Marilyn Manson: „Ich bin ziemlich verlässlich in meiner Abgef*cktheit“

Die tausend Gesichter des Marilyn Manson: Kürzlich stand der US-Skandalrocker noch für Terry Richardson oder Ellen von Unwerth vor der Kamera, war auf besonderen Wunsch von Hedi Slimane als Gesicht der Werbekampagne für Saint Laurent zu sehen und flimmerte in TV-Serien wie „Californication“ oder „Sons Of Anarchy“ über die Bildschirme. Auf seinem brandneuen Album „The Pale Emperor“ präsentiert sich das 46-jährige Enfant terrible der Popkultur nun wieder gewohnt kontrovers und angriffslustig.

Interview: Thomas Clausen

 

Der Albumtitel „The Pale Emperor“ lehnt sich an den römischen Kaiser Heliogabal alias Elagabal (204-222 n. Chr.) an, der für seine Dekadenz und seine barbarische Ader berüchtigt war…

Marilyn Manson: 1999 schenkte mir mein guter Freund Johnny Depp Antonin Artauds Biographie „Heliogabalus Or The Crowned Anarchist“, in der er als der „bleiche Kaiser“ beschrieben wird. Er war der erste Kaiser, der die Existenz Gottes bestritt. Eine Sache, die einem mit dem heutigen Wissen um den Vatikan sehr ironisch vorkommen muss. Außerdem war er extrem grausam zu seinen Untergebenen. Er hat Männer kastrieren lassen, damit sie besser tanzen konnten. Ein echter Hardcore-Cockblock.

» Irgendwann klopfte der Teufel an meine Tür und bot mir an, mich reich und berühmt zu machen. «
Marilyn Manson

Inhaltlich liefern Sie auf der Platte jedoch Ihre ganz eigene Interpretation von Goethes „Faust“ ab.

Marilyn Manson: Irgendwann klopfte der Teufel an meine Tür und bot mir an, mich reich und berühmt zu machen. Mit diesem Album zahle ich nun meine Schulden zurück. Ein anderer Einfluss war Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“. Ein verwirrter Typ baut Kreuze für die Römer, an denen sie Juden aufhängen. Natürlich wird er dafür von seinem Volk gehasst. Johannes der Täufer nimmt sich ihm an, so wie es ein heutiger Musikmanager tun würde. Und dann gibt’s da noch Harvey Keitel als Judas, der ihn dem Kaiser ausliefert und dafür sorgt, dass er schließlich an eines der gottverdammten Kreuze genagelt wird, die er selbst gefertigt hat. Was für eine Ironie…

Als bibeltreuer Christ waren Sie ja noch nie bekannt…

Marilyn Manson: Ich bin weder Anhänger einer bestimmten Weltanschauung, einer politischen Richtung oder einer Religion. Aber ich bin sehr open-minded, lerne gerne dazu und bilde mich. Ich denke, der Glaube an sich selbst und an seine eigene Kunst ist die einzige Religion, der man folgen sollte. Gibt es einen Gott? Hätte ich eine Antwort auf diese Frage, würde ich mir meine Interviews teuer bezahlen lassen (lacht). Man darf sich nicht selbst in die Tasche lügen und sich irgendwelche Wege zur Glückseligkeit herbei reden. Man muss einen Weg wählen, an dessen Ende man als Sieger hervorgeht. Nicht unbedingt als Held, sondern eher als kleiner Gangster. Ein Gangster stellt immer eine Art Bruch in sich dar. Ich bin der, der in jedem Buch und in jedem Film im letzten Kapitel auftaucht. Ich bin der, der es regnen lässt.

Das Album wurde aufgenommen, während Sie zeitgleich für „Sons Of Anarchy“ vor der Kamera standen.

Marilyn Manson: Wir haben diesmal ausschließlich während des Tages aufgenommen; was sehr seltsam für mich ist, weil ich eigentlich ein Nachtmensch bin. Statt um 7 Uhr abends habe ich diesmal um 7 Uhr morgens mit der Arbeit angefangen. Also musste ich schon morgens – oder jedenfalls solange es draußen hell war – das Haus verlassen. Eine ganz neue Erfahrung.

» Ich hatte nie Geschwister oder nennenswerte beste Freunde, die mir früher den Arsch hätten retten können. «
Marilyn Manson

Hatte Ihre Rolle in „Sons Of Anarchy“ irgendeinen Einfluss auf „The Pale Emperor“?

Marilyn Manson: Auf die Weise, wie wir aufgenommen haben. Wenn man beim Film eine Szene verkackt, muss man von vorne anfangen. Genauso mit der Aquarell-Malerei: Wenn man dort einen Fehler macht, kann man das ganze Bild wegwerfen. So habe ich es auch mit den einzelnen Stücken gehalten. Wenn mir etwas nicht gefallen hat, haben wir den ganzen Song einfach noch mal aufgenommen. Früher habe ich versucht, alle meine verschiedenen Kunstformen voneinander zu trennen. Heute verbinde ich alles.

In „Sons Of Anarchy“ verkörpern Sie einen inhaftierten Ultra-Rassisten – hätten Sie nicht viel lieber einen Motorradrocker gespielt?

Marilyn Manson: Vielleicht. Ich hatte nie Geschwister oder nennenswerte beste Freunde, die mir früher den Arsch hätten retten können. Wenn ich damals Ärger hatte, dann ging das sehr oft sehr unschön aus. Ich mag den Zusammenhalt, der innerhalb dieses Rockerclubs herrscht. Tommy Flanagan, Charlie Hunnam oder Mark Boone Junior sind mittlerweile im richtigen Leben zu echten Freunden geworden. Diese Typen spielen ihre Rollen nicht nur, sie leben sie. Es fühlt sich sehr gut an, jemanden hinter einem zu wissen. Ich habe in meinem Leben schon viele Todesdrohungen erhalten und hatte natürlich immer bezahlte Bodyguards, die mich geschützt haben. Heute kann ich mich außerdem auch auf meine Freunde verlassen.

Welche Eigenschaftsbeschreibungen treffen auf Sie zu?

Marilyn Manson: Ich bin ziemlich verlässlich in meiner Abgefucktheit. Und ich kann sehr penibel sein. Eine Eigenschaft, die ich von meinem Vater war, der in Vietnam als Scharfschütze gedient hat. Von ihm habe ich meine erste Waffe bekommen. Und ich habe einen starken Willen. Seit ich keinen Absinth mehr trinke, habe ich sehr viel über mich selbst gelernt. Mir ist klar geworden, dass meine Wahrnehmung zeitweise ziemlich wirr war.

Muss man sich Sorgen machen? Sie haben als berüchtigter Verfechter des Sex & Drugs & Rock `N Roll-Lifestyles aufgehört zu trinken?

Marilyn Manson: Nein! Ich trinke nur keinen Absinth mehr, sondern Bloody Mary. Beziehungsweise Wodka. Wodka unblutig, sozusagen. Kein Grund zur Sorge.

Das Marilyn Manson-Album „The Pale Emperor“ erscheint am 16.01.2015 bei Universal Music.

 

Credit: Agata Alexander

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