Très Click
23.10.2017 von Très Click

#ihave: Ein Mann erzählt wie es ist, eine Frau zum Sex zu überreden

Report von Nina Ponath

Wer die letzten Tage auf Facebook unterwegs war, dem werden die zahlreichen #metoo-Statusbeiträge in der Freundesliste nicht entgangen sein. Mit der Statusmeldung, die von Schauspielerin Alyssa Milano ins Leben gerufen wurde, zeigen Frauen überall auf der Welt an, dass sie in ihrem Leben bereits belästigt, sexuell misshandelt oder missbraucht wurden. Vor diesem Hintergrund ist die unglaubliche Flut an #metoo-Statusmeldungen ein echter Skandal.

Überall Klägerinnen, doch kaum ein Angeklagter. Das zeigen die Statusmeldungen deutlich. In unserem Feed zeigen sich zwar massenweise Statusmeldungen mit dem Hashtag #metoo – doch kaum jemand bekennt sich offen zu den Taten. Das mag an einem öffentlichen Ort wie den sozialen Netzwerken verständlich sein. Dennoch ist die gesichtslose Gewalt nicht nur ein Problem der sozialen Netzwerke; unsere Gesellschaft lebt es uns so vor: Sexuelle Belästigungen und Missbrauch werden nur selten benannt oder angezeigt. Statt das Problem beim Namen zu benennen – „zu viele Männer belästigen Frauen“ – wird über „sexuelle Gewalt gegenüber Frauen“ gesprochen. Gewalt ‚passiert‘, scheinbar passiv, ohne dass es einen Täter, einen Schuldigen gibt. Dass es sehr wohl Täter gibt, Menschen die Frauen belästigt haben oder ihnen Gewalt angetan haben, zeigt der Hashtag #Ihave, der jetzt als Antwort durch das Netz geistert und offen zugibt: „Ja, ich habe es getan. Ich habe meinen Anteil daran, dass einer Frau „Gewalt widerfahren“ ist, sie sich belästigt oder gedemütigt gefühlt hat – ich habe sie diskriminiert, missbraucht, im schlimmsten Fall vergewaltigt.“

» Dann wurde es immer intimer und ich hatte meine Hand bei ihr im Schritt. Sie schob sie weg. Ich versuchte es noch mal. Sie schob die Hand erneut weg. Immer und immer wieder «
Alex

Alex ist einer von ihnen. In seinem Status schreibt er: „#ihave: Ich war das betrunkene Arschloch, jung, von mir selbst eingenommen, geil. Ich dachte, es wäre nicht so schlimm. Ich schäme mich. Ich finde es gut, dass das hier auf Facebook passiert. Gleichzeitig kann ich es kaum ertragen, dass so etwas scheinbar jeder Frau in meiner Freundesliste passiert ist. (..)“ Wir haben ihn näher dazu befragt:

Ich habe vor vielen Jahren ein Mädchen, mit dem ich ausging, zum Sex überredet. Wir hatten uns schon mehrfach getroffen und verstanden uns gut. Es war schon das dritte, vierte Date – ich weiß es nicht mehr ganz genau. Den Abend waren wir bei mir zu Hause, guckten einen Film und tranken ein paar Bier. Wir waren beide betrunken, wir waren ja noch ziemlich jung und hatten noch kaum Erfahrungen mit Alkohol. Ich fing irgendwann, als ich breit war, an, sie anzufassen. Ich weiß nicht, ob sie es anfangs noch gut fand. Sie machte da noch mit. Dann wurde es immer intimer und ich hatte meine Hand bei ihr im Schritt. Sie schob sie weg. Ich versuchte es noch mal. Sie schob die Hand erneut weg. Immer und immer wieder, es war ein Hin und Her. Sie sagte zu mir, sie mache so etwas nicht mit Jungs, mit denen sie nicht zusammen sei. Ich weiß nicht mehr, was ich daraufhin meinte. Etwas wie „Da ist doch nichts bei“, oder so. Ich habe sie ganz eindeutig zum Sex überredet. Ich habe sie nicht gezwungen, so weit würde ich nicht gehen, aber ich habe mit ihr definitiv etwas gemacht, das sie mehr ‚geduldet‘ hat, als dass sie es wirklich wollte. Das tut mir sehr leid.

Mir war früher nicht bewusst, was ich damit anrichte. Erst später zu meiner Zeit an der Uni hatte ich das Glück, ein paar wirklich starke Frau kennenzulernen, die sich so nicht behandeln lassen haben. Die mir gezeigt haben, wie man mit Frauen umgeht. Gewalt gegenüber Frauen ist nicht nur physisch und auch nicht immer sexuell. Es fängt schon mit unserem Benehmen an. Ich habe so viele Freunde, die respektlose Witze über Frauen reißen, die sie wie Objekte behandeln und sich über sie lustig machen. Ich habe ihnen viel zu oft dabei zugesehen oder sogar mitgemacht, um zur Gruppe dazuzugehören. Ich war Teil von Aggressionen gegenüber Frauen, teilweise kleineren Streitereien, teilweise größeren. Ich hätte meine Kumpels davon abhalten müssen. Es ist die Aufgabe eines Mannes, anderen Männern ins Gesicht zu sehen und ihnen zu sagen, wenn genug ‚genug‘ ist. Ich wünschte mir, ich würde in meinem Feed genauso zahlreiche #ihave-Statusmeldungen sehen wie #metoo. Bis heute habe ich es vermieden in der Öffentlichkeit über diese Dinge zu reden, aber hier sind so viele Menschen, denen so viel Leid widerfahren ist… Mir tut es deshalb unendlich leid, welche Rolle ich in dieser Geschichte gespielt habe.“

Die zahlreichen Likes unter Alex’ Beitrag gelten wohl kaum seiner Tat, als viel eher seiner Offenheit. Wir müssen, wenn es um sexuelle Gewalt geht, mehr kommunizieren, Dinge beim Namen benennen. Alex’ Beitrag zeigt, dass Gewalt nicht einfach ‚passiert’ und es sehr wohl jemanden gibt, der sie ausübt. Davor die Augen zu schließen ist nicht nur ignorant; es verschleiert die Wahrheit und deckt die Täter. Wenn niemand die Schule für sexuelle Gewalt trägt, scheint es unnötig, kleinen Jungs Respekt gegenüber Mädchen zu vermitteln. Wenn niemand sexuelle Gewalt ausübt, müssen Frauen nicht lernen ‚Nein‘ zu sagen, sie müssen nicht den Mut aufweisen, ihre Interessen durchzusetzen. Oder um es hier mit den Worten von Jackson Katz , Professor, Autor und Gründer eines Antisexismusprogramms zu sagen: „Sogar der Begriff ‚Gewalt gegen Frauen‘ ist problematisch. Es handelt sich nämlich um eine Passiv-Konstruktion; es gibt keinen aktiven Part in dieser Wortwahl. Es wird so dargestellt, als handele es sich um etwas, das Frauen passiert, aber wenn man die Formulierung genau betrachtet, wird sie ihn von niemandem angetan. Es passiert ihn eben… Männer haben nicht mal Anteil daran.“ #ihave ist der erste Schritt, Anteil zu nehmen.*

Auch Frauen können „Täter“ sein

*Der Vollständigkeit wegen möchten wir auch auf diesen Status der US-Amerikanerin Jazzy Fizz hinweisen, auf den wir bei unserer Recherche gestoßen sind. Die Sängerin schreibt in einem Beitrag:

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass nicht viele Täter auf die #metoo-Kampagne antworten, also lege ich mal los. Vor ein paar Jahren war ich in einer Langzeitbeziehung. Die Beziehung fiel auseinander und ich konnte es nicht akzeptieren, weil ich ihn zu sehr liebte. Ich habe ihn deshalb emotional erpresst Sex mit mir zu haben, wenn er  abweisend zu mir war und nicht wollte. Ich tat das, weil ich mich so besser fühlte. Inzwischen weiß ich, dass ihn das wirklich fertig gemacht hat und immer noch Nachwirkungen für ihn hat. Ich verstehe jetzt eher warum und sehe es als Missbrauch an. Seitdem entschuldige ich mich bei meinem Ex-Freund (…) Dieses #metoo-Ding braucht einen zweiseitigen Dialog, damit dabei irgendetwas Bedeutsames herauskommt. Falls ihr jemanden sexuell missbraucht oder vergewaltigt habt, bitte gebe es zu (in der Öffentlichkeit oder auf direktem Weg) (…) Diese Ehrlichkeit fühlt sich gesund an – ich kann es nur weiter empfehlen.“  (Link: https://www.facebook.com/jaz.kaelin/posts/10154759446011396)

Sexuelle Gewalt hat viele Gesichter; sie wird auch von Frauen ausgeübt und kann Männer treffen. In einer Diskussion über den Sexismus, mit dem Hauptanliegen zu einem ehrlichen, unpolitischen Umgang zu führen, wollten wir das nicht ausgeklammert lassen.

Mehr über: #metoo, #ihave

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