potenziert natürlich die Gefahr. Denn, wie im Fall der Hochwasserkatastrophe in Westdeutschland, machen vor allem die Menge und die Länge das Gift.

Hinzu kommt, dass die Luft mit zunehmender Wärme mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Das führt zu großen und schweren Regenwolken, die es mit dem Fortschreiten der Erderwärmung immer häufiger geben wird. Ein Multiplikator kann die Klimakrise also auf jeden Fall sein. Und das längst nicht nur für Starkregen. Zahlreiche Wetterextreme werden durch die Erderwärmung begünstigt. Und das hat verheerende Auswirkungen – auf unser aller Leben.

Nicht verwunderlich also, dass viele Politiker*innen jetzt also doch für mehr Klimaschutz plädieren. Dabei darf es aber längst nicht bleiben. Wir brauchen konkrete Vorschläge zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Wir brauchen aber auch funktionierende Warnsysteme und „Klimaanpassungen“, wie es die Bauingenieurin Prof. Messari-Becker gegenüber dem ZDF beschreibt. Wir können zwar versuchen, den Prozess zu verlangsamen – Katastrophen wie diese werden dennoch immer wieder passieren. Also braucht es auch akute Maßnahmen, die Deutschland in Zukunft stärker vor Unwettern schützen.

Klimaschutz, aber auch Klimaanpassung

Indem wir nicht mehr so unkontrolliert Böden versiegeln, zum Beispiel. Weil das Wasser dann schlichtweg besser ablaufen kann. Und indem Flüsse wieder ihrem natürlichen Flussbett folgen können. Kleine Inseln bieten dem Gewässer nämlich den nötigen Platz, sich ausreichend auszudehnen. Außerdem halten sie das Wasser zurück und verzögern den Abfluss. Die Wassermassen haben so entsprechend weniger Kraft, wenn sie über die Ufer treten. Durch die Begradigung von Flüssen kann sich das Wasser dagegen nicht zu den Seiten ausbreiten. Der Strom wird ohne Wiederstände immer stärker und kann so eine Schneise der Verwüstung mit sich bringen.

Während also definitiv an den großen Rädern gedreht werden sollte, sind es auch die kleinen Schräubchen, die langfristig viel bewirken können. Denn dass wir auf weitere Naturkatastrophen vorbereitet sein müssen, steht fest. Wie stark und wie häufig sie allerdings auftreten werden, bleibt offen. Und kann durch eine konsequente Klimapolitik bestenfalls noch beeinflusst werden. Womit sich der Kreis dann wohl auch wieder schließen würde… oder was meint ihr?

Eckhart von Hirschhausen bringt die Thematik auf den Punkt

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