Diese Lehrerin trägt ein und dasselbe Kleid 100 Tage lang – und das ist der Grund

„Keine Sorge, das Kleid wird trotzdem gewaschen“. Diese Randinformation teilt Julia Mooney ihren Followern augenzwinkernd direkt zu Beginn der Challenge im September 2018 mit. Auf ihrem Instagram-Account „OneOutfit100Days“ berichtet die Kunstlehrerin aus New Jersey davon, dass sie für die nächsten 100 Tage wochentags nur noch ein einziges Kleid tragen wird. Im Herbst und Winter. Bei Kälte, Schnee und Sonnenschein.

100 Tage lang. Das sind mehr als drei Monate am Stück. Und das in einer Gesellschaft und zu einer Zeit, in der es sich schon „falsch“ anfühlt, auch nur zwei Tage hintereinander dasselbe Kleidungsstück zu tragen. Auch Julia Mooney nimmt sich da nicht heraus. Und trotzdem stellt sie sich bewusst dieser Herausforderung. Für sich, ihre drei Kinder, ihre Schüler – und letztendlich auch für uns.

Denn was mit diesem Selbstversuch deutlich werden soll, wird schnell klar: Ja, es ist möglich, sich mit wenigen Kleidungsstücken wohlzufühlen und durch die Tage zu kommen. Die viel wichtigere Lektion ist aber eine andere. Julia will uns alle dazu inspirieren, uns wieder mehr mit unseren eigenen Kleidungsstücken auseinanderzusetzen, bevor wir blind etwas Neues konsumieren. In den 100 Tagen repariert sie, anstatt auszusortieren. Sie verschönert, wenn es ihr zu eintönig wird. Sie kombiniert fair produzierte Mode dazu. Und das alles mit einer wichtigen Botschaft im Hinterkopf, die sie auf Instagram deutlich macht:

„Ich werde dieses Kleid 100 Tage lang tragen. Ist das langweilig? Ganz bestimmt. Denn auch ich liebe es, mich durch das auszudrücken, was ich trage – genau wie jeder andere auch. Es wird also eine Herausforderung. Aber wie schwer wird es wirklich? […] Und wofür mache ich das eigentlich? … Als ich meiner kleinen Tochter dieses Projekt erklärte, bat ich sie, sich den Aufnäher ihres Oberteils anzusehen. „Made in Indonesia“. Wir verlangen billige Kleidung, daher muss der Einzelhandel in ausländischen Fabriken produzieren, in denen unsere Gesetze zum Schutz der Arbeiter nicht greifen. […] Ich erzählte meiner Tochter auch von den Umweltauswirkungen, die der übermäßige Konsum zur Folge hat. Die Herstellung und Entsorgung all des Materials verbraucht so viel Wasser und verschmutzt die Umwelt. Und wofür das alles? Um cool auszusehen?“ 

100 Tage lang im selben Kleid – das geht, beweist Julia Mooney

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For at least 100 days I'll be wearing this dress, through ceramics projects, blizzards, whatever. Disgusting? Well, it gets washed! Boring? Sure. I love to express myself through what I wear as much as the next American. This is a challenge. And yet, how hard is it really? Agonizing over "what to wear" in the morning will be a thing of the past (helpful when also getting 2 toddlers out the door by 6:30am). Not long ago Americans had only a few clothing sets. My house, built in the 30's, doesn't have any closets besides the one we added ourselves. What if I get a rip? I'll sew a patch with my sewing machine, an item that used to be as common a household item as the TV is today. How will I avoid the stains that come with being an art teacher? How did people once avoid the stains of housework? An apron. Why do this at all!? Well, I'm not the first. Matilda Khal wore the same outfit for three years to simplify her life. @bethanywinz did it too and wrote "1 Year 1 Dress". Steve Jobs, @barackobama , the list goes on. When explaining this project to my middle school daughter I asked her to look at her shirt tag. "Made in Indonesia." We demand lots of clothes cheap, so retailers have to produce in foreign factories where US labor laws don't protect workers. Thankfully, there are some fair trade companies that sell items (like this dress from @thoughtclothing) from factories that treat their employees well. I also told my daughter about the environmental impacts of excessive buying.Making and discarding this "stuff" uses water and pollutes. And for what? So we can look cool?! The challenge I'm presenting is this: Let's think before we buy, wear, discard, and buy again. Can we buy clothes used? Buy responsibly? Buy LESS? Learn to sew a few things? (Stop shaking your head. Everyone's great grandmother used to, so you can too. Boys too.) Do we really need so many new outfits? Are we just perpetuating a culture that defines us based on what we're wearing rather than what we're doing? What if we spent our energy trying to BE good, interesting humans instead of trying to LOOK good and interesting? #Oneoutfitchallenge

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Die 34-Jährige will mit mit ihrer minimalistischen Outfit-Wahl Aufmerksamkeit erregen… verlangt aber keinesfalls den selben Schritt von anderen. Schließlich freut auch sie sich darauf, nach dem Projekt wieder kreativer werden zu können. Stattdessen geht es ihr vor allem darum, aufzuzeigen, wie wichtig ein liebevoller Umgang mit unserer Kleidung ist und dass der Wert jedes einzelnen Stücks in unseren Köpfen wieder präsenter werden muss. Gerade als Mutter und Lehrerin will sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit gutem Beispiel vorangehen:

„Die Herausforderung besteht nicht darin, für immer nur noch ein Kleid zu tragen. Es geht um Folgendes: Lasst uns alle ein wenig mehr überlegen, bevor wir etwas kaufen, wegwerfen oder ersetzen. Können wir das Teil stattdessen gebraucht bekommen? Können wir verantwortungsbewusst und nachhaltig shoppen? Oder einfach WENIGER? Können wir erlernen, einige Sachen selbst zu nähen? (Hör auf den Kopf zu schütteln. Jede Urgroßmutter konnte es, als kannst du es auch. Ja, auch die Jungs.) Brauchen wir wirklich so viele neue Outfits? Halten wir damit nicht einfach nur eine Kultur aufrecht, die uns basierend auf dem definiert, was wir tragen und nicht darauf, was wir tun? Wie wäre es, wenn wir unsere Energie darauf verwenden würden, gute und interessante Menschen zu SEIN, anstatt gut und interessant AUSZUSEHEN?“ 

Die Lehrerin trägt ihr Kleid unterschiedlich gestylt:

Ein kleiner Schritt, ein wenig mehr Bedacht, die nötige Portion Wertschätzung – damit ist schon so viel getan. Julia Mooney scheint mit ihrem „OneOutfit100Days“-Projekt jedenfalls viele Menschen inspirieren zu können. Follower erzählen davon, weniger einkaufen zu gehen und Klamotten stattdessen lieber unter Freunden zu tauschen. Andere tun es ihr sogar gleich und legen sich eine „Uniform“ zu, auf deren Grundlage alle Looks basieren.

Was sie sich vorgenommen hat, hat sie also geschafft. Es findet bei vielen ein Umdenken statt. Ganz ohne Druck, dafür aber mit umso mehr Inspiration. Denn die Lehrerin zeigt, dass mehr Klamotten nicht glücklicher oder wertvoller oder angesehener machen. Und wir andersherum mit weniger „coolen“ Looks nicht automatisch schlecht gekleidet sind. Und das ist es vielleicht, was wir immer mal wieder zu hören bekommen müssen. Um mit der Veränderung bei uns selbst weiterzumachen.

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