Wie Meditation mein Leben verändert hat – und warum auch du es unbedingt ausprobieren solltest

„Ich bin so gestresst“, „Ich komme nachts kaum zum Schlafen“, „Mein Kopf ist ein einziger Haufen Matsche“, „Ich weiß nicht mehr weiter“ – Wenn ich diesen Satz von jemandem höre, bekommt er seit einiger Zeit mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit folgende Gegenfrage: „Meditierst du?“ 
Daraufhin erfahre ich wiederum von meinem Gegenüber entweder ein leicht höhnisches Lachen verbunden mit Kopfschütteln, oder die Aussage, dass er doch für sowas in all seinem Stress erst recht keine Zeit habe.

Auch ich glaubte vor einiger Zeit genau dies: Dass Meditation was für Mönche sei, ein fernes, spirituelles Konzept, mit dem ich nichts am Hut haben wolle und das mein Leben sicherlich in keiner Weise bereichern könne. Wenn ich an einen Meditierenden dachte, kam mir das Bild eines Ökofuzzis in den Kopf, der auf irgendeinem bunten Kissen aus schrecklichem Stoff in einem von Räucherstäbchen benebelten Raum sitzt und sich einbildet, er würde gerade die Erleuchtung des Jahrhunderts erleben, nur weil er die Augen zu hat.

Well, guess what. Mittlerweile kann ich sagen: Er hat sie vermutlich wirklich, diese Erleuchtung.

Aus einem Gefühl von Rast- und Ruhelosigkeit heraus, beschloss ich vor einigen Wochen also, diese „Meditation“, von der so viele ja seit Urzeiten schwärmen, endlich mal anzugehen und 30 Tage lang, jeden Tag mindestens einmal zu meditieren.

Ich hatte keine Ahnung, wie das funktioniert, was genau sich dadurch verändern soll und wie man diese buddhistische Technik als Laie richtig anwendet. Alles, was ich hatte, war die Sehnsucht nach positiver Veränderung. Der Wunsch danach, dass es irgendetwas mit mir machen würde, das mich näher zu mir selbst führt. Die Hoffnung, dass mein Kopf weniger laut wird und ich Stille besser zulassen kann.

Genau das ist passiert. Ich meditiere mittlerweile regelmäßig. Am Morgen, am Abend, im Flugzeug, manchmal sogar auf der Rückbank eines Taxis auf dem Weg zu einem Termin. Ich bin überzeugt, dass es funktioniert, und ich möchte auch dich überzeugen.

Deshalb erzähle ich dir hier alles, was du als absoluter Anfänger zur Meditation wissen solltest – und wie du dich selbst auch mit ihr anfreunden kannst (und wirst).

 

Meditation – Wo kommt sie her?

Ganz genau zurückdatieren kann man die Ursprünge der Meditation nicht, jedoch lässt sich sagen, dass ähnliche Praktiken von Urvölkern schon seit mehreren Tausend Jahren durchgeführt werden. Hierbei sollte von Schamanen (ein Spiritueller, der die Wirklichkeit so sieht, wie sie ist, anstatt sie verändern zu wollen) eine Art „Trance“ hervorgerufen werden. In Indien leiteten Priester einige Jahrtausende vor Christus sogenannte Gebetsmeditationen, die eine Mischung aus achtsamem Atmen und das Anbeten von Gottheiten waren. Das Wissen, das man daraus zog, ist heute noch immer die Grundlage fernöstlicher Religionen wie z.B. des Buddhismus oder des Hinduismus. Im Buddhismus speziell gilt es, durch Achtsamkeit schließlich die vollständige Erleuchtung und die Loslösung seines „Egos“ zu erlangen.
In unserer westlichen Welt erkannte man erst recht spät, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dass Meditation nicht nur irgendein esoterisches Konzept ist, sondern eine bewiesene Maßnahme zur Stressbewältigung und Steigerung der Konzentration. Seit dem 20. Jahrhundert wird das Meditieren also immer „moderner“ und für jedermann zugänglicher.

Was hast du davon?

Tim Ferris, Bestseller Auto von „Tools der Titanen“ und „Die 4-Stunden-Woche“ (übrigens beides Bücher, die ich jedem ans Herz lege), sagt, dass 80% der 200 Menschen, die geschäftlich zur absoluten Spitze gehören, meditieren. Friedrich Nietzsche erkannte einst: „Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille.“ Von Johann Wolfgang von Goethe stammt das Zitat „Meditation bringt uns in Berührung mit dem, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Aber was genau passiert denn jetzt so Wundersames bei dieser Übung? Mittlerweile gibt es dazu etliche Studien, die allesamt zu dem Ergebnis kommen, dass das Praktizieren von Achtsamkeit weitaus mehr als nur einen großen Benefit hat. Dazu gehören zum Beispiel:

– ein größeres Harmonie-Empfinden in deinem Alltag
– besseres Verarbeiten von unglücklichen Situationen
– besserer Schlaf und damit mehr Energie
– gesteigerte Kreativität und Konzentration
– die Verbesserung deines Gedächtnisses
– eine erhöhte Produktivität und besseres Zeit-Management
– die verminderte Anfälligkeit für Krankheiten
– ein erhöhter Stoffwechsel

Eine wunderbare Zusammenfassung und wissenschaftliche Darlegung von „Achtsamkeit“ findest du übrigens auch in der neuen Netflix Miniserie „Explained: unser Kopf“, sehr sehenswert!

Klingt das für dich gerade viel zu gut, um wahr zu sein? Nun ja, Fakt ist, all das ist möglich – und auch du kannst es zu deiner Wahrheit machen. Alles was du tun musst: Befreie dich von den Vorurteilen und Klischees, die du bisher gegenüber der Meditation hattest und verstehe, dass diese Technik wirklich jeden und jede bereichern kann.

„Und was genau macht man jetzt beim Meditieren?!“

Die wohl am häufigsten gestellte Frage. Die meisten Leute, mit denen ich darüber reden, denken, man müsse sich dazu zwingen, an nichts zu denken. Die schlechte Nachricht: Das ist unmöglich. Die gute Nachricht: Du musst gar nichts. Im Gegenteil – in der Meditation bzw. beim Üben von Achtsamkeit geht es darum, seine Sinne im Hier und Jetzt zu schärfen. (An dieser Stelle möchte ich auch unbedingt ein weiteres Buch empfehlen – „The Power of Now“ von Eckart Tolle) Es geht darum, die Gedanken, die einem in dem Moment durch den Kopf gehen, zu erkennen, zu akzeptieren, und dann loszulassen.

Man kann das vergleichen mit dem Bild eines wolkigen Himmels. Stell dir vor, der klare Himmel steht sinnbildlich für deinen Geist. Und die Wolken, die an diesem Himmel vorüberziehen, sind deine Gedanken, die diesen teilweise verschleiern. Du kannst die Wolken nicht steuern und schon gar nicht auflösen, stattdessen betrachtet dein bewusstes Ich einfach den Himmel und nimmt diese kurz zur Kenntnis, bevor es sie einfach weiterziehen lässt. Ohne jegliche Anstrengung.

Wahrnehmen, loslassen.

Eine kleine Anleitung für deine erste Übung

Du setzt dich also am besten in den Schneidersitz, wobei dein Gesäß zur Entlastung des Rückens leicht erhöht sein sollte (z.B. durch ein Kissen). Deine Hände legst du entspannt auf den Knien ab, die Wirbelsäule ist aufrecht aber flexibel (wie eine Seepflanze, die im Erdboden zwar verankert ist, nach obenhin aber immer noch mit dem Wasser mittreiben kann), der Kopf ist die Verlängerung des Rückens – also ganz minimal nach unten geneigt. Dann atmest du mit geöffneten Augen ein paar mal tief ein, durch die Nase ein und den Mund aus, bevor du schließlich die Augen schließt und dich in Stille hüllst.

Es gibt natürlich nicht die ultimative Anleitung zur perfekten Meditation, aber ab dann gibt es bestimmte „Dinge“, die du tun kannst (wobei „tun“ ja das falsche Wort ist, da es um Nichtstun geht, aber you get me), um dir die Anfänge leichter zu machen: Du kannst dich zunächst auf deine Atmung konzentrieren. Spürst du sie eher im Bauch oder im Brustkorb? Stell dir vor, du atmest Energie ein und lässt mit jeder Ausatmung deinen Stress und deine Ängste los. Wenn es hilft, kannst du die Atemzüge auch zählen – immer nur bis 10, dann startest du wieder bei 1. Wenn du gedanklich davon wanderst, fange einfach wieder von vorne an.
Dann kannst du einmal von Kopf bis Fuß durch deinen Körper „scannen“. Fange bei deinem Scheitel an und nimm diesen Teil deines Körpers ganz bewusst wahr. Dann wandere weiter nach unten über die Stirn, die Augenpartie, den Mund, den Hals, den Nacken usw. Welche Gefühle nimmst du wahr? Fühlen sich bestimmte Körperteile besonders gut oder schlecht an? Bist du vielleicht angespannt oder doch total relaxt? Fühlst du dich wohlig oder lauert irgendwo eine gewisse Beklemmung?
Auch hilfreich ist es, kleinere Geräusche, die um dich herum passieren – z.B. Wind, das Ticken einer Uhr o.ä.  – für einige Zeit bewusst wahrzunehmen, oder auch die Berührung deiner Körperteile mit dem Boden, auf dem du sitzt, deine Hände auf den Knien, das Gewicht deines Körpers, das dich nach unten drückt, etc.
Zwischendurch kannst du dir auch aktiv erlauben, deinen Geist davon wandern zu lassen und deinen Gedanken freien Lauf zu lassen, wo auch immer sie hin wollen.

Mach das entweder so lange, wie es sich fürs Erste für dich gut anfühlt oder stelle dir einen Timer. 3 Minuten reichen für den Anfang schon, dann kannst du dich langsam auf 5 oder 10 steigern. Öffne dann die Augen und komme wieder in deiner Umgebung an, verharre noch einen Moment in dieser Position und schon hast du deine Meditation gemeistert. 🙏🏼

Achtung: Stille kann anfangs ziemlich laut sein

Da unser Alltag sowohl privat, als auch beruflich, meistens diktiert wird von Hektik und Schnelllebigkeit, haben viele von uns verlernt, was es bedeutet, still zu sein. Genau das wirst du in den ersten Schritten des Meditierens vermutlich als die größte Hürde betrachten. Denn wer Stille nicht gewohnt ist, dem wird diese anfangs ziemlich laut vorkommen. Sobald es im Außen ruhig wird, kann das Innen anfangen, sich bemerkbar zu machen.

Möglicherweise empfindest du das zunächst als unangenehm, aber das ist völlig normal und gehört dazu. Lass es einfach zu, es wird sich mit der Zeit legen. Mehr sogar: Du wirst anfangen, dich in dieses Stillsein zu verlieben und es wird sich langsam aber sicher immer öfter in verschiedene Aspekte deines Alltags schleichen.

Was ich damit meine? Ich verrate es dir anhand meines eigenen Experiments, das ich zu Beginn erwähnt habe.

Was wurde aus meiner 30-Tages-Challenge? Mein Fazit…

Ich will nicht lügen. Die ersten zwei Wochen war es wirklich eine Herausforderung, am Ball zu bleiben. Wenn es noch keine Gewohnheit ist, fühlen sich Achtsamkeitsübungen anfangs eben auch nicht anders an als zum Sport gehen, das Geschirr abwaschen oder einkaufen gehen. Man fühlt sich gut, wenn es erledigt ist, hegt aber nicht unbedingt Vorfreude darauf. Als diese Hürde aber dann genommen war und sich langsam doch eine Regelmäßigkeit einschlich, fing ein ziemlich spannender Prozess in mir an. Nicht nur, dass ich mich dann zunehmend darauf freute, das nächste Mal zu meditieren, weil ich danach so schön „bei mir“ war, sondern auch, dass es mich emotional manchmal sehr mitriss. Manchmal spürte ich ein so starkes Gefühl von Dankbarkeit und ein so starkes Wohlgefühl, dass mir die Tränen kamen.

Meine Challenge ist jetzt schon einige Wochen her – und ich meditiere noch immer. Nicht mehr jeden Tag, aber regelmäßig, manchmal auch mehrmals täglich. Die allerschönste Veränderung, die ich in meinem Alltag feststellen kann, ist, dass ich jetzt in mir einen Ort der Ruhe gefunden habe, an den ich immer zurückkehren kann. Ganz egal, wie die Umstände und die äußeren Faktoren gerade sind. Ganz egal, was um mich herum passiert.

Kürzlich am Flughafen gab es eine Situation, bei der mir genau das wie Schuppen von den Augen fiel: 30 Minuten vor Boarding kam ich am Airport an und stellte fest, dass die Schlange beim Security-Check so unerwartet lang war, dass ich möglicherweise meinen Flug hätte verpassen können. Noch vor einiger Zeit hätte mich das innerlich so beunruhigt und panisch gemacht, dass ich in Schweiß ausgebrochen wäre und der Rest des Tages auf gut Deutsch für den Arsch gewesen wäre. Stattdessen schaute ich mir das Ganze an, atmete einmal tief durch, und tat einfach gar nichts. Ich blieb völlig ruhig, in dem Wissen, dass ich jetzt gerade eh nichts tun könnte. Meinen Flug habe ich übrigens bekommen.

Es mag banal klingen, aber die Fähigkeit, in sich ruhig zu bleiben, wenn im Außen das Chaos ausbricht, ist ein unheimlich starkes Gefühl. Deshalb los, gib dir einen Ruck. Setz dich hin, schließe die Augen, und sei einfach da. In ein paar Wochen wirst du so froh sein, dass du’s getan hast.

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