Wie diese Influencerin den Weg aus der Depression gefunden hat

Um 4 Uhr nachts ist sie in ein Taxi gestiegen und hat sich selbst eingewiesen. Jetzt geht es einfach nicht mehr. Mittelgradige depressive Episode, diagnostizierte der Arzt. Victoria Van Violence hat sich nicht nur entschlossen, sich Hilfe zu suchen, sie hat ihren Kampf mit der Depression auch öffentlich gemacht: Gerade erschien ihr Buch „Meine Freundin, die Depression“, darin erzählt sie von ihrem Doppelleben, dem einen im Netz, – die Berlinerin gehört mit 176.000 Instagram-Followern und 326.000 Facebook-Likes zu Deutschlands bekanntesten Influencern – auf dem sie strahlt; und dem einen Zuhause mit dunkler Wolke im Kopf, der ungeschminkte Wahrheit der inneren Leere und dem tagsüber nicht mehr aus dem Bett aufstehen wollen.

» Ich hatte Angst. Angst vor Ablehnung, vor dem großen Stempel. «
Victoria Van Violence

Zwei Jahre hat sich gebraucht, bis sie sich getraut hat, ihre Depression offen zu besprechen: „Lange habe ich es regelrecht geheim gehalten. Ich hatte Angst. Angst vor Ablehnung, vor dem großen Stempel. Angst „Schwäche“ zu zeigen. Inzwischen weiß ich, dass ich stark bin“, sagt Victoria. Rückblickend kann sie nicht sagen, was die ersten Anzeigen der seelischen Erkrankung waren, „denn eine blöde Phase hat jede*r mal. Die Depression schleicht sich häufig so ein, dass sie erst gar nicht auffällt“, erklärt die Berlinerin.

Jeder dritte Notarzteinsatz hat mit psychischen Krisen zu tun.

Victoria nennt die Depression eine Volkskrankheit und tatsächlich sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Knapp 40 Prozent der europäischen Bevölkerung leiden laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts an psychischen Krankheiten. In Deutschland sind etwa 4 Millionen Menschen von einer depressiven Störung betroffen. Junge Erwachsene zwischen 15 und 34 sind zunehmend von psychischen Gesundheitsproblemen wie Angststörungen und Depressionen betroffen. Tatsächlich erkranken Frauen zweimal häufiger an Depressionen als Männer.

„Jeder Mensch kennt Phasen im Leben, in denen es nichts gibt, worauf man sich freuen kann, alles Grau in Grau erscheint, man ‚deprimiert‘ ist. Depression wird oft als Begriff gebraucht, um alltägliche Schwankungen unseres Befindens zu beschreiben. Aber eine Depression im medizinischen Sinne ist etwas anderes als eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit und Unlust oder ein Stimmungstief, das bei fast jedem Menschen im Laufe des Lebens ein- oder mehrmals auftritt“, heißt es von Seiten der Deutschen Depressionshilfe. Und weiter: „Aus medizinisch-therapeutischer Sicht ist die Depression eine ernste Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen beeinflusst, mit Störungen von Körperfunktionen einhergeht und erhebliches Leiden verursacht.“

„Wenn sich eine depressive Episode einschleicht und man es abtut, kann man leider voll reingeraten und das ist gefährlich“, weiß auch Victoria Van Violence.

» Ich gehe mehr raus, treffe Freude, rede über meine Gefühle und Gedanken (...) «
Victoria Van Violence

Victoria spürte den Unterschied zwischen Traurigkeit und depressiver Episode am eigenen Leib: „Es ist ein exorbitanter Unterschied ob ich traurig bin oder eine depressive Episode habe. ‚Normale‘ Traurigkeit stehe ich durch, esse vielleicht mehr Schoki und lasse sie zu – denn es gehört zum Menschsein dazu. Wenn sich allerdings eine depressive Episode ankündigt (der Vorteil mal voll reingerasselt zu sein ist, dass man weiß, wie es sich anfühlt und wo der Unterschied liegt), dann darf ich genau das nicht machen. Sondern ankämpfen.“ Es gibt viele Dinge, die ihr helfen, verrät sie. „Ich gehe mehr raus, treffe Freude, rede über meine Gefühle und Gedanken und versuche mich zu beschäftigen und Dinge zu machen, die mich erfüllen. Auch kleine, wohl dosierte Auszeiten sind wichtig und viel Natur. Aber das ist bei jedem Menschen anders.“

» Wir sind nicht alleine! «
Victoria Van Violence

In ihrem Buch beschreibt sie den Weg raus und die Chance im Reset. Ja, Depressionen sind heilbar, aber der erste Schritt ist, sich anderen mitzuteilen über das Grau in einem und sich Hilfe zu suchen:

„Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten Stimmung, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. Aber es gibt gute und effektive Möglichkeiten der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung“, so die Deutsche Depressionshilfe.

Mit ihrer Offenheit sorgt Victoria jedenfalls dafür, das Thema entmystifiziert wird und das sich immer mehr junge Menschen trauen, Hilfe anzunehmen. Victoria verrät: „Mir ging es in erster Linie auch darum zu sagen: Ich habe das auch und ich weiß, dass viele von euch auch darunter leiden. Wir sind nicht alleine!“

Du brauchst Hilfe oder Informationen zum Thema Depression?
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe erreichst du unter: 0800 / 33 44 533

„Meine Freundin, die Depression“ erschien im mvg Verlag.

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