Nach 10 Monaten Eco-Challenge folgt im November der größte Verzicht … der auf alles!

„Wir müssen endlich etwas tun“. Für die Umwelt, unsere Zukunft – letztendlich für uns selbst. Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Und selbst GESAGT. Nur um immer wieder doch nichts zu ändern… aus Faulheit, Bequemlichkeit. „Dieses Jahr wird alles anders“. Jedes Jahr aufs Neue. Nur dieses Mal wirklich! Also wirklich jetzt! Ich will mich nicht mehr mit leeren Worten schmücken. Ich will mich herausfordern. Was ganz bestimmt unbequem wird. Ein Jahr, viele Möglichkeiten. 12 Monate, 12 Challenges an mich selbst. Mit der alles entscheidenden Frage: Wie umweltbewusst kann ich wirklich leben? Wie viele Taten können auf Worte folgen? Ich finde es heraus. Für mich, für euch. Jeden Monat mit einer neuen #MyEcoChallenge. Weil ich’s (versuchen) kann!

Da sitze ich also, im Schneidersitz auf meinem Sofa und resigniere vor mich hin. Weil ich nichts mit mir anzufangen weiß. In diesem Moment, der nicht vergehen will. Das Handy liegt auf meinem Bett, außer Reichweite. Der Laptop ist zugeklappt. Das Buch sowieso. Habe ich verlernt, mich mit mir selbst zu beschäftigen?!

Diese Frage stellt sich mir häufig, in diesem Monat, der so ganz anders wird, als die anderen zuvor. Und irgendwie doch so richtungsweisend. Nachdem ich im Zuge meiner Eco-Challenge auf Palmöl und Shopping, Plastik und Fleisch verzichtet habe, dachte ich eigentlich, ich hätte alles gesehen und viele Zusammenhänge verstanden.

„Verzicht“ ist dabei das große Schlagwort in meinem Kopf. Mein ständiger Begleiter. Ich kann’s schon selbst fast nicht mehr hören. Dabei ist es einer, der sich nicht mal danach anfühlt. So wenig, dass ich inzwischen lieber von einem Austausch sprechen will. Ich habe eine tierische gegen die pflanzenbasierte Ernährung ausgetauscht. Ich ziehe die Nähmaschine inzwischen dem Shopping vor.

Ich lerne dazu. Und dennoch offenbar nie aus. Denn auch jetzt sitze ich wieder hier. Im November, dem Monat des hemmungslosen Konsums. Der Black Friday ist da, die ersten Weihnachtseinkäufe sowieso. Und weil es draußen kalt und dunkel ist, macht Kaufen und Konsumieren gleich doppelt Spaß. So wird es uns jedenfalls vorgelebt. Von klein auf. Wir sind die Gesellschaft, die alles immer, überall haben kann. Unsere Eltern wünschten uns Freiheit – und gaben uns endlosen Konsum.

Und, nur um das klarzustellen: Natürlich gilt auch hier der persönliche Privilegien-Check. Wer sich nur mit Vergünstigungen überhaupt einen Kühlschrank leisten kann, dem sollte diese Möglichkeit auch nicht genommen werden. Aber, und hier heißt es ehrlich zu sich zu sein, ist das bei mir persönlich wirklich der einzige Shopping-Grund? Nicht wirklich. Trotzdem bleibt es gleichermaßen schwer, aus diesen antrainierten Mustern auszubrechen. Dabei macht es in so vielen Lebenslagen Sinn. Nicht nur für uns selbst und unseren Geldbeutel. Auch für die Umwelt, so abstrakt das zunächst klingen mag. Denn all unsere Konsumgüter kommen von irgendwoher. Verbrauchen irgendwie Energie. Beanspruchen Zeit und Arbeitskraft. Oft sind die Produktionsketten lang, die Arbeitsbedingungen verheerend, die Rohstoffe, die benötigt werden, längst zu knapp.

Verzicht ist auch keine Lösung?

Ich versuche mich also im Fasten. Ganz untypisch für diese Zeit, ist ja noch nicht mal Januar. Ich kriege das aber auch ohne Vorsätze hin. Hoffe ich. Weil mich dieses Jahr voller Herausforderungen vor allem eines gelehrt hat: Weniger ist – für den privilegierten Mittelstand-Europäer – eigentlich immer mehr.

Verzeiht diese abgedroschene Floskel – aber sie stimmt. Würden wir alle nur so viel verbrauchen und anschaffen, wie wir es auch wirklich benötigten, gäbe es keine Ressourcen-Knappheit mehr. Es müsste auch keinen Hunger geben oder ausbeuterische Arbeit. Jedenfalls in der utopischen Theorie. Natürlich kann meine fehlende Kaufkraft nicht die Welt, oder gar den Kapitalismus, verändern. Aber was wäre, wenn …?

Trends setzen durch Veränderung … wie war das mit der Revolution?

Verzicht ist auch EINE Lösung

Ein Wandel braucht seine Zeit. Vor allem wenn er an so vielen Stellen gleichzeitig passieren soll. Ich schaue mir mein Leben also genauer an. Die größten Konsumgüter darin? Essen, Einkaufen, Entertainment. Ich habe in den letzten Monaten bewusster gelebt, schon klar, aber längst noch nicht frei von Gewohnheiten. Und das ist ok so. Jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Aber weil ich mich herausfordern will, sehen die Fragestellungen in diesem Fall etwas anders aus: Wie reduziert kann ich wirklich leben? Wo sind meine Fallstricke? Was für Bereiche hatte ich noch nicht auf dem Schirm? Wo ist genug für mich? Was ist zu viel, was ist schon radikal?

Wir hier im bequemen, reichen Westen der Welt haben die Globalisierung vorangetrieben. Wir profitieren davon, auf Kosten anderer Länder, anderer Menschen, des Klimas. Wir ‚verzichten‘ nicht, wenn wir weniger konsumieren – wir gehen lediglich einen notwendigen Schritt zurück. Einen winzig kleinen, verglichen mit dem, was wir uns (oftmals unrechtmäßig) bereits genommen haben.

Nur, um mal wieder ein wenig auf den Boden der Tatsachen zu gelangen. Stellen wir uns die alles entscheidende Frage: Was brauchen wir wirklich?

» Wir 'verzichten' nicht, wenn wir weniger konsumieren – wir gehen lediglich einen notwendigen Schritt zurück. «

Macht mich dieser Kauf länger glücklich als ein paar Sekunden lang? Warum soll ich nur dazugehören, wenn ich die neuesten Teile trage? Welche Lücke will ich eigentlich füllen? Starke Worte erfordern (halbwegs) starke Taten. Ich hab mir in diesem Monat ordentlich was vorgenommen. Und das wird mir nach wenigen Tagen so langsam klar…

Let’s talk about … Genuss

Wenn es etwas gibt, das in meinem Leben nicht fehlen darf, dann ist es gutes Essen. Dafür würde ich andere Käufe jederzeit hintanstellen. Kleidung zum Beispiel. Oder neue Kopfhörer. Vielleicht sogar den Kinobesuch. Bei mir ist das aber schon längst kein seltener Luxus mehr. So viel Objektivität muss sein. Ich gehe abends mit Freunden essen, bin mittags zum Lunch verabredet und am Wochenende folgt auf den Brunch das Dinner-Date. Kann das noch ökologisch sein?! Immerhin: Mahlzeiten, die ich nicht schaffe, wandern in die mitgebrachte Tupperdose. Fürs Gewissen und gegen die Lebensmittelverschwendung. Achtsam und umweltfreundlich wird es aber erst, wenn ich seltener Essen gehe. Schmerzhafter allerdings auch.

Also koche ich vor. Noch häufiger, als ich es sowieso schon tue. Mittags beteilige ich mich nur noch höchstens einmal die Woche an der Essensbestellung (ist das jetzt überhaupt wenig?! Oder fehlt mir komplett der Bezug zur Realität?). Abends setze ich weiterhin auf Dinner-Dates – aber bei mir zuhause. Gemeinsames Kochen ist eh viel geselliger. Und günstiger. Und vor dem obligatorischen Gang auf den ersten Weihnachtsmarkt? Esse ich mich eben schon satt. Und bleibe beim Glühwein. 😜 Ein Balanceakt. Aus Organisationstalent und sozialen Verpflichtungen. Doch das gesparte Geld treibt an. Und die gesparten Ressourcen (für die Materialien, den Anbau, die Haltung, den Transport, die Herstellung) gleich mit.

Let’s talk about … Entertainment

Oder noch besser: Instagram und Netflix. Die beiden Anbieter sind es jedenfalls, die bei mir zeitweise sogar gleichzeitig in Benutzung sind. Aufmerksamkeitsspanne? Gleich null. Aber hey, ich werde berieselt und kann entspannen. Meine Online-Zeit? Will ich gar nicht so genau wissen. Der richtige Moment also für eine Veränderung. Gerade in diesem Bereich, der so selten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Denn jede Menge Streaming benötigt auch jede Menge Energie. Allen voran für die Rechenzentren, die uns die Daten überhaupt erst zur Verfügung stellen. Und dafür wird, je nach Stromanbieter, der jeweilige Brennstoff verbraucht. Es entsteht CO2. Viel davon. Außer wir wechseln den Anbieter – und setzen auf erneuerbare Energien. Auch dann muss zwar Strom produziert werden, für Serien, Instagram, YouTube, aber immerhin mit weniger Auswirkungen auf unser Klima.

Ich beziehe Öko-Strom. Und will trotzdem nicht mehr. Nicht mehr jeden Abend Netflix laufen lassen, nicht mehr immer vor dem Einschlafen noch aufs Handy schauen. Sondern stattdessen lieber ein Buch zu Ende lesen. Einen Spaziergang ausweiten. Auch bei schlechtem Wetter und mit kalten Nasen. Das funktioniert … so mittelgut. Gewohnheiten bleiben eben Gewohnheiten und die brauchen Zeit, um verändert zu werden. Also verbiete ich mir das Handy ab 22 Uhr. Und lenke mich mehr als einmal mit Kochen, Aufräumen oder Nähen ab. Keine Entwicklung, mit der ich gerechnet habe – aber sicherlich eine, mit der ich leben kann. 😅

Let’s talk about … Kaufrausch

Obwohl ich mich der Fast-Fashion-Industrie so gut wie möglich entsagt zu haben glaube, liebe ich es, durch Läden zu schlendern. Ich schließe mich Freundinnen an oder pilgere durch die Stadt, von Flohmarkt zu Second-Hand-Shop. Reicht mir das Stöbern und Suchen allein aber tatsächlich aus? Wirklich ‚brauchen‘ tue ich ehrlicherweise nichts. Vieles schwirrt mir dennoch im Kopf herum. Ein neuer Blazer, die veganen Sneakers, ENDLICH die passende Jeans in Grau. Ein einziges Mal werde ich schwach. Genau dieser eine Blazer MUSS jetzt einfach her. So viel zur Konsequenz. Ein weiteres Mal habe ich Glück. Denn meine Chefin mistet ihren Kleiderschrank aus … und lässt einige aussortierte Teile bereitwillig in meine Arme gleiten.

Auch mein Klamottenberg wird also größer. Aber unverhofft und gewählt. Jedes einzelne Teil davon bekommt eine zweite Chance. So rechtfertige ich es vor mir selbst jedenfalls.

Bei Lebensmitteln? Da sieht die Sache schon anders aus. Mein Faible für gutes (und teures!!) Essen macht auch vor dem Supermarkt nicht Halt. Der Korb wird immer zu voll, der Kühlschrank sowieso. Die einzige Lösung, die ich mit mir für einen bewussteren Einkauf ausmachen kann? Ein gezielterer Meal-Prep-Plan. Und glaubt mir, der hat diesen fancy Namen nur bekommen, damit ich mich nicht ganz so alt dabei fühlen muss … 🙊

Mein Luxus? Gutes Essen, schöne Abende – und Sonntagskuchen

Ich gebe mein Bestes – und doch sehr oft nach. Habe ich mir mit dieser Challenge also zu viel vorgenommen? Das Gefühl kann sich schnell breitmachen, wenn nichts konsequent gut funktionieren will … Dabei ist es vor allem wichtig, den Umgang mit seinen (geplanten) Einkäufen zu schulen. Und dahin will ich kommen. Denn ob nun technische Geräte, Beauty-Produkte, Reisen oder eben Lebensmittel. Wir müssen von Neuem lernen, Konsum von unseren Glückshormonen zu trennen. Der Kauf dort macht mich nicht glücklich. Und ich brauche nicht mehr, nur weil mein Gehirn mir das sagt. Natürlich passiert dieses Bewusstwerden nicht einfach so, von heute auf morgen. Das muss es auch gar nicht. Aber ist ein solches Eingeständnis nicht schon mal der richtige Anfang? Anzuerkennen, dass das, was wir da seit Jahrzehnten tun, kein gesundes Maß mehr sein kann?

Käufe gewinnen an Bedeutung, wenn sie seltener passieren. Güter bekommen die verdiente Wertschätzung, wenn sie gehegt und gepflegt werden. Der Geist verarbeitet neue Eindrücke, wenn er nicht mehr jeden Abend von Netflix berieselt wird.

Jeder, wie er kann … und noch ein Stückchen weiter

Versteht mich nicht falsch: Auch mir macht der Gedanke vor Veränderung irgendwie Angst. NATÜRLICH. Weil wir dafür raus müssen, aus dieser doch so wunderbar bequemen Komfortzone. Es macht auch nicht immer Spaß (mir jedenfalls nicht 🙊) jeden Abend ein Buch in die Hand zu nehmen.

Dennoch ist es vielleicht das einzige, was wir wirklich versuchen sollten, zu lernen: Das Loslassen dieser Furcht, durch Veränderung etwas aufgeben zu müssen. Niemand möchte uns etwas wegnehmen. Wir verlieren nichts. Es soll nur fairer verteilt werden. Auf der Welt, für die Welt. Dafür braucht es manchmal nun mal Verzicht. Und der kann vielleicht sogar zum größten Gewinn werden.

Denn tatsächlich habe ich in diesem Monat so viel am Stück gelesen, wie ich es sonst nur im Urlaub tue. Und auch die Bildschirmzeit ist wie von Zauberhand gesunken. Gar nicht mal die schlechtesten Konsequenzen also. Die größte Leserin werde ich trotzdem nicht (obwohl ich es SO gerne von mir behaupten würde!). Und bei den ganzen Weihnachtsfilmen werde ich gerne wieder schwach. Aber es ist eine Entwicklung, mit der ich mir gefalle. Und so ist diese Challenge vielleicht sogar ganz plötzlich einfach für mich selbst … und nur so nebenbei noch gut für unser Klima.

Und weil’s nur turbulenter wird – hier ein kleiner Reminder:

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