Warum „Micro-Cheating“ gefährlich für unsere Beziehung werden kann

Wann fängt Betrügen an? Im Bett erst? Im Kopf schon? Wenn es nach der Paartherapeutin Melanie Schilling geht, sehr viel früher, als die meisten annehmen würden. Selbst die, die von sich behaupten, in einer glücklichen Beziehung zu sein. Die Australierin hat den Begriff „Micro-Cheating“ geprägt.

Was ist „Micro-Cheating“ überhaupt?

Frei übersetzt bedeutet das so viel wie „kleine Seitensprünge“ oder ein „Mini-Fremdgehen“. Klingt nicht nett, wollen wir irgendwie nicht haben. Und trotzdem haben es vermutlich schon so eiiiinige von uns hin und wieder (vielleicht ganz unbeabsichtigt) sogar selbst schon gemacht.

In einem Interview mit der Huffingtonpost kategorisiert Schilling „Micro Cheating“ ziemlich rigoros …

Mini-Betrügen fängt ihrer Meinung nach nämlich weit vor irgendeiner körperlichen Nähe an. Wenn man zum Beispiel mit einer Person besonders häufig schreibt, ohne dem Partner davon zu erzählen. Oder wenn man die neue Kollegin verschweigt, die neue Bekanntschaft unter einem falschen Namen im Handy abspeichert, Bilder des Ex liked…

Und wir sind tatsächlich ein wenig ratlos. Klar, irgendwo in dieser wabernden Grauzone kann emotionales Betrügen anfangen. Aber KANN eben auch nur und MUSS nicht. Tun wir uns also wirklich einen Gefallen damit, alles direkt zu labeln und uns Beziehungsregeln so definitiv vorschreiben zu lassen?

Wir haben Eric Hegmann gefragt, der als Paarberater und Coach bei Parship arbeitet. Für ihn steht fest:

„Ja, aus solchen Außenbeziehungen können Affären werden.“

Gleichzeitig sieht er aber auch die Problematik darin, dem Partner „Micro Cheating“ vorzuwerfen:

„Umgekehrt erlebe ich, dass Partner mit großer Verlustangst, die viel Eifersucht und Kontrollwunsch zeigen, ihre Partner geradezu durch ihr Misstrauen in die Arme von anderen treiben. Denn Misstrauen schafft Distanz, Nähe und Intimität werden dann außerhalb gesucht.“

Schürt „Micro-Cheating“ das Misstrauen?

Wir leben in einer Zeit, in der es tatsächlich so viele Trennungen gibt wie nie zuvor. Denn wir sind freier, können mehr ausprobieren. Und doch bauen wir umso mehr Druck in jeder neuen Beziehung auf – weil alles irgendwie dann doch „für immer“ sein soll… ohne dabei das anfängliche Knistern zu verlieren.

Das ist aber nahezu unmöglich umzusetzen. Weshalb sich mit der Zeit auch eine klare Tendenz abzeichnet: Die Verlustangst in einer Beziehung wird immer größer. Und genau dadurch bekommen Phänomene wie „Micro-Cheating“ so viel Aufmerksamkeit.

Sofort fragt sich jeder: Oh Gott, macht mein Partner das auch? Muss ich mir darüber nicht irgendwie Sorgen machen und mein Vertrauen in Frage stellen…? Oder bin vielleicht sogar ich selbst ein „Micro-Cheater“?!

» Micro-Cheating kann gefährlich sein «

Diese Fragen kommen auch Herr Hegmann bekannt vor:

„Micro-Cheating kann durchaus gefährlich sein und sich zu mehr entwickeln. Aber vor allem dann, wenn in der Beziehung sowieso schon Probleme und großes Misstrauen herrschen.“

All diese Handlungen des Partners direkt als „Micro-Cheating“ anzusehen, ist also höchstwahrscheinlich wirklich die Konsequenz aus einer immer größer werdenden Verlustangst. Und die kann am Ende dazu führen, dass der Partner nur noch mehr auf Distanz geht.

Wie kann man hier Grenzen ziehen?

Untreue und großes Interesse an anderen Personen sind aber natürlich ein Beziehungsrisiko, so viel steht fest. Aber wo fängt das Problem an. Und wo hört es auf?

Darf ich meinem Partner etwas unterstellen, nur weil er mir nicht nach jedem Lunch erzählt, welche Kollegen dabei waren? Oder weil er mit seiner besten Freundin einfach lieber joggen geht als mit mir?! Oder weil er mir ein Gespräch auf einer Party verschweigt, weil er genau weiß, wie ich darauf reagieren würde?

Gefährlich wird es vor allem dann, wenn sich die Symptome summieren. Wer eine Person kennenlernt, die wohlwissend unter einem falschen Namen im Handy abspeichert und regelmäßig die Chatverläufe löscht … Ja, da müssen sich vermutlich beide Seiten eingestehen, dass das Interesse über eine Freundschaft hinausgehen könnte.

» Wollen wir nicht offen miteinander kommunizieren anstatt überall direkt ein Label drauf zu drücken? «

Aber ob das direkt das Ende der Beziehung sein muss? Oder es einfach dazugehört, auch mal jemanden außerhalb der Beziehung interessant zu finden? Vor allem wenn wir (in unserem naiven Köpfchen) ja vielleicht doch irgendwo ein „für immer“ anstreben?

Herr Hegmann sagt dazu:

„Stark verallgemeinert lässt es sich immer auf den Selbstwert herunterbrechen: Ist der hoch, dann fühle ich mich geschmeichelt, wenn mein Partner umworben wird. Ist er niedrig, habe ich Angst, ausgetauscht zu werden.“

Natürlich lässt sich auch hier nichts allgemeingültig festlegen (womit wir wieder bei den Labels wären 😉). Und natürlich gibt es Dinge, die den Partner verletzten und die man vermeiden sollte.

Für uns gilt trotzdem… diese vermeintlichen Beziehungs-No-Gos, die „Micro-Cheating“ für sich beansprucht, direkt als Symptom einer nicht funktionierenden Beziehung zu sehen, geht zu weit.

Wie wirkt man der Verlustangst entgegen?

Für Herr Hegmann und uns greift da die wunderbar plakative Kalenderweisheit: „Nur wer freiwillig bleibt und zurückkommt, ist ein guter Beziehungspartner!“

Wer also das Gefühl hat, beim eigenen Partner lassen sich deutlich zu viele Handlungen dem „Micro-Cheating“ zuordnen, der sollte vor allem erstmal das Gespräch suchen. Und den Hintergrund (selbstkritisch) einordnen: Treibe ich meinen Partner vielleicht von mir weg? Fühlt der andere sich vernachlässigt? Oder gibt es da wirklich eine Gefahr, gegen die ich selbst nichts tun kann?

Findet auch der Paarberater:

„Jedes Paar darf und muss seine Regeln selbst verhandeln und neu justieren. Aber es gibt Verhaltensweisen, die den Partner verletzen, es gibt Dynamiken, die sich verselbstständigen und beiden Partnern schaden. Die muss man durchaus benennen und versuchen zu verändern. Deshalb gibt es durchaus allgemein gültige Regeln, doch welches Beziehungsmodell welchem Paar guttut, das hat niemand zu bestimmen.“

WORD! Wollen wir dann nicht vielleicht einfach alle versuchen, ein klitzekleines bisschen mehr danach zu leben? Offen zu kommunizieren anstatt direkt Labels drauf zu drücken? Und uns damit von „Beziehungstrends“ nicht mehr direkt in Angst und Schrecken versetzen zu lassen?

Jede Beziehung ist anders. Und solange beide Seiten die Regeln so annehmen, umsetzen und für gut befinden… können sie vor allem eines tun: ihre Beziehung genießen!

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