Warum es so bescheuert ist, dass diese Influencerin für ein Foto ihres Tampon-Fadens gehated wird

„Influencerin erntet massiven Shitstorm für ein Foto, auf dem man ihren Tampon-Faden sieht.“

So lauten heute zahlreiche Headlines internationaler Medien, die mir entgegenprassen, und – wie so oft bei diesem Thema – bin ich erneut völlig genervt, ratlos und sauer. Zum Kontext: Sophie Elise ist 25 Jahre alt, Sängerin, Nude-Model und körperpositive Influencerin aus Oslo. In ihrem Instagram-Feed sieht man immer schon viel nackte Haut, Pobacken, Nippel – zumindest so weit es die (bescheuerten) Richtlinien der Plattform erlaubt. Warum das im Jahre 2020 als Frau eigentlich nicht mal mehr der Rede wert sein sollte, will ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht genauer erläutern. Wer immer noch ein Problem darin sieht, dass Mann sich offline und online oberkörperfrei theoretisch überall bewegen darf, eine Frau für das gleiche Verhalten aber abstempelt oder sexualisiert, der möge einfach nochmal ganz scharf an seinen Glaubenssätzen arbeiten und das Wort „Misogynie“ googeln.

„Du bist eklig“, „ein schlechtes Vorbild“

Was Aussagen wie diese auslöst? Nein, nicht etwa ein waschechter Skandal… heutzutage reicht es, wenn eine Frau das Rückholbändchen ihres Tampons auf einem Foto für den Rest der Welt sichtbar macht.

Um dieses Posting mit der Caption „my body, period“ geht’s. Sophies Unterkörper, seitlich abfotografiert – und ein hellblauer Baumwollfaden, von dem jede menstruierende Frau im Laufe ihres Lebens unzählige Male Gebrauch macht. Jeden Zyklus erneut, wenn die Blutung wieder mal einsetzt und mit ihr in vielen Fällen zahlreiche Beschwerden, die ihr das Leben so oder so schon schwer genug machen.

Das Ziel der jungen Frau? Die Enttabuisierung einer völlig natürlichen, schon immer da gewesenen Körperfunktion, um die sich noch immer hartnäckig Stigmata halten. Die Periode sei unsauber, eklig, man müsse sie verstecken, totschweigen, ein Pokerface wahren, die Klappe halten, lächeln. Traurig aber wahr – es gibt genug Menschen, die immer noch so denken. Der Beweis liegt doch alleine darin, dass jede Frau den Moment fürchtet, in dem sie aus dem Wasser steigt und irgendjemand diesen Faden aus dem Bikini-Höschen rutschen sehen könnte.

Ursprünglich hatte die 25-Jährige sich nichtmal all zu große Gedanken gemacht (WARUM AUCH?), wie sie gegenüber Metro preisgibt: „Ich mache generell viele Fotos ohne Klamotten von mir – so eben auch an diesem Tag, nur dass ich da dann zufällig meine Tage hatte. Also bin ich einfach mit dem Flow gegangen und hab meinen Körper so gezeigt, wie er da eben war.“

Weiter sagt sie: „Ich habe das Gefühl, dass sie [Influencerinnen] nur wirklich sexy Fotos posten und nie wirklich die andere Seite der Dinge zeigen, dass der Fokus darauf, sexy zu sein, immer das Gleiche ist, ohne Raum für ‚Fehler‘.“ 

Absolut! Und obwohl wir gerade auf einer absolut positiven Welle schwimmen und immer mehr Aktivist*innen sich der Enttabuisierung gewisser gesellschaftlicher Themen widmen, sind Abbildungen von Blut, Tampons, Binden o.ä. noch immer für viele „anstößig“. Das zeigen auch die Reaktionen, die Sophie Elise daraufhin bekam. Vor allem Männer schickten Nachrichten wie „Das ist ekelhaft, ich muss dir entfolgen“. Noch schlimmer, so die Influencerin, sei für sie aber gewesen, dass sogar Frauen gegen sie hetzten, sie als schlechtes Vorbild betitelten. Diese Frauen pissen mich wirklich an! Ich weiß nicht, ob die überhaupt realisieren, wie blöd sie klingen!“

A-m-e-n. Und, um ihre Worte zu benutzen, genau das pisst auch mich so sehr an. Dass wir uns als Frauen in unseren eigenen Reihen noch zusätzlich zu den äußeren Umständen bekriegen müssen. Gerade wir sollten doch Empathie füreinander haben, in Liebe übereinander und miteinander sprechen und uns gegenseitig Unterstützung sein. Du möchtest lieber diskret mit deinem Körper und deiner Periode umgehen? No problem at all! Aber dann behalte doch bitte für dich, wenn dich das bei einer anderen Person stört. Damit ist nämlich niemandem geholfen.

Ja, wir Frauen bluten nun mal. Und ja, wir dürfen uns währenddessen – wie an jedem Tag des Jahres – sexy und attraktiv fühlen, und zwar schambefreit. Genau das sagt dieses Posting aus. Und deshalb: Gut gemacht, Girl. Immer weiter so. Bis wir irgendwann in einer Welt leben, in der kein Mensch mehr komisch guckt, wenn irgendwo ein Tampon-Faden zu sehen ist.

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