„Ich bin HIV positiv und habe ungeschützten Sex“

Ich bin HIV positiv und habe ungeschützten Sex. Ich weiß, dass du jetzt geschockt guckst. Vielleicht sogar angeekelt. Aber halt – warte! Verurteile mich nicht. Hör dir erst meine Geschichte an, bevor du dich wegdrehst. Ich bin Ben*, 31 Jahre alt und habe mich vor 15 Jahren beim Geschlechtsverkehr mit HIV angesteckt. Das wurde aber erst fünf Jahre später festgestellt, da mein Immunsystem wohl ziemlich stark war und ein erster Test direkt nach der Infektion negativ ausfiel. Zum Glück habe ich in der Zeit, als ich noch nicht wusste, dass ich positiv bin, niemanden angesteckt. Das wäre ein Albtraum. Nicht auszudenken …

An den Moment, als ich von meiner Infektion erfahren habe, erinnere ich mich noch ganz genau. Ich war krank und ließ mich beim Arzt durchchecken. Mein Partner hatte mich mit Syphillis angesteckt. Na, toll. Als der Doc mich dann aber ernster, als für meinen Geschmack nötig, ansah, wusste ich: Da stimmt was nicht. “Herr Bauer*, Sie haben HIV.“ Die Worte hallen durch den Raum, durch meinen ganzen Körper. Was jetzt? Muss ich sterben?

Schnell stelle ich alle Fragen, die mir durch den Kopf schiessen, höre die Antworten nicht, bin verwirrt. Zuhause recherchiere ich die ganze Nacht: Ja, HIV ist, wenn der Virus ausbricht und zu Aids wird, immer noch ein tödliche Krankheit. Aber in den letzten zehn Jahren, in denen in den Medien nur noch sehr wenig über die Immun-Erkrankung geschrieben wurde, hat sich einiges getan. Es gibt neue, richtig tolle Medikamente. Truvada heißt das Wundermittel, das ich zusammen mit in einer Pille Tivicay jeden Morgen nehme.

Bis auf diese Morgen-Routine merke ich fast nichts von meiner Erkrankung. Die modernen Tabletten sind anders als die alten: Diese sorgten dafür, dass das Gesicht schnell eingefallen wirken konnte und man elend aussah. Mir sieht man die Infektion nach außen hin nicht an.

Dass sie mich aber nie eingeschränkt hätte, kann ich natürlich nicht behaupten. Wenn ich jemanden kennenlerne und nach dem vierten, fünften Date denke, das könnte was Ernstes werden, spreche das HIV-Thema immer offen an. Bevor wir intim werden. Wie es mir dabei geht? Na, beschissen. Aber da muss ich durch, denn ich hab‘ Verantwortung. Bis jetzt gab es erst eine schlimme Reaktion. Der Typ, vor dem ich mich geoutet hatte, schaute mich angewidert an, beschimpfte mich, stand auf und ging.

» Wie ich mich beim HIV-Outing fühle? Na, beschissen! «

Die Respektlosigkeit akzeptiere ich nicht, seine Entscheidung schon. Als ich mich allerdings meinem Ex-Freund anvertraut habe, hat er großartig reagiert. Er wusste sehr wenig über das ganze Thema und hat sich alles interessiert angehört. Wir haben dann vereinbart, dass wir nur mit Kondom miteinander schlafen. Mit meinem jetzigen Freund brauche ich keine Kondome. Wir schlafen ohne Schutz miteinander. Das klingt krass – wie eingangs erwähnt. Aber dank der modernen Medikamente, meiner extrem engmaschigen Arztkontrolle und meinem guten Immunsystem, ist die Konzentration der Viren so gering, dass fast keine Ansteckungsgefahr besteht. Dies belegen mittlerweile auch diverse Studien, ohne die und die Rücksprache mit meinem betreuenden Arzt, ich niemals zu diesem Schritt gelangt wäre.

Es bleibt aber dabei: Die Medikamente sind kein Freifahrtschein. Jede zusätzliche, sexuell übertragbare Krankheit, schwächt das Immunsystem und die Ansteckungsgefahr für den Partner steigt immens. In dieser Konstellation kein Kondom zu benutzen ist eine ganz persönliche Entscheidung, die man gemeinsam trifft. Bei wechselnden Sexualpartnern ist immer Safer Sex  angesagt.

Er ist über alles aufgeklärt und ist sich dessen voll bewusst. Als neulich die ganze Charlie Sheen-Geschichte in den Medien aufgeploppt ist, habe ich auch viel mit meinem Partner geredet. Ich habe ihm gesagt, dass ich total traurig bin, dass er zum Outing gezwungen wurde. Ich bin kein Fan von ihm als Mensch und seinem Lifestyle. Und dass er wissentlich ohne Verhütung Sex gehabt haben soll – unfassbar. Trotzdem ist das Outing eine extrem persönliche Sache. Das gehört nicht die Öffentlichkeit.

Wem ich erzähle, dass ich positiv bin, mache ich davon abhängig, ob für sie im Alltag eine Gefahr bestehen könnte, sich irgendwie bei mir anzustecken. Und danach, wie nahe er oder sie mir steht: Es tut gut, sich einigen Lieblingsmenschen anzuvertrauen. Die verstehen dann ohne viele Worte, was los ist, wenn ich doch mal in einem Tief stecke.

Ich weiß nicht, wie alt ich werde. Ich weiß nicht, welche Langzeitwirkung die Medikamente haben, die ich jeden Morgen schlucke. Aber ich weiß, dass ich verdammt dankbar bin, dass es sie gibt und möchte noch eins loswerden: HIV ist NICHT heilbar. So etwas wie die Pille danach gegen die Viren gibt es nicht. Aber das Kondom davor.

*Name von der Redaktion geändert

Credit: Le 21ème

Mehr über: Sex, Liebe, Love, Aids, HIV

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