Wichtiger waren 15 Minuten von Joko & Klaas noch nie! Wie diese Szenen aus Moria erschüttern

Mir laufen dicke Tränen übers Gesicht, während ich das hier schreibe. Der Kloß in meinem Hals ist so groß, dass mir die Spucke wegbleibt. Und auch meine Hände zittern, während ich auf der Tastatur nach Worten ringe.

Sie tun unfassbar weh, diese 15 Minuten Sendezeit, die Joko und Klaas nach ihrem Sieg am Mittwochabend gegen ProSieben gestern um 20:15 Uhr dafür genutzt haben, auf die grausame Situation in Moria aufmerksam zu machen. Und genau das sollte es auch: nämlich weh tun. Denn nicht erst seit den verheerenden Bränden am 08. September herrschen in dem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos menschenunwürdige und katastrophale Zustände. Nicht erst seit der medialen Berichterstattung benötigen die dorthin geflüchteten Menschen eine Perspektive – und die Unterstützung von Europa.

Nicht einmal vier Flugstunden von uns entfernt sitzen 13.000 Menschen in einer Unterbringung fest, die auf weniger als 3.000 Personen ausgelegt war – und die inzwischen abgebrannt ist. Es sind Frauen, Männer, alte Menschen, Kinder. Sie alle mussten aus ihrer Heimat flüchten, ihr Leben zurücklassen, eine lebensbedrohliche Reise übers Meer auf sich nehmen … um schließlich an der Außengrenze Europas vergessen und verdrängt zu werden.

Joko & Klaas sorgen mit 15 Minuten für Erschütterung

Basierend auf diesen Tatsachen sehen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf die absolute Notwendigkeit darin, ihre 15 Minuten denjenigen zu widmen, deren Stimmen so lang ignoriert und abgeschottet wurden. Den hilflosen Menschen aus Moria nämlich, zu denen auch der 21-jährige Milad gehört, die unter eben jenen Bedingungen seit Monaten oder sogar Jahren ausharren müssen.

Zu Beginn der Sendezeit stellen die Moderatoren klar: „Bereits vor dem Brand standen wir mit Bewohner*innen und Helfer*innen des Camps in Kontakt, um für diese 15 Minuten zu recherchieren. So haben wir auch Milad kennengelernt. Er ist 21 Jahre alt und wohnt seit Januar in Moria. Er hat uns per Video-Call seine Geschichte erzählt. […] Doch die Dinge, die Milad uns erzählt hat, erleben alle Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa fliehen und in Lagern wie Moria, oder direkt in Moria, landen. Es ist am Rande des Erträglichen, wenn man sich diese Bilder nur anschauen muss. Es ist aber die Gegenwart und die Realität der Menschen, die dort sein müssen und ihr Leben dort verbringen.“

Was wir anschließend daran zur PrimeTime auf ProSieben zu sehen bekommen haben, ist wirklich am Rande der Aushaltbarkeit. Auch nach dem wiederholten Anschauen bleiben meine Reaktionen daher die gleichen: Wut, Ohnmacht, Fassungslosigkeit. Wie geht es da wohl erst den Menschen vor Ort?!

Milad dokumentiert in 15 Minuten seine Geschichte

Es bleiben (für uns) unvorstellbare Szenen und Bilder. Kinder, die im Dreck leben müssen. Überfüllte Lager, zerfetzte Zelte, fehlende sanitäre Anlagen, hoffnungslose Blicke. Menschen, die mit schmerzverzerrten Gesichtern Schutz vor Polizisten und dem Einsatz von Tränengas suchen müssen.

Joko und Klaas lassen damit einmal mehr die Unbeschwertheit eines Fernsehabends aus den deutschen Wohnzimmern verschwinden. Zu Recht! Denn während wir uns auf der Couch nach Entspannung sehnen, sehnen sich andere Menschen, nicht weit entfernt, nach einem Dach über dem Kopf und der Chance auf ein sicheres Leben.

Müssen wirklich erst zwei Prominente kommen…?

„Wir wissen, dass die Lage sehr kompliziert ist. Wir wissen auch, dass es nicht einfach ist, eine Lösung zu finden. Aber egal wie man wählt, oder wie man über die Flüchtlingskrise denkt: Wir wollen, dass zukünftig jeder weiß, welche Zustände mitten in Europa herrschen.“ Mit diesen Worten schließen Joko und Klaas das kurze Intro ihrer „Short Story Of Moria“ ab … und übergeben das Wort an Milad. Weil es leider noch immer prominente Gesichter braucht, um solche Gesichten wirklich in das Bewusstsein einer breiten Masse zu bringen.

Falls ihr dieses schreckliche, aufklärende, erschütternde Video also selbst noch nicht gesehen habt – schaut es euch bitte an. Auch wenn es weh tut. Denn all diese Menschen dort haben eine Perspektive und ein Leben verdient. All diese Menschen kamen nach Europa, weil sie sich Schutz, Freiheit und Hoffnung ersehnt haben. Und ganz egal wie sehr politische Haltungen auch auseinander gehen mögen, und obwohl wir natürlich konstruktive Diskussionen benötigen: DAS HIER ist die Realität auf Lesbos. In Europa. Weggucken ist dabei schon lange keine Option mehr. Und zurücklassen ebenso wenig. #LeaveNoOneBehind

Wer spätestens jetzt genau so erschüttert ist, wie wir… und vielleicht sogar einige Euro zur Unterstützung übrig hat – der findet hier und hier zwei zuverlässige Spendenplattformen.

Wir alle sollten uns der Realität stellen müssen

Credits: YouTube/Joko & Klaas, PR/ProSieben

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