„Ich habe mich in den besten Freund meines Freundes verliebt“

Eigentlich waren Marc und ich schon seit mehr als einem Jahr glücklich, wir verbrachten gern Zeit miteinander, stritten nie und suchten gerade zusammen eine Wohnung: Wir galten als DAS Vorzeigepaar.

Doch dann kam diese Party im August, zu der wir gemeinsam mit Marcs bestem Freund Florian gingen. Die beiden waren schon seit der fünften Klasse ein unzertrennliches Dreamteam: Der vernünftige, hübsche blonde Marc, der immer nur feste Freundinnen gehabt hatte, und der lockere dunkelhaarige Flo, der in jeder Situation einen Spruch parat und jedes Mal ein neues Mädchen dabei hatte. Er war das komplette Gegenteil von seinem rationalen Freund, stand immer im Mittelpunkt und schien nie richtig ernst zu sein. Tatsächlich fanden viele Frauen Flo ziemlich attraktiv, aber das hatte für mich nie eine Rolle gespielt.

Eine Freundin von uns wurde 25 und feierte in einem Beach Club, es war heiß und ich schnell ein bisschen betrunken. Ich blieb da, als Marc sich um 23 Uhr verabschiedete, weil er am nächsten Tag für eine Klausur lernen musste. 

Drei Stunden und drei Caipirinhas später tanzte ich immer noch – mit Florian. Er wich den ganzen Abend nicht von meiner Seite, holte mir Getränke und quatschte  mit mir. Zum ersten Mal seit wir uns kannten, unterhielten wir uns richtig lange und gut. Florian erzählte mir von seinem Freiwilligendienst in einem Seniorenheim, davon, dass er gerne las und wie wichtig ihm seine Familie war. Offensichtlich konnte er nicht nur witzig, sondern auch ernst und einfühlsam sein – außerdem war er definitiv nicht mehr nüchtern. „Wie süß er ist“ dachte ich und erschrak. „Eigentlich fand ich dich ja auch toll, als wir uns damals alle bei Martinas Geburtstag kennengelernt haben“, sagte Flo, „aber du hast dich nur für Marc interessiert“. „Du fandest mich toll?“ antwortete ich lachend. „Du hast doch alle drei Wochen eine Neue!“. „Hast du wirklich nie etwas bemerkt?“ fragte er nur. Dann küsste er mich.

Ich wehrte mich nicht, sondern erwiderte den Kuss, aber als mir klar wurde, was wir da gerade taten, schob ich Flo weg: Ich schämte mich sofort. Auch ihm war das Ganze unangenehm. „Entschuldige“, sagte er. „Ich habe wohl zu viel getrunken und muss nach Hause.“ Vier Wochen lang gingen wir uns aus dem Weg so weit das möglich war. Marc merkte nichts. Dabei hatte ich keine Lust mehr mit ihm Wohnungen anzugucken, ich wollte keinen Sex mehr, ich distanzierte mich von ihm – und dachte ständig an Flo.

Eines Abends klingelte mein Telefon, es war Florian. „Ich halte das nicht mehr aus“ sagte er. „Ich fühle mich schlecht dabei, aber ich habe mich in dich verliebt. Und ich möchte mit meinem besten Freund darüber reden.“ Wir wussten beide, dass wir Mist gebaut hatten, und dass wir es Marc sagen mussten.

Marc fiel aus allen Wolken. Er war wütend, enttäuscht und verletzt. „Ich will euch beide nicht mehr sehen“, sagte er nur und ging. Zwei Monate lang herrschte absolute Funkstille, zwischen uns allen. Dann brach mein Ex das Schweigen: Er habe jemanden kennengelernt, und er würde mir gern all meine Sachen zurückgeben. Wir trafen uns im Café. Das war nicht halb so schlimm wie ich befürchtet hatte, Marc war sogar relativ entspannt. „Ich wollte das lange nicht einsehen, aber irgendwie haben wir uns auch ein bisschen miteinander gelangweilt, oder? Ich habe natürlich  gemerkt, dass Flo auf dich stand, als wir uns kennenlernten. Ich habe darauf bloß einfach keine Rücksicht genommen, weil er noch nie so richtig verliebt war. So richtig fair war das wohl auch nicht. Hast du eigentlich was von ihm gehört?“ fragte er.

Nach diesem Treffen rief ich Florian an. Fünf Minuten später stand er vor meiner Tür, wir fielen uns in die Arme. Mehr wollten wir aber an diesem Abend beide nicht. „Ich möchte erst mit Marc reden“, sagte er. Ich weiß bis heute nicht, was die beiden besprochen haben, nur, dass Marc Flo gesagt haben muss, dass es okay für ihn ist, wenn wir ein Paar werden. Ein halbes Jahr nach der Augustnacht sind wir zusammengezogen. Das alles ist jetzt zwei Jahre her. Wir heiraten in vier Wochen. Marc und seine Freundin sind eingeladen – vor allem Flo hofft, dass er kommen wird. Ich weiß, dass wir einen Fehler gemacht haben, aber ich bin auch froh darüber. Denn ohne diesen Fehler würde ich jetzt nicht den richtigen Mann heiraten.

Text: Tina Epking

Credits: Giphy

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