Miriam Schell
23.01.2019 / Update: 04.02.2019 von Miriam Schell

Dieser Kerl tätowiert, was ER will – und seine Kunden vertrauen ihm blind

Dass ich mal das Gefühl haben würde, zu einer „Minderheit“ in der Bevölkerung zu gehören, hätte ich nun wirklich nicht gedacht. Aber sind wir doch mal ehrlich, gefühlt JEDER trägt mittlerweile ein Tattoo. Ob irgendwo klein versteckt oder auch als Riesenkunstwerk über den ganzen Körper verteilt – sie sind überall. Ja, da kann man sich als Tattoo-lose Leinwand fast schon wie ein kleiner Langweiler vorkommen. 😅 Vor allem, wenn man darüber nachdenkt, wo (und vor allem auch was) sich einige Leute mittlerweile schon unter die Haut stechen lassen.

Doch egal, wie skurril die Motive oftmals auch sein mögen, eins haben sie eigentlich alle gemeinsam: Sie wurden selbst ausgesucht. Denn wer lässt sich bitte auch schon Bilder oder gar Sprüche tätowieren, die man vorher noch nie gesehen hat und mit denen man dann sein Leben lang rumlaufen muss?

Tja, sollen wir euch was sagen? Es gibt solche Menschen tatsächlich. Menschen, die sich blindlings Schriftzüge verpassen lassen, ohne vorher zu wissen, welche Message sie schon bald bis ans Ende ihrer Tage auf der Haut tragen werden. 😳 Das Einzige, das sie selbst bestimmen dürfen, ist die Stelle am Körper. Und was hier so skurril klingt und Tattoo-Jungfrauen wie mir wahrscheinlich schon beim bloßen Gedanken daran ein energisches Kopfschütteln entlocken wird, ist tatsächlich die Mission von Performance-Künstler Monty Richthofen, besser bekannt als Maison Hefner.

Denn dieser Mann bereist tatsächlich seit Anfang 2017 die Welt, um die unterschiedlichsten Menschen für seine Performance „My Words Your Body“ zu tätowieren. Und diesen Titel könnt ihr an dieser Stelle mal ganz wortwörtlich nehmen. Denn die Beteiligten wissen eben nicht, mit welchem Schriftzug sie am Ende nach Hause spazieren.

Vier Fragen, blindes Vertrauen und ein Tattoo fürs Leben

Die einzige Voraussetzung für dieses außergewöhnliche Projekt: Vertrauen und ein Vorab-Gespräch unter vier Augen, bei dem Maison seinen mutigen Freiwilligen vier Fragen stellt („Warum möchtest du an dem Projekt teilnehmen? Was bedeutet Vertrauen für dich? Wieso vertraust du mir? Was tust du, wenn dir das Tattoo nicht gefällt?“).

„Durch die Antworten entwickelt sich das Gespräch meistens ziemlich schnell in eine bestimmte Richtung. Manche Menschen gehen dann auf ihr Liebesleben ein, manche auf ihre Karriere, manche auf den Tod. Das bestimmen die Leute selbst. Über meine eigenen Erfahrungen mit den Themen bekomme ich eine Idee davon, was die Leute gerade brauchen und wie sie ticken.“, erklärte der Künstler vor Kurzem in einem Interview mit Vice zu seinem Vorgehen.

Und sobald er davon eine Ahnung hat, geht es auch schon an die Wahl des richtigen Spruchs. Schon hier ploppt dann die nächste Frage auf: Denn auch wenn man die jeweilige Person vor sich vielleicht ansatzweise greifen kann, müssen ja trotzdem immer noch die passende Worte her. Worte, die dieser Mensch dann für immer auf seiner Haut tragen wird. (Just saying! 😅) Doch genau dafür hat Maison „fünf Notizbücher mit etwa 5.000 Sprüchen“, in denen irgendwo genau der Richtige wartet. Und jaaa, der schlägt entweder sekundenartig ein wie ein Blitz – oder benötigt ein wenig mehr Gedankenarbeit:

„Es kommt darauf an, wie viel mir die Leute erzählen. […] Manchmal muss ich aber nicht mal in meine Notizbücher schauen, sondern habe direkt Worte im Kopf, die für die Person relevant sein könnten. Die Leute bestimmen die Stelle am Körper, aber während des eigentlichen Tätowierens können sie nicht sehen, was ich ihnen steche.“

Mit Mut hat dieser Prozess für ihn trotzdem nichts zu tun. Auch nicht mit irgendeinem Hype. Jedenfalls sind das nicht die Gründe dafür, weshalb er diese Art von Tattoos sticht. Vielmehr geht es für ihn darum, dass sein Gegenüber sich fallen lassen kann, die Komfortzone verlässt… und, dank der neuen Perspektive, im besten Fall etwas über sich selbst lernt… „Die Gespräche und das Tätowieren haben für manche etwas Therapeutisches“, erklärt Monty Richthofen.

„Ich habe eine dreistellige Zahl von Anfragen in meiner Inbox“

Doch nicht immer endet ein Gespräch zwangsläufig mit einem Spruch auf der Haut. Ist ihm jemand unsympathisch oder wirkt zu unsicher, bricht der Tätowierer ab. Immerhin kommt mit der Freiheit, zu stechen, was er will, auch viel Verantwortung auf ihn zu: „In unserer Gesellschaft nutzen die Leute ihre Macht leider zu oft zu ihrem eigenen Vorteil. Mir bringt es dagegen viel mehr, wenn es mir gelingt, etwas Positives zum Leben der Person beizutragen.“

Ein Satz, der in vielen vermutlich genau das Vertrauen hervorruft, das es für diese Art von Körperkunst definitiv auch braucht. Blindes Vertrauen. Und das scheinen immer mehr Menschen auch wirklich zu haben. Immerhin gibt es hunderte, die sich liebend gerne ein Tattoo von Monty Richthofen stechen lassen würden. Wer sich die emotionalen Ergebnisse des Künstlers anschaut, versteht dann aber vielleicht tatsächlich auch ein bisschen, warum…

„My Words Your Body“ trifft den Zeitgeist – und Emotionen:

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