„Vintage? Nichts als überteuerte Altkleider!“

Wahnsinn, dass wir erst auf Bay Garnett aufmerksam geworden sind, als sie zu einer der Juroren des Peek & Cloppenburg Designer For Tomorrow Awards ernannt wurde. Die 41-Jährige ist schon seit über 17 Jahren im Business, stylt regelmäßig Shootings für „Vogue“ & Co., interviewt Vivienne Westwood, hat mit Anita Pallenberg, Chloe Sevigny, Liv Tyler and Debbie Harry für ihr eignes Magazin „Cheap Date“ zusammengearbeitet – und ein Fashion-Buch hat sie auch noch geschrieben. Doch das ist alles nichts gegen das: Dank Bay ist Second-Hand-Mode heute in fast jedem Fashionista-Kleiderschrank zu finden. Als sie 2003 Kate Moss in ein Top mit Bananen-Print aus ihrem Privatfundus steckte, löste das einen wahren Hype aus. Alle wollten dieses Oberteil. Und plötzlich war es okay teure, nagelneue It-Pieces mit Fundstücken vom Flohmarkt zu stylen.

Très Click: Sie haben das Mixen von alten und neuen Teilen salonfähig gemacht. Danke nochmal dafür!

Bay Garnett: Wofür? Ich habe doch gar nichts gemacht! Für mich waren Second-Hand-Kleider das Normalste auf der Welt. Ich habe schon immer nach coolen Teilen gestöbert. In jeder Mittagspause. Jeden Abend. Jedes Wochenende. Ich war wie besessen. Dann stand plötzlich das Shooting mit Kate für „Vogue“ an und ich hatte gar nicht so eine wirkliche Ahnung wie das funktioniert mit dem Ausleihen von Kleidern von den großen Labels. Deshalb habe ich einfach ein paar meiner persönlichen Lieblingsstücke mitgebracht.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für getragene Kleider?

Ich mag, dass sie eine Geschichte erzählen. Von ihrem Besitzer, von den Dingen, die sie erlebt haben.

Wenn das Bananentop sprechen könnte, was würde es über Kate Moss erzählen?

Es würde sagen, dass Kate wirklich, wirklich lustig ist. Und nett.

Sie haben schon öfter mit Kate zusammengearbeitet. Zuletzt sogar bei ihr zu Hause …

Ja das stimmt. Das kam über eine gemeinsame Freundin, eine Fotografin. Es war eine Produktion für ein sehr kleines Magazin. Und weil Kate so offen und spontan ist, hat sie einfach gesagt: „Komm, wir machen die Fotos bei mir!“

Nicht alle Promis, die gestylt werden wollen, sind so nett und unkompliziert wie Kate, oder?

Ja, stimmt. Ich hatte da auch schon andere „Patienten“. Einmal ist ein Top-Promi, dessen Namen ich leider nicht nennen darf, komplett ausgerastet.

Es ging um ein sehr wertvolles Schmuckstück. Die Dame wollte es unbedingt ausleihen, um damit zu einem großen Event zu fliegen. Doch der Juwelier hatte es über das Wochenende in den Tresor eingeschlossen und sie konnte es nicht mitnehmen.

Ein Drama!

Total! Ich konnte sie verstehen, schließlich war es ihr vorher versprochen worden, aber all der Stress wegen einer Kette – puh! Das ist vielleicht auch der Grund warum ich hauptsächlich Models und nicht Promis style.

Stylen Sie eigentlich auch Ihre Freunde?

Ja, wenn sie Lust darauf haben, schon. Ich würde ihnen aber nie etwas aufzwingen.

Was sind zum Beispiel Tipps, die Sie Freunden geben?

Es ist schwer allgemeine Tipps zu geben. Aber, Moment, vielleicht so: Überlege dir, was deine Story ist und wie du sie mit deinen Kleidern erzählen kannst. Nur dann wird der Look authentisch. Ich persönlich halte gar nichts davon Outfits von Stars zu kopieren. Löse dich von der Mode los und schaue Filme – alte und neue. Und Fotos! Ich liebe alte 20er-Jahre-Fotografien. Und dann sammle alles auf deinem ganz persönlichen Moodboard. Und ganz wichtig: Spaß haben!

» Vintage ist für mich nichts anderes als überteuerte Altkleider «

Und, was halten Sie von meinem Outfit heute?

Super! Vor allem der bunte Pailletten-Rock gefällt mir. Kann ich ein Foto davon machen? Ich habe nämlich auch ein Moodboard.

Aber klar doch! Wenn Sie uns dafür verraten, welches Kleidungsstück jeder Frau steht!

Ein weißes T-Shirt. Genau so eins, wie Sie zu dem Rock tragen!

Und jetzt noch Ihre Top-Vintage-Shops!

Der Laden der Heilsarmee in New York und der vom Roten Kreuz in London. Das sind aber keine Vintage-Shops, sondern klassische Second-Hand-Schuppen und Altkleidersammelstellen. Meistens findet man dort gar nichts – und dann ist das eine Mal ein richtiges Sahneteil dabei. Ich mag die Bezeichnung Vintage übrigens nicht: Sie steht für mich für völlig überteuerte Altkleider.

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