Ninon Götz
23.10.2014 von Ninon Götz

Interview mit einem Männermodel: „Mach lieber was anderes“

Berlin, Fashion Week im Juli 2014. Beim Berliner Männer-Label SoPopular werden backstage hektisch Kragen zurecht gezupft, Augenringe abgedeckt, Bärte gestutzt. Mittendrin und völlig unbeeindruckt von dem Gewusel sitzt Keno, 26, und dreht sich eine Zigarette.

„Lass uns raus gehen, hier ist mir zu viel los“, raunt er uns  zu und nimmt kurz darauf in einem klapprigen Liegestuhl Platz. Der Stuhl ist alt und morsch und viel zu niedrig, doch Keno sieht kein bisschen lächerlich darin aus, sondern einfach nur saucool. Denn Keno ist Model. Als wir gerade überlegen, ob wir auch so einen Liegestuhl brauchen, sagt Keno: „Ich erzähle euch aber nur die Wahrheit. Keine PR-Sch*#&“. Oookay.

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Keno Backstage bei SoPopluar in Berlin

Très Click: „Warum hast du mit dem Modeln begonnen?

Keno: „Des Geldes wegen.“

Très Click: „Es heißt doch immer, Männermodels verdienen nichts …“

Keno: „Das wusste ich damals noch nicht. Ich war aber auch von Anfang an mega-gefragt. Donatella Versace wollte mich höchstpersönlich für das Lookbook, ich bin überall gelaufen. New York, Mailand, Paris, you name it.“

Très Click: „Hat dir das Spaß gemacht?“

Keno: „Es war aufregend, ja. Aber grundsätzlich ist dieser Modezirkus gar nichts für mich.“

Très Click: „Bei den Mädels herrscht teilweise viel Konkurrenz. Wie ist das bei euch?“

Keno: „Männer sind da anders. Man kennt sich, man respektiert sich, das war’s. Außerdem gibt’s ja kaum Kohle, um die wir uns streiten könnten.“

Très Click: „Ist das wirklich so? Auch, wenn man so erfolgreich ist, wie du?“

Keno: „Es gibt eine Handvoll Jungs, die Geld machen, die wechseln aber auch von Saison zu Saison. Es gibt dauernd einen neuen Look, der gefragt ist. Ich zum Beispiel war mit meinen vielen Tattoos ’ne Zeit lang total angesagt, heute ist das schon wieder over. Bei Schauen kann man froh sein, wenn man ein paar Hundert Euro bekommt. Dafür muss man zu reihenweise Castings laufen. Das einzige, was Geld bringt, sind kommerzielle Shoots. Aber dafür habe ich zum Glück nicht den Look.“

» Man kann froh sein, wenn man ein paar Hundert Euro bekommt «
Keno

Très Click: „Würdest du dir die Tattoos heute wieder stechen lassen?“

Keno: „Klar, es kommen ja dauernd neue dazu. Ich mache ein eigenes Studio mit Kumpels. Das ist meine eigentliche Leidenschaft.“

Très Click: „Auch, wenn es wenig Geld gibt: Wird dir die Anerkennung und die Bewunderung nicht fehlen? Die Mädels da drüben himmeln dich schon die ganze Zeit an.“

Keno: „Ach, was. Das brauche ich nicht. Und beziehungstechnisch ist der Job auch ’ne Katastrophe. Man kommt automatisch mit Models zusammen. Dann sind beide dauernd unterwegs, der Job nimmt einen völlig ein. Das geht nicht gut. Außerdem mag ich Mädels, an denen ein bisschen mehr dran ist.“

Très Click: „Sehr sympathisch. Wenn du einem Model-Newcomer etwas raten könntest, was wäre das?“

Keno: „Mach lieber was anderes.“

Mehr über: Fashion Week, Männermodel, Keno, SoPopular, MBFW, Berlin
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