Julia Kiener
19.06.2017 von Julia Kiener

UPDATE: Schuldspruch – Mädchen trieb Freund mit SMS in den Selbstmord

In dem aufsehenerregenden Prozess, in dem eine 20-Jährige wegen fahrlässiger Tötung ihres Freundes vor Gericht stand, wurde ein Urteil gesprochen.

Michelle Carter, die durch unzählige SMS-Nachrichten ihren damaligen Freund Conrad Roy dazu animiert haben soll, sich das Leben zu nehmen, wurde von Richter Lawrence Moniz am vergangenen Freitag für schuldig befunden. Ihr drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Die Urteilsverkündung ließ Michelle angeblich regungslos über sich ergehen, während die Angehörigen des verstorbenen Conrad in den Zuschauerreihen weinten. Der Prozess erregte nicht nur in den USA, sondern auch international viel Aufsehen. Er drehte sich zu einem Großteil um SMS-Konversationen und Telefonate, die Michelle und Conrad kurz vor seinem Tod miteinander geführt haben sowie Nachrichten, welche die damals 17-Jährige nach dem Selbstmord ihres Freundes an ihre Freundinnen geschickt hat (mehr Informationen dazu findet ihr etwas weiter unten).

Die Verteidigung der jungen Frau plädierte auf Freispruch, da Conrad Roy schon einige Zeit davor depressiv war und Selbstmordgedanken äußerte. Sie hätte ihrem Freund zunächst zu professioneller Hilfe geraten und sich, nachdem dieser sich nicht von seinen Plänen abbringen ließ, den Wünschen ihres Partners gefügt. Der Psychiater Peter Breggin, der als Zeuge der Verteidigung geladen war, sagte außerdem aus, dass Michelle zum Tatzeitpunkt selbst unter dem Einfluss starker Antidepressiva stand, die sowohl Empathie-Empfinden als auch die Entscheidungsfindung beeinflussen können.

Wie viel Zeit sie im Endeffekt im Gefängnis verbüßen wird, soll erst am 03. August bekannt gegeben werden.

09. Juni 2017 – Aufsehenerregender Prozess: Haben Michelles SMS-Nachrichten ihren Freund in den Tod getrieben?

Selbstmord junger Menschen wird derzeit dank der Netflix-Serie „13 Reasons Why“ in vielerlei Hinsicht thematisiert.

Dass Selbsttötung nicht nur in Filmen stattfindet, sondern auch im echten Leben, ist leider Fakt. So kommt es, dass derzeit ein Gerichtsprozess in den USA weltweit für Aufsehen sorgt. Angeklagt ist eine 20-jährige Frau, die ihren Freund durch SMS-Nachrichten in den Suizid getrieben haben soll. Es muss nun von dem Gericht entschieden werden, ob jemand, der physisch bei dem Tod eines anderen nicht anwesend war, genau für diesen zur Verantwortung gezogen werden kann.

Ob es Suizid oder fahrlässige Tötung war, muss nun ein Gericht entscheiden

Michelle Carter und Conrad Roy waren 2014 ein Paar. Die beiden damals 17-Jährigen sahen sich eher selten und hielten den Kontakt vor allem über Textnachrichten und Telefonate aufrecht.

Am 12. Juli 2014 nahm sich Conrad Roy das Leben: Er pumpte über einen Generator die Abgase seines Pick-ups in den Wagen und verstarb an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Laut Aussage seiner Mutter, litt er schon länger an Depressionen, von Selbstmord sei allerdings nie die Rede gewesen.

Was nach Suizid klingt, ist womöglich fahrlässige Tötung. Denn eine der letzten Textnachrichten, die der Junge kurz vor seinem Tod erhalten hat, war von seiner Freundin, Michelle, die ihn nicht von seinem lebensmüden Vorhaben abhalten wollte – im Gegenteil: „Es ist an der Zeit. Du bist bereit. Du weißt das. Denke nicht mehr darüber nach. Wenn du vom Strand kommst, musst du es tun. Heute Nacht ist die Nacht.“ Sie informierte weder Behörden noch seine Verwandten oder Freunde über das Vorhaben ihres Freundes.

» Du bist bereit. Du musst nur den Generator einschalten, und du wirst frei und glücklich sein. Kein Aufschieben mehr. Kein Warten mehr. «

Staatsanwältin Maryclare Flynn, die Michelle wegen fahrlässiger Tötung angeklagt hat, erklärte in ihrem Eröffnungsplädoyer: „Es war ihr krankes Spiel um Leben und Tod, das ihren Freund in den Freitod getrieben hat. Sie hätte diese Tat verhindern können.“ Stattdessen, so sagt sie weiter, habe sie die trauernde Freundin gegeben, um so Aufmerksamkeit von ihren Mitmenschen zu erlangen.

Über Wochen hinweg haben Michelle und Conrad fast 1000 Nachrichten ausgetauscht, die sich um das Thema Suizid gedreht haben. Die SMS-Nachrichten, die die Zwei kurz vor Conrads Tod miteinander ausgetauscht haben, sollen nun Michelles Schuld beweisen.

„Es ist Zeit, Baby.“

„Du musst es einfach tun, Conrad. Je länger du es aufschiebst, desto mehr wird es an dir nagen. Du bist bereit. Du musst nur den Generator einschalten, und du wirst frei und glücklich sein. Kein Aufschieben mehr. Kein Warten mehr.“

„Ich dachte, du willst es. Die Zeit ist reif, du bist bereit. Du kannst so nicht weiterleben.“

„Park einfach dein Auto und bleibe ruhig sitzen. Es wird vielleicht 20 Minuten dauern. Kein großes Ding.“

Außerdem kamen Nachrichten an ihre Freundinnen ans Licht, die sie in den Tagen und Wochen nach dem Suizid verfasst hat. Ihre Freundin Samantha Boardman beispielsweise verlas vor Gericht folgende Nachrichten:

„Sam, wenn sie [die Polizei] meine Nachrichten mit ihm lesen, bin ich erledigt. Seine Familie wird mich hassen und ich könnte ins Gefängnis kommen. Er ist aus dem Auto gestiegen und ich habe ihm gesagt, er soll wieder einsteigen. Ich hätte ihn stoppen können.“

» Es war Selbstmord, ein trauriger und tragischer Selbstmord, aber kein Mord. «

„Sam, [sein] Tod ist meine Schuld, also wirklich, ich hätte ihn aufhalten können, ich habe mit ihm telefoniert und er ist ausgestiegen, als es funktioniert hat und er hatte Angst und ich habe ihm verf**** nochmal geschrieben, dass er wieder einsteigen soll. Sam, ich wusste, er würde es den nächsten Tag wieder machen und ich konnte es nicht mehr ertragen, dass er so weiterlebt und ich konnte und wollte das nicht zulassen.“

Der Anwalt der 20-Jährigen plädiert auf unschuldig. Michelle selbst habe seit Jahren mit psychischen Problemen zu kämpfen und habe zu der Zeit Medikamente genommen, die ihr Urteilsvermögen eingeschränkt haben könnten. Außerdem weist Anwalt Joseph Cataldo darauf hin, dass es Conrads eigene Idee gewesen sei, sich das Leben zu nehmen und nicht Michelles. „Es war Selbstmord, ein trauriger und tragischer Selbstmord, aber kein Mord.“

Ob Michelle sich für den Tod ihres Freundes verantworten muss, soll in den nächsten zwei Wochen durch das Gericht entschieden werden. Sollte sie schuldig gesprochen werden, drohen ihr bis zu 20 Jahre hinter Gittern.

Falls ihr oder jemand, den ihr kennt, Hilfe benötigt, wendet euch bitte an diese Nummer: 0800 111 0 111. 

Mehr über: USA, Suizid, Selbstmord, Mordprozess, Michelle Carter, Conrad Roy
Credits: Pexels/ Alex Mihis, Pexels/ Ivan
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