Netflix‘ „Kitz“ zeigt Pickel und entscheidet sich für Realness! Warum wir mehr solcher Serien brauchen

Schon klar, bei einer neuen Serie als erstes über Äußerlichkeiten zu sprechen, anstatt sich dem Plot oder schauspielerischen Können der Darsteller:innen zu widmen, mag dem ein oder anderen vielleicht falsch vorkommen, doch der neue Netflix-Hit „Kitz“ verdient in diesem Punkt nun mal wirklich ein Extra-Sternchen. Denn was die Macher dort gemacht haben (oder wohl eher nicht gemacht haben), ist man von kaum einer anderen Young-Adult-Serie gewohnt. „Kitz“ verzichtet nämlich tatsächlich – und ganz bewusst – auf Photoshop oder jede andere Art der Filter-Retusche. Jep, man mag es kaum glauben, aber hier werden Pickel einfach gezeigt. Weil warum auch nicht? Sie sind das Normalste auf der Welt. Und sicher jede:r von uns musste schon mal – mehr oder weniger stark betroffen – mit den lästigen Biestern kämpfen. Oder muss es noch immer. Ob nun in Teenie-Zeiten, durch Hormonumstellungen (Pille-Absetzen etc.) Stress-bedingt… whatever. Hautunreinheiten haben immer auch ihre Ursache. Niemand sucht sich schließlich selbst aus, mit Pickelchen im Gesicht durch die Weltgeschichte zu laufen. Klar, keine:r will die Dinger am Körper oder auf der Nase haben, und es wäre schön, wenn wir alle mit glatter, makelloser Babyhaut unterwegs wären, aber das ist nun mal nicht die Realität.

Sondern mehr Schein als Sein – das zeigt auch „Kitz“. In der deutschen Netflix-Produktion, die uns mit nach Kitzbühel – den Nobel-Urlaubsort der Schönen und Reichen nimmt (mehr zum Plot gleich noch) – hat die Hauptfigur Lisi (Sofie Eifertinger) Akne. Und die ist sichtbar. In jeder Szene. Und ganz ehrlich? Als ich mir gestern Abend die ersten Folgen der Serie auf Netflix angeschaut habe, war diese Akne, die deutlich unter dem Make-up zu erkennen ist, das Einzige, was mich in den ersten Minuten beschäftigt hat. Und das finde ich einfach nur krass. Und falsch und traurig zugleich. Denn diese Reaktion zeigt doch, dass wir solche einfach nur total realistischen Bilder heutzutage immer noch SO selten zu Gesicht bekommen, dass es uns sofort als – ich nenne es mal – komisch auffällt, wenn in Shows eben mal nicht zu Photoshop gegriffen wird. Und sind wir ehrlich: Im „Normalfall“ bekommen Schauspieler:innen in den meisten Shows dank Computernachbearbeitung ein schönes glattes Finish verpasst. Man nehme nur mal Teenie-Serien à la „Pretty Little Liars“ oder „Riverdale“. Da sehen die „Schüler:innen“ aus, als wären sie alle dem Modekatalog entsprungen. Und selbst wenn da jemand heult, sitzt noch das Make-up. Doch wie gesagt: Dieses Bild der young Adults entspricht einfach nicht der Realität. Denn die jungen Menschen, die da zu Hause vorm Laptop sitzen, sehen eben nicht immer so perfekt aus. Und ja, haben vielleicht auch mal Pickel im Gesicht. Und das ist okay so. Dass sich viele dank all dieser Hochglanz-Serien aber eben nicht okay mit sich fühlen, ist ein Riesenproblem.

„Kitz“ zeigt Pickel – und kann dafür nur gefeiert werden!

Dasselbe Phänomen kennen wir ja von Instagram, wo es mittlerweile gefühlt mehr Filter als Hashtags gibt. Bloß alle vermeintlichen „Makel“ wegzaubern, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Dabei sehen wir diese Makel ja nur als solche an, weil es uns über Jahre hinweg von der Gesellschaft so eingetrichtert wurde. Und man nie irgendwo unretuschierte Aufnahmen mit verpickelten Menschen gefunden hätte. Versteht mich nicht falsch, ich will jetzt hier auch keine Hassrede über Filter lostreten. Ich habe nichts dagegen, wenn man mal einen verwendet (mach ich selbst), weil man sich gerade furchtbar unwohl in der eigenen Haut fühlt oder ’nen schlechten Tag hat, aber ich bin verdammt froh, dass es mittlerweile Bewegungen wie #skinpositivity gibt, die für mehr Realness im Netz sorgen. Das tut der Seele gut. Und ist so verdammt wichtig. Das haben auch die Showrunner von „Kitz“ erkannt, die sich durch das Nicht-Retuschieren auch ganz gezielt gegen diese toxischen, unrealistischen Schönheitsideale positioniert haben. „Wir wollten die Geschichte von Lisi und ihrer Welt so authentisch wie möglich erzählen und sie nicht künstlich in eine Version ihrer selbst verwandeln, die so nicht existiert“, so Produzent Vitus Reinbold im Interview mit Netflix. Headwriter Nikolaus Schulz-Dornburg ergänzt: „Lisi sollte weder ein perfektes Image noch Äußeres haben, sie sollte natürlich wirken. Für einen spannenden Kontrast zu den beiden modelnden Influencerinnen mit der perfekten Babyhaut.“

Okay, Natürlichkeit und Realness, um auch inhaltlich die Figur in der Geschichte zu unterstreichen. Nehme ich als Antwort so hin. Womit ich vielleicht mal kurz zur Story von „Kitz“ kommen sollte: Lisi lebt in Kitzbühel und hat vor einem Jahr ihren Bruder Joseph bei einem tragischen Autounfall verloren. Die Serie steigt damit ein, dass eine Münchener Clique aus reichen „Schnöseln“, die jedes Jahr im Winter zum Feiern in den Nobelskiort kommt, zurückkehrt, und Lisi step by step versucht, sich in ihre Welt reinzuzecken. Teil der Clique sind übrigens auch die besagten „modelnden Influencerinnen mit der perfekten Babyhaut“, Vanessa (Valerie Huber) und Pippa (Krista Tcherneva). Und dabei verfolgt Lisi einen Plan, der nicht nur die schöne reiche Welt zum Bröckeln bringt, sondern auch noch ganz andere Lawinen lostritt. Und ich will ja nicht zu viel spoilern an dieser Stelle (schaut euch den Trailer gleich einfach mal an), aber es wird natürlich ziemlich schnell klar, dass Lisis Taten etwas mit dem Tod ihres Bruders, der Vanessa offenbar besser kannte, als die es zugeben will, zu tun haben… Die Serie ist auf jeden Fall super spannend (ich schau heute Abend direkt weiter) und schneidet auch darüber hinaus nice, wichtige Themen an (queere Lovestory, Drogen, Cancel Culture, um nur ein paar Beispiele zu nennen).

Aber wie gesagt, am meisten feiere ich „Kitz“ gerade für seine Realness. Von der ich mir nur wünschen kann, dass sie in unserer (Medien-)Welt zur Gewohnheit wird. Damit man nicht vorm Fernseher oder Laptop hockt und kurz einmal verdutzt guckt, wenn da plötzlich echte Teenies mit Pickeln gezeigt werden. Nein, sowas wie „Kitz“ oder auch die schwedische Serie „Young Royals“, in der der junge Prinz eben auch ganz natürlich mit seiner Akne gezeigt wird (und nicht aussieht wie die Archie Andrews‘ dieser Welt), sollte zum Maßstab werden. Wir brauchen schließlich nicht noch mehr Serien, die wie unser Insta-Feed aussehen, oder? Ne. Ich bin für Echtheit. Und zwar so oft es geht! ❤️

Hier kommt der Trailer zu „Kitz“:

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