Très Click
20.11.2017 von Très Click

„Mein Freund hat mit mir Schluss gemacht… wegen meines TV- Geschmacks“

Text von Nina Ponath

Feierabend, ab auf das Sofa, Fernseher an und Kopf aus. Ja, dieses Ritual klingt nicht sonderlich spannend und inspirierend, aber wenn wir mal ehrlich sind, sieht die Realität bei den meisten Pärchen doch so im Alltag aus. Kein Wunder, dass uns der TV- und Seriengeschmack unseres Partners nicht völlig egal ist: Serien, die wir gemeinsam gucken, verbinden und so kann eine Netflix-Staffel durchaus zur Date Night mutieren; eine Serie dagegen allein weiter zu schauen empfinden wir schon fast als Betrug. Ebenso problematisch ist es, wenn unser Partner einen komplett anderen Geschmack hat, was TV und Serien angeht. Dann muss man entweder den flachen Humor in ‚Family Guy‘ ertragen, oder aber einen zweiten Fernseher anschaffen.

Oder Schluss machen. „Für meinen Ex war mein Seriengeschmack ein Grund, sich von mir zu trennen“, erzählt Sarah*, 20, aus Magdeburg „Zwar nicht der Hauptgrund, aber einer der wichtigsten. Ich fand damals als wir zusammen waren ‚American Horror Story‘ super cool und habe mit ihm die erste Folge gesehen. Beim Schlussmachen hat er mir dann vorgehalten, an der Serie habe man gemerkt, wie gestört ich im Kopf sei. Wer sich so perverses Zeug reinzieht, könne ja nicht normal sein. Mich hat das sehr getroffen.“

Bitte, was? Was für uns – Menschen, die nur leicht einen an der Waffel haben, wenn es um Katzen, süße Tierbabys und die neue Victoria’s-Secret-Balmain-Kollektion geht – erst mal völlig verrückt klingt, ist für viele gar nicht mal so abwegig. Das zeigt eine Studie, die kürzlich vom US-Enterntainment-Magazin ‚The WRAP‘ veröffentlicht wurde und aus der hervorgeht, dass ein schlechter Seriengeschmack für ein Drittel aller Millennials Grund wäre, jemanden erst gar nicht zu daten.

» Beim Schlussmachen hat er mir dann vorgehalten, an der Serie habe man gemerkt, wie gestört ich im Kopf sei. Wer sich so perverses Zeug reinzieht, könne ja nicht normal sein. Mich hat das sehr getroffen.“ «

„Ich konnte das zuerst gar nicht ernst nehmen“, erzählt Sarah weiter; „erst, als er es immer und immer wieder als Grund aufgeführt hat, habe ich ihm geglaubt. Das war natürlich nicht der einzige Grund – wir hatten auch so unsere Differenzen. Allein schon vom Wesen waren wir sehr unterschiedlich, was immer wieder zu Problemen führte. Wir waren insgesamt 7 Monate zusammen, er war dabei, sein Abitur zu machen, ich war etwas jünger. Eine lange Zeit davon waren wir im Winter zusammen, deshalb haben wir viel Fernsehen geguckt. Das war jetzt aber auch nicht unser einziges Hobby; wir haben auch viel mit gemeinsamen Freunden gemacht, Sport, oder waren zusammen essen. Mich hat das ziemlich gekränkt. Als könnte man vom TV-Geschmack auf den Charakter schließen.“

„Mich wundert es nicht, dass Fernsehen als Trennungsgrund angeführt wird“, sagt der Paartherapeut Michael Cöllen. „Die ganze Medienkultur – das parallele Herumdaddeln mit iPhone und Computer, Serienmarathon vor dem Fernseher und Videospiele – entfernen Partner immer weiter voneinander. Digitale Medien stressen uns; wir denken, dass sie uns geistig entspannen, aber eigentlich sind sie absolut nervtötend.“
Laut Cöllen schadet die Art, wie wir Medien nutzen unserer Kommunikation. Statt sich mit dem Partner auseinanderzusetzen, wird ein Medium dazwischen geschaltet und sich angeschwiegen. „Das muss man sich vorstellen: Da gucken Menschen zusammen Soaps, in denen die Darsteller ständig neue Gefühlsdramen erleben und über ihre Gefühle kommunizieren – nur wir selbst reden nicht mehr.“
Das Fatale daran: Kommunikation, der geistige Austausch miteinander, ist einer der Grundbausteine einer gesunden Beziehung. Wer nicht redet, verliert irgendwann auch die Gefühle füreinander.

„Man möchte sich ja schließlich als Partner tiefer kennen lernen“, sagt Cöllen. Dies geschehe vor allem über die Sprache, und über gemeinsames Tun, Hobbys, abends mit Freunden etwas essen gehen, gemeinsamer Sport. Wer sich regelmäßig Erlebnisse in der realen Welt schafft, darf ab und zu gern auch den Fernseher dazwischenschalten. „Fernsehen im Alltag ist nicht schlimm, aber der Konsum sollte kontrolliert werden“, rät Michael Cöllen. „Das TV-Gerät sollte nicht zum dominierenden Element in der Beziehung werden.“

Ab und an zusammen TV und Serien zu gucken, sei für Paare, die sonst auch Dinge unternehmen, kein Problem – nur soll man das wahre Leben samt Kommunikation und gemeinsamer Erlebnisse nicht in die mediale Welt verschieben. Sarah hat sich von ihrer negativen Erfahrung nicht verschrecken lassen. „Mit meinen späteren Freunden habe ich auch weiter Serien geguckt – ‚Riverdale‘, ‚How to get away with murder‘ und ‚Shameless‘ und es hat immer gut geklappt. Vielleicht lag es also nicht nur an meinem Geschmack, sondern an ihm: Vielleicht war er einfach ein Dummkopf.“

Ziemlich gut möglich, wenn sie uns fragt. Das Einzige, mit dem wir wirklich Schluss machen sollten, wenn unser Partner einen anderen TV-Geschmack hat, als wir, ist mit dem Fernsehen. Also bitte: einmal schnell den Powerknopf drücken und eine Runde Quality Time genießen!

*Name von der Redaktion geändert

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