Wenn jeder Zentimeter „mehr“ zu viel ist: Wie dieses Model trotzdem aus der Essstörung fand

Es kann von außen betrachtet schnell mal nach der Erfüllung des absoluten Mädchentraums aussehen: Das Leben als internationales Topmodel. In Kameras strahlen, von der Welt bestaunt werden, als Schönheit gelten, über Laufstege schweben.

Doch hinter den Kulisse herrscht oftmals beinahe unaushaltbarer Druck. Alles, was zählt, ist das eigene Aussehen, der eigene Körper. Dünner, schmaler, zierlicher bleibt das Credo. Wer sich nicht anpasst, wird arbeitslos. Selbst in einer Zeit, in der Normen aufgebrochen und Ideale diverser werden – angestrebt durch Magazine, Mode-Designer, die ganze Fashion-Industrie –, leiden Models noch unter den strengen Anforderungen. Die sie im schlimmsten Fall sogar in eine Essstörung treiben

Der Druck ist groß, das Selbstvertrauen oft nicht

Genau das ist „Victoria’s Secret“-Model Bridget Malcolm (27) passiert. Viele Jahre ignorierte sie die Hilferufe ihres Körpers, sorgte mit zu wenig Nahrung dafür, dass etliche Grundfunktionen heruntergefahren wurden. So bekam sie mehrere Monate lang ihre Periode nicht, war dauerhaft übermüdet, beinahe arbeitsunfähig und litt unter Haarausfall. Essen (bzw. wenig zu essen) wurde mehr und mehr zur ungesunden Obsession.

Auch wegen Kunden, für die ein Zentimeter mehr an Hüftumfang bereits das Ende der Zusammenarbeit bedeuten konnte. Sicherlich ist sie nicht die Erste oder Letzte, die mit einer solchen Geschichte für Aufsehen sorgt. Aber momentan definitiv die Brisanteste. Weil wir uns in einer Zeit des Umbruchs befinden, in der das Wohlergehen und die psychische Verfassung eines Menschen definitiv endgültig über den BMI gestellt werden sollte. In ihrem neuesten Blogeintrag berichtet sie von psychischem Druck, einer gestörten Selbstwahrnehmung und der weitreichenden Entscheidung, ihre Gesundheit endgültig an die erste Stelle zu setzen:

„Ich wurde mit meinem wichtigsten Kunden belohnt, als mein Körperumfang am schmalsten war. Ein Zentimeter mehr reichte aus, um diesen Kunden wieder zu verlieren – weil mein Körper „nicht gut genug“ aussehen würde. Ich bin glücklich, dass der schiere Wahnsinn hinter dieser Ablehnung mich dazu gebracht hat, alles zu überdenken und meine Essstörung endlich anzugehen. Die volle Gesundheit, die ich jetzt genieße, ist ein so großes Geschenk, dass ich sie mir nicht mal in meinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können.“

Es ist ein langer Weg der Besserung. Mit etlichen Rückschlägen. Bridget ist nicht geheilt, doch sie weiß inzwischen, mit ihrer psychischen Erkrankung umzugehen. Erstmals fühlt sie sich stark und glücklich, wie sie in einem Insta-Posting verrät. Die Ernährung ist nicht mehr der Haupakteur in ihrem Leben, um den sich alles dreht: „Ich kann ehrlich sagen, dass ich inzwischen essen kann, was ich will, wann ich will.“

Es geht nicht um ein bestimmtes „Ideal“-Gewicht…

Zwischen diesen beiden Bildern liegen nur wenige Zentimeter an Umfang. Dafür aber Jahre der Genesung und Besserung. Während Bridgets Gewicht links nur durch Unterernährung zu halten war, pendelte es sich rechts inzwischen mithilfe gesunder, ausgewogener Mahlzeiten ein.

… es geht um das individuelle, gesunde Gewicht

Vorbei sind die Zeiten der winzigen Portionen, die nur aus Gemüse bestanden. Und vorbei sind auch die Zeiten, in der sie sich von Auftraggebern das Gewicht und den Hüftumfang diktieren lässt. Inzwischen geht sie wieder regelmäßig zu Castings – obwohl sie nicht mehr die Dünnste ist. Und wird genau für diesen Körper gebucht.

Es scheint sich also doch etwas zu ändern. Wenn auch langsam. Models werden immer häufiger für genau den Körper gefeiert, mit dem sie am gesündesten sind. Und nicht mehr für den, der mühsam angehungert wurde. Dann hat die eine Frau eben weniger und eine andere mehr und die nächste viele mehr. Selbst als Model, mit ständigem Fokus auf dem Äußeren, sollte eines nämlich immer im Vordergrund stehen: die eigene Gesundheit. Und die wird bei unterschiedlichen Menschen eben mit einem unterschiedlichen BMI gewährleistet.

Happy und healthy, unabhängig vom Hüftumfang – so wünschen wir uns das

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