Umdenken im Badezimmer: Wie ich versuche, komplett mikroplastikfrei zu leben

„Wir müssen endlich etwas tun“. Für die Umwelt, unsere Zukunft – letztendlich für uns selbst. Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Und selbst GESAGT. Nur um immer wieder doch nichts zu ändern… aus Faulheit, Bequemlichkeit. „Dieses Jahr wird alles anders“. Jedes Jahr aufs Neue. Nur dieses Mal wirklich! Also wirklich jetzt! Ich will mich nicht mehr mit leeren Worten schmücken. Ich will mich herausfordern. Was ganz bestimmt unbequem wird. Ein Jahr, viele Möglichkeiten. 12 Monate, 12 Challenges an mich selbst. Mit der alles entscheidenden Frage: Wie umweltbewusst kann ich wirklich leben? Wie viele Taten können auf Worte folgen? Ich finde es heraus. Für mich, für euch. Jeden Monat mit einer neuen #MyEcoChallenge. Weil ich’s (versuchen) kann!

Und wieder stehe ich unter der Dusche und verziehe das Gesicht. Meine Haare fühlen sich stumpf an. Daran kann auch der großzügig verteilte feste Conditioner nichts ändern. Was also tun? Der Blick wandert zögerlich zu der Shampoo-Flasche, die da „für Notfälle“ immer noch bereitsteht. Ist das hier ein Haar-Notfall? Oder doch nur ein unnötiger Luxus, den ich mir in einem schwachen Moment zurückwünsche? Ich widerstehe. Immerhin ist genau dieser Verzicht auf solche Haarprodukte Teil meiner aktuellen Eco-Challenge. Kein Mikroplastik mehr im Badezimmer. Weder in Pflegeprodukten noch in der Kosmetik. Und zum ersten Mal verstehe ich in diesem Moment, dort unter dem prasselnden Wasserstrahl, WARUM es diese millimeterkleinen Plastikteilchen überhaupt gibt…

Denn Mikroplastikpartikel machen unsere Haare weich und seidig. Sie legen sich auf die Struktur und geben uns dieses glatte, geschmeidige Gefühl am Ende jeder Haarwäsche. JA (verdammt noch mal!) das FÜHLT sich gut an. Es fühlt sich vor allem besser an, als das aktuelle Gefühl – nach einer Haarwäsche mit Produkten ohne Mikroplastik. Kein Wunder also, dass dieser Umstieg schwer fallen kann – und Eigeninitiative erfordert.

Trotzdem steht eben gleichermaßen fest: Wir brauchen diese synthetischen Bindemittel nicht, die wir da tagtäglich mit jeder Haarwäsche, bei jedem Mal Abschminken in den Abfluss befördern. Unsichtbar fürs bloße Auge und ohne dass wir es überhaupt bemerken. Aber eben doch als unausweichliche Plastikflut, die da ins Grundwasser fließt – Mal für Mal für Mal.

Und im Gegensatz zu gröberem Plastikmüll können diese kleinen Teilchen, die beispielsweise auch in unserer Kleidung oder an Schuhsohlen und Reifen vorkommen, auch von hochentwickelten Kläranlagen kaum gefiltert werden. Sie landen also in den Ozeanen und Seen, verschmutzen diese, ziehen Schadstoffe an und werden anschließend von Meerestieren gefressen. Schon heute verenden zahlreiche Tiere qualvoll an den Plastikrückständen im Magen. Und auch in den Fischen, die dem Mensch am Ende als Nahrung dienen, wurde schon Plastik nachgewiesen. Wir greifen in die Umwelt ein und beeinflussen damit langfristig auch unsere eigene Gesundheit. Ein Problem, das weiter wächst – wenn wir nichts daran ändern (mehr dazu hier).

Challenge 4, oder doch die der persönlichen Grenzen?

Genau aus diesem Grund verzichte ich in diesem Monat also auf Mikroplastik (darunter fallen alle Kunststoffteilchen bis zu einer Größe von 5 Millimetern). Noch konsequenter, als ich es seit geraumer Zeit sowieso schon versuche zu tun. Jetzt wird’s noch mal richtig ernst. So gut es eben geht.

Wie sieht also mein Badezimmer aus? Welche Produkte benutze ich? Was muss ich zukünftig noch umstellen? Wo ist dieses kleinteilige Zeug mit dem sperrigen Namen „Mikroplastik“ überhaupt überall drin?! Der Monat April verspricht recherchelastig zu werden. Wie gut also, dass ich innerlich bereits on fire bin… 😅

Nicht unschuldig daran ist garantiert auch ein erster Glücksmoment, der nicht lange auf sich warten lässt. Denn (ich mache drei Kreuze!!) zertifizierte Naturkosmetik ist tatsächlich immer frei von Mikroplastik-Teilchen. Und da ich bereits in der Vergangenheit vieles aus meinem Badezimmer immer dann ersetzt habe, wenn der Vorgänger zur Neige ging, dürfen zahlreiche Produkte tatsächlich bleiben. Die Tagescreme, mein Deo, die Körperseife und das feste Shampoo zum Beispiel. Euphorie, here we go. 🙌

Schneller als gedacht folgt dann aber auch schon wieder das große A B E R. Denn wie sieht es eigentlich mit all meinen Kosmetikprodukten aus? Ist meine Wimperntusche tatsächlich schädlich für die Umwelt? Und was ist mit meiner unverzichtbaren Locken-Styling-Creme? Denn wenn ich ehrlich bin: Jeder der mich kennt, weiß, dass ein Leben ohne diese Flasche absolut NICHT möglich ist. 🙊

Die unbequeme Wahrheit bleibt trotzdem unausweichlich. Umweltschädigende Inhaltsstoffe finden sich auch in Produkten wieder, bei denen es auf den ersten Blick gar nicht unbedingt ersichtlich ist. Denn die umweltschädlichen Polyverbindungen sind längst nicht nur in verdächtig klingenden Gesichtspeelings enthalten. So viel habe ich inzwischen gelernt. Alles was mit „Poly“ auf der Flasche beginnt… endet meist mit Plastik im Inhalt. (Eine Auflistung der schädlichen Stoffe gibt es beispielsweise vom „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“.)

» Wie viel Verzicht kann mein kleiner Alltag überhaupt tragen...? «

Poly hier, Poly da, Poly arrrgh. Ich kriege dieses Wort kaum noch aus meinem Kopf. Es schwirrt wie eine Mahnung plötzlich über jedem Einkauf. Über jedem Morgen vor dem Spiegel. Denn ja, Leute. Auch in meinem Lippenstift, dem Concealer und der Handcreme ist das Zeug drin… Quasi wirklich fast Ü B E R A L L. (Mehr Informationen zu einzelnen Produkten gibt es hier.) Und mit diesem Schlag ins Gesicht soll ich jetzt einfach mal ebenso umzugehen lernen?!

Ein Berg an Kosmetikprodukten landet nach einem ersten Blick auf die Inhaltsstoffe dementsprechend konsequent auf der roten Liste (aber nicht im Mülleimer bitte!). Puh. Ist es angesichts dieser Flut, die mich da überrollt, überhaupt realistisch, vollständig auf die winzigen Plastikpartikel verzichten zu wollen…? Reicht mir für den Umstieg ein einziger Monat? Wie viel Verzicht kann mein kleiner Alltag eigentlich tragen…? Und kann ich es überhaupt richtig machen?!

Von Selbstzweifeln und Plagegeistern

Ich muss zugeben: Diese Challenge strengt mich an. Wirklich. Sehr. Denn natürlich bin auch ich mit einer Selbstverständlichkeit die endlose Menge an Pflegeprodukten und Kosmetik gewohnt, auf die ich sorgenlos zugreifen konnte – und die ich jetzt zurückschrauben oder ersetzen muss.

Während meine Haut mir den Umstieg auf Naturkosmetik, und damit den Verzicht auf Kunststoff, tatsächlich dankt (YAY!), zeigen sich meine Haare denkbar widerspenstig. Eher so NAY an der Duschfront. Und das bei jeder Haarwäsche aufs Neue. Frei nach dem Motto: Du nimmst uns die Weichmacher? Wir nehmen dir jegliche Sprungkraft. Und den Glanz gleich noch dazu. Und wir werden schneller fettig. HA HA.

Was soll ich da sagen? Das Euphorie-High schwindet, das quietschige Haar bleibt. Und ich? Ich hätte mir das alles irgendwie leichter vorgestellt. So viel Ehrlichkeit muss sein.

» Tusch um Tusch, Strich für Strich. Manchmal sind es eben die kleinen Erfolgserlebnisse. «

Und je mehr ich mich einlese, desto leichter lasse ich mich tatsächlich auch verunsichern. Geht „perfekt“ überhaupt? Denn neben meinen eigenen kleinen Ego-Problemchen kommt die Frage hinzu, wie man es überhaupt richtig machen kann… Plastik(flasche) außen oder Plastik(partikel) innen? Ganz verzichten oder Ausnahmen zulassen? Zertifizierte Naturkosmetik verwenden oder doch kleine Start-ups unterstützen?

Als wahre Wunderwaffe erweist sich in diesem Monat die App Codecheck. Sie überprüft für mich Inhaltsstoffe und Herkunft der Produkte. Ob an Tieren getestet wurde oder sie Silikone enthalten. Wo zur Hölle überall Mikroplastik drin ist. Und das sieht in der Umsetzung genau so aus, wie es der Name bereits vermuten lässt: Rein in den Laden, Code abscannen und Inhalte prüfen. Natürlich sollte man davon nicht blind seine Kaufentscheidung abhängig machen. Aber die App hilft bei der Orientierung. Und macht mich durch die gesteigerte Transparenz regelmäßig zuverlässig auf den kleinen, unsichtbaren Feind aufmerksam, von dem mit nur einer Dusche bis zu 100.000 Partikel in unser Abwasser befördert werden.

Kosmetik? Geht auch natürlich(er)

Diese Zahl trifft. Die muss man sich mal vor Augen halten. Ich merke, wie auch in meinem Kopf ein Umdenken stattfindet. Dann müssen sich meine Haare eben ein wenig umgewöhnen. Dann muss ich meinem Körper eben Zeit geben, sich von den synthetischen Stoffen zu entwöhnen. Schließlich tut es langfristig nicht nur der Umwelt gut, wenn ich auf Kunststoffe und Silikone in meinen Produkten verzichte, sondern auch mir selbst. Denn auch die Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen sind längst noch nicht ausreichend untersucht. Viele der synthetischen Stoffe können aber auf jeden Fall Hautirritationen begünstigen oder sogar allergische Reaktionen hervorrufen.

Und hey, es tut tatsächlich einfach verdammt gut. Morgens so vor dem Spiegel zu stehen, bewaffnet mit einer Wimperntusche in der Hand, die meine Augen strahlen lässt – und gleichzeitig weniger schädlich für die Umwelt ist…

Diese Marken können ein Beispiel dafür sein:

Tusch um Tusch, Strich für Strich. Manchmal sind es eben die kleinen Erfolgserlebnisse. Denn ja, die gibt es. Immer mehr und immer sichtbarer in diesem Monat. Es tut gut zu sehen, wie meine Haut strahlt und reiner wird, jetzt wo ich nur noch natürliche Inhaltsstoffe an sie heranlasse. Und es tut gut, sich dabei Zeit lassen zu dürfen und sich für diese Erkenntnis nicht selbst aus den Augen zu verlieren.

Wenn der Knoten e n d l i c h platzt

Ich will mir nichts verbieten, will nicht das Gefühl bekommen, angestrengter leben zu müssen oder dauerhaft unter Strom zu stehen. Das ist gar nicht mal so leicht. Denn wer sich einmal Gedanken macht, der gerät schnell in einen Strudel aus Zahlen und Warnungen und Schlechtem und Schlechterem. Ich will auf dem Weg aber nicht den Spaß verlieren, nicht den positiven Impact aus den Augen lassen. Ist nach vier Monaten voller Challenges schon der richtige Zeitpunkt für einen solchen Seelen-Striptease? Gibt es den jemals? 😅

Ich will weiter Input bekommen, mein Bestes geben – und trotzdem nicht den Kopf verlieren. Also atme ich einmal tief durch. Und mache es genau so, wie ich es für richtig halte. Wie es eben machbar ist. Für die Umwelt UND für mich. Ohne Druck von außen oder, noch schlimmer – zu viel Druck von innen (!!!).

Schließlich darf man auch den Kostenpunkt nicht außer Acht lassen. Denn Naturkosmetik ist tatsächlich teurer als herkömmliche Drogerieware. Ich fahre also zweigleisig. Ersetze wo ich nur kann… und fordere gleichzeitig trotzdem auch ein generelles Umdenken der großen Unternehmen. Konzerne wie Unilever versprechen beispielsweise schon heute, auf Mikroplastik in den eigenen Marken verzichten zu wollen. Und wir als Konsumenten? Setzen mit unserem bewussten Kauf oder Verzicht eben genau dieses entscheidende Zeichen, das auch in der Politik und in großen Unternehmen für einen Wandel und im besten Fall auch mehr Transparenz sorgen wird. Bis dahin? Liegt es eben weiterhin an jedem Einzelnen von uns. Auch an mir.

So sieht mein Badezimmer(inhalt) heute aus:

(Nope. Auch nach Monaten der Umstellung noch nicht mikroplastikfrei.)

Es ist eben auf lange Sicht Rumprobieren angesagt. Immer wieder. Try and Error. Zufrieden sein oder weitersuchen. Und das Wichtigste? Dabei das eigene Bauchgefühl nicht überhören. Vielleicht eine der notwendigsten Lehren, die ich in diesem Monat gemacht habe. 🤔 Denn, guess what, SO oft in diesem Monat – und auch schon in den Monaten davor – sind die Versuche tatsächlich irgendwann von Erfolg gekrönt. Manchmal sucht man eben eine Weile nach dem perfekten Produkt. Das war vor Jahren, mit anderen Kriterien im Kopf, aber auch nicht anders. Da hatte ich nur länger als einen Monat Zeit dafür, mit meiner Auswahl zufrieden zu sein. Kein Grund also für hausgemachten Stress. Die mikroplastikfreien Lippenstifte zaubern mir genauso glänzende Lippen, wie alle anderen davor? Perfekt, wird notiert! Der Concealer dagegen lässt sich auf meiner Haut nicht verteilen und hinterlässt unangenehme Flecken? Dann bleibe ich eben erstmal beim alten!

Wir sind alle nicht unfehlbar. Und das müssen wir auch gar nicht sein. Denn wie immer ist jeder noch so kleine Schritt der richtige. Und wichtige. Bewusster auf die Inhaltsstoffe schauen, Alternativen in Betracht ziehen, Produkte aufbrauchen und nach und nach Produkte austauschen. Das wär’s doch.

Und wie heißt es doch so schön…?

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