Spenden statt vernichten: Diese Forderung könnte Kleiderspenden für Unternehmen attraktiver machen

Was passiert eigentlich mit Kleidung, die zum Ladenhüter wird? Diese Frage sollten wir uns nicht nur in der aktuellen Situation stellen. Und doch ist sie ein guter Anlass, um einmal etwas tiefer in die Thematik einzusteigen…

Denn Fakt ist: All die unverkauften Kleidungsstücke fallen der profitorientierten Wegwerfgesellschaft zum Opfer. Für Einzelhändler*innen und große Mode-Ketten ist es schlichtweg am günstigsten, die Massen an Überproduktion einfach vernichten zu lassen. Jedes neue, tragbare, aber verschmähte Teil landet demnach sehr wahrscheinlich auf dem Müll. Wird verbrannt, geschreddert, abgeschrieben.

Ein unvorstellbarer Gedanke, der einmal mehr beweist, wie wenig nachhaltig die (Fast) Fashion Branche in vielen Bereichen doch ist. Arbeiter*innen werden in der Produktion ausgebeutet, Rohstoffe werden in Massen verbraucht, Regenwälder müssen Baumwoll-Plantagen weichen, Pestizide kommen zum Einsatz… nur damit alle paar Wochen eine neue Kollektion im Laden hängen kann – die nach weiteren Wochen des Sales in der Verbrennungsanlage landet.

Gerade in Zeiten des Lockdowns verschärft sich dieses Problem zunehmend: „Rund 500 Millionen Kleider und Schuhe liegen nach Schätzungen des Textilverbandes in den Lagern“, erklärt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Kathrin Göring-Eckardt gegenüber dem ZDF.

Wenn Vernichten die günstigste Möglichkeit ist…

Eine halbe Milliarde Kleidungsstücke, die bislang weder einem Kreislauf zugeführt werden, noch denjenigen zugute kommen, die sie dringend gebrauchen könnten. 

Doch genau das soll nun geändert werden – mithilfe der Initiative #SpendenStattVernichten. Gemeinsam mit dem Einzelhandel und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband fordern die Grünen die Bundesregierung dazu auf, die Umsatzsteuer auf Sachspenden abzuschaffen. Genau dieser Betrag macht die Weitergabe der unverkauften Kleidung nämlich so viel teurer als ihre Vernichtung – und damit natürlich unattraktiver für Unternehmen.

Bislang gilt der Entwurf, als direkte Reaktion auf die überschüssige Ware seit Beginn des Lockdowns, nur für den Zeitraum bis zum 31. Dezember 2021. Doch wenn es nach den Grünen geht, soll diese Änderung dauerhaft gesetzlich verankert werden. Im Gegensatz zu Textilspenden fällt bei Lebensmittelspenden beispielsweise schon längst keine Umsatzsteuer mehr an.

Durchaus also ein erster wichtiger Schritt. Keiner, der das Problem bei der Wurzel packt. Aber einer, der die Auswirkungen und Konsequenzen zu bessern versucht. Schließlich sollte kein Mensch auf der Welt ohne saubere, wärmende, passende Kleidung leben müssen, wenn doch so vieles an Überschuss bereits produziert vorhanden ist.

Langfristig darf es aber natürlich nicht dabei bleiben, Sachspenden für die Branche attraktiver zu machen. Wir müssen daran arbeiten, die komplette Lieferkette mit Wertschätzung und Bewusstsein zu versehen. Und wir müssen einen Kreislauf entstehen lassen, der die Produktion neuer Kleidungsstücke im besten Fall irgendwann überflüssig werden lässt.

Dafür braucht es verstärkt Kontrollen und Reglementierungen durch die Regierungen. Es braucht aber auch uns Konsumtent*innen – ganz bewusst und im Kleinen.

Die Forderung ist nur ein Schritt von vielen

Unser Verständnis von ‚Trend‘ muss sich verschieben. Weg von sechs neuen Teilen im Monat, hin zu Wiederverwertung und bewussten Kaufentscheidungen. Damit auch die großen Fashion-Player umdenken und in nachhaltige Mode investieren, weit über ein grün angestrichenes Marketing hinaus. Damit nie wieder 500 Millionen Kleidungsstücke kurz vor der Vernichtung stehen müssen. Und damit Slow Fashion langsam aber stetig zur Norm wird – und nicht die stolz zur Schau gestellte Ausnahme bleibt.

Starten können wir damit auch bei uns selbst. Denn während wir beim #SpendenStattVernichten auf die Entscheidung der Regierenden hoffen (und warten) müssen, sind es diese sieben Tipps, die sich ganz schnell und einfach in den eigenen Alltag und Kleiderschrank integrieren lassen. Und zwar von der ersten Sekunde an. 🤗

So naheliegend kann Slow Fashion sein

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