„No Time to Die“ ist ein Finale voller Emotionen – und genau deswegen so perfekt

+++ Achtung, der Artikel enthält minimale Spoiler zu „No Time to Die“ +++

Es gibt manchmal so Artikel, da sitze ich erst einmal gefühlt eine Stunde vor meinem Laptop und starre den weißen Bildschirm an. Weil da zu viele Gefühle und Gedanken sind. Und die Worte einfach nicht raus wollen. Oder vielleicht bin ich gerade auch immer noch ein wenig in Schockstarre und muss den gestrigen Abend verdauen. Ein Abend, mit dem auf der Leinwand für mich eine Ära zu Ende gegangen ist. Und das in so vielerlei Hinsicht.

Denn mein Dienstagabend gehörte James Bond. Fast zeitgleich zu der großen „No Time to Die“-Weltpremiere in London, bei der sich natürlich Bond alias Daniel Craig (53) und der Großteil des restlichen Casts die Ehre gaben (und sogar Kate und William ließen sich das Spektakel nicht entgehen!!), saß ich in Hamburg im Kino. Gespannt. Wehmütig. Und ja, irgendwie nicht bereit für dieses Ende. Das Ende von Daniel Craig als James Bond. Und dabei mussten wir nach „Spectre“ 2015 nun ja alle wirklich lange genug auf den fünften Teil von Craig als 007-Agenten warten. Ganze sechs Jahre. Dank Corona und etlichen verschobenen Kinostarts sogar anderthalb Jahre länger als geplant. Und nun sitze ich hier und weiß nicht recht, wo ich anfangen soll. Was sicher auch daran liegen mag, weil es verdammt schwer ist, hier mit seinen Emotionen auszubrechen, ohne dabei einfach ALLES zu spoilern. Doch ich will euch diesen Film nicht ruinieren, indem ich das alles vorwegnehme. Und vielleicht sage ich alleine damit schon zu viel. Also lasst es mich an dieser Stelle vorab mal so zusammenfassen: Für mich ist „No Time to Die“ („Keine Zeit zu sterben“) ein verdammt würdiges Finale von Daniel Craigs Reise als Doppelnullagent. 

Denn eine Reise war es definitiv. Von Teil 1 bis 5. Immerhin ist es nicht zu bestreiten, dass Bond an diesem Punkt kaum mehr als der Bond bezeichnet werden kann, wie wir ihn noch von Roger Moore, Sean Connery und Co. verkörpert gesehen haben. Eben der gut aussehende, Martini-schlürfende, frauenverschlingende, irgendwie gefühlskalte und fast schon unsterbliche Agent. In einer Welt mit einem Frauenbild, das mehr als problematisch ist. Nicht ohne Grund gingen gerade erst Aussagen von „No Time to Die“-Regisseur Cary Joji Fukunaga durch die Medien, in denen er 007 von damals als Vergewaltiger bezichtigte.

Nie war ein Bond so verletzlich… nie wurde es so emotional

Diese Zeiten sind vorbei. Ein neuer 007-Kosmos ist längst da. Mit einem Bond, der rauer ist, sich verletzlich zeigt und angreifbar macht. Und der vor allem endlich Gefühle zulässt. Das zeichnete sich in den letzten Filmen ja bereits ab, in denen Bond um „M“ weinte oder sich auch das erste Mal verliebte (in Vesper Lynd) und schließt sich nun quasi in Craigs letztem Teil wie ein Kreis zusammen. Und wahrscheinlich macht es auch genau deswegen Sinn, dass uns die ersten Szenen von „No Time to Die“ an Vespers Grab führen. Bond, der gerade seinen „Ruhestand“ genießt und sich mit Psychologin Madeleine Swann in den Sonnenuntergang träumt, will einen Schlussstrich ziehen. Die Vergangenheit loslassen, um ohne Laster in die Zukunft schauen zu können. Doch so läuft das nicht. Wir sind hier schließlich immer noch bei Bond. Also fliegt ihm die Grabstätte mit einer ohrenbetäubenden Explosion direkt mal um die Ohren. Was folgt, ist eine wilde Verfolgungsjagd von Blofelds Männern (Jep, der Christoph-Waltz-Bösewicht aus dem letzten Teil) durch Matera. Mit Madeleine im Gepäck. Und plötzlich herrscht da wieder dieses Misstrauen. Immerhin wusste eigentlich nur die hübsche Psychologin, wo sich Bond in diesem Moment aufhielt.

Und dann stehen die zwei im nächsten Augenblick auch schon umzingelt von ihren Verfolgern da, während etliche Maschinenpistolen auf ihren Aston Martin feuern. Das Glas immer mehr zu zerspringen droht und Madeleine mit jedem weiteren Schuss energischer zusammenzuckt und auf Bond einschreit. Doch der sitzt einfach nur da. Regungslos. Mit müdem Ausdruck im Gesicht. Und irgendwie war diese Szene nicht nur total bezeichnend für Daniel Craigs Abschluss, sondern auch für den ganzen Film. Denn es ist genug. Zeit aufzuhören. Bond hat keine Lust mehr, auf Killerjagd zu gehen und ständig die Welt retten zu müssen. Er wollte ankommen. Mit Madeleine. Stattdessen setzt er sie (nachdem er sie dann natürlich doch noch aus dieser Situation rausballert) in den Zug. Ihre Wege trennen sich. Erst einmal zumindest.

Dann kommt das legendäre „James Bond“-Intro und Billie Eilish mit „No Time to Die“ ertönt. Und auch wenn ich diesen Song in den vergangenen Monaten wahrscheinlich schon an die Tausend Mal gehört habe, entlockte er meinem doch dezent angespannten Körper gestern nochmal eine ganz andere Art von Gänsehaut. Und angespannt war ich wirklich die ganzen 2 Stunden und 43 Minuten. Ja, Leute, Craigs finaler Streifen ist auch der längste „Bond“-Streifen in der Geschichte. Und ich bin ganz ehrlich, ich hatte kurz mal Schiss deswegen, weil Movies mit Überlänge halt eigentlich immer zu lang sind. Doch das fällt bei „Keine Zeit zu sterben“ nicht wirklich groß ins Gewicht. Die Szenen wechseln viel zu rasant, als dass man zwischendurch noch auf die Uhr schauen könnte, und auch die Spannung kann bis zum Ende gehalten werden. Und außerdem muss Craig in seinem letzten Film eben auch seinen letzten großen Kampf führen. Oder wohl eher seine Kämpfe. Denn da ist nicht nur immer noch Spectre unter der Leitung von Blofeld (der zwar im Glaskasten hockt, aber immer noch die Fäden in der Hand hält), sondern nun auch der neue Bösewicht Lyutsifer Sahin, gespielt von Rami Malek. Und der (mal wieder wie jeder Bond-Schurke in Craigs Laufbahn mit Narben im Gesicht) hat eine supergefährliche Waffe in die Hände bekommen, die über die DNA Menschen ausrotten kann (by the way vom britischen Geheimdienst selbst hergestellt). Und er hat es on top auch noch auf Madeleine abgesehen. Warum erfährt man direkt zu Beginn.

Eine letzte Mission

Bond hat also keine Zeit mehr für Ruhestand. Er kehrt zurück ins Spiel (so fünf Jahre nach den oben beschriebenen Szenen). Erst dank seines guten CIA-Kumpels Felix Leiter, der ihn anheuert (ahhhhh, und schon hier könnte ich wieder so krassssss spoilern, aber NEIN 😶), dann wieder wie gewohnt im Dienste des MI6. Nur haben sich die Dinge auch dort geändert. 007 ist jetzt eine Frau (Naomi (Lashana Lynch)). Und zwar eine mit Power im Arsch. Eine, die die Ellenbogen ausfährt und sich den Weg ins Schlafzimmer quasi selbst zeigt. Das hätte es in früheren Bond-Filmen so nie gegeben. Ja, die Ladys sind in „No Time to Die“ definitiv in der Lage, für sich selbst einzustehen und sich selbst zu retten. Das gilt auch für Paloma (Ana de Armas), Bonds Gehilfin für einen Abend, an dem das Girl mal kurz ’ne ganze Scharr an Gegnern in High Heels und Seidenkleidchen mit ein paar gekonnten Sidekicks ausknockt, ohne dass da auch nur ansatzweise die Frisur verrutscht oder die Boobs rausspringen. How? Ist aber auch egal.

Denn ja, man merkt definitiv, dass die Macher mit den Geschlechterrollen neu spielen (sie generell diverser werden, was super nice ist) und man den Ladys definitiv auch das Zeug zur (007)-Agentin einräumt. So halb zumindest. Denn wenn zum Beispiel der „einzig wahre“ 007, also Craig, plötzlich wieder auftaucht und mit M über den bevorstehenden Weltuntergang sprechen will, muss Naomi dann doch vor der Tür sitzen bleiben. Aber dieses ganze Chapter will ich an dieser Stelle nicht aufmachen. Denn wie gesagt, mir geht’s hier um Craigs letzte Reise als Bond. Und dass der an der ein oder anderen Stelle mal von ’ner Frau gerettet werden muss, finde ich natürlich nice. Also alles supi. 🙌

Und ich könnte mir jetzt selbstverständlich noch alle möglichen Szenen rauspicken und ins Detail gehen, aber das will erstens keiner lesen und zweitens würde das bei den knapp drei Stunden Film auch zu lange dauern. Also greife ich noch mal meine Worte vom Anfang auf. „No Time to Die“ ist ein würdiges Finale für den – und ja, jetzt sage ich es – (bisher) vielleicht besten James Bond aller Zeiten. Da würden jetzt sicher viele widersprechen, jeder hat seinen fave Bond. Doch für mich macht Craigs emotionale Angreifbarkeit ihn am Ende irgendwie erst so richtig stark. Und echt. Es ist die perfekte Mischung. Denn klar, kein „James Bond“-Film kommt natürlich ohne Geballer aus. Und ohne Verfolger, die ständig wie die Ameisen aus dem Nichts gekrochen kommen. Oder ohne Flugzeuge, die auch kurz mal zum U-Boot umfunktioniert werden können. Oder mit welchen anderen crazy Sachen Q da sonst noch immer um die Ecke kommt. Dieses bisschen too much mag ich. Das ist James Bond. Und das alles darf natürlich auch in „No Time to Die“ nicht fehlen. Tut es auch nicht. Da wird der Martini getrunken, „geschüttelt, nicht gerührt“ und mit anderen legendären Sprüchen oder versteckten Hints zu vergangenen Bond-Teilen um sich geworfen. Am Ende gibt es sogar eine Szene, in der Craig in einem röhrenförmigen Tunnel steht und die berühmte Barrel-Gun-Schuss-Drehung macht. Mehr James Bond geht nicht. 🙏 Aber diese Gefühle und diese Verletzlichkeit (ich habe noch NIE so eine Angst in Bonds Augen gesehen, als er in einer Szene mit Madeleine und ihrer Tochter – ja, sie hat eine Tochter!! Bonds Tochter? Findet’s heraus 😜 – mal wieder im Auto vor Killern davonbraust) machen seine Filme erst so nice und besonders. Klar, „No Time to Die“ hat ebenfalls kleine Schnitzer. Die krassen Zeit- und Handlungssprünge ohne Erklärung waren manchmal etwas verwirrend, aber sonst? Hat sich das Warten auf diesen Film definitiv gelohnt!! Und ich könnte jetzt definitiv auch ’nen Martini gebrauchen. Geschüttelt? Gerührt? Mir egal! 😅 Ich verspreche euch nur so viel zum Abschluss: „No Time to Die“ wird verdammt emotional und euch mit dem Gefühl zurücklassen, dass da gerade was Großes, fast schon Historisches, passiert ist. Etwas, über das sicher noch lange gesprochen und auch die weitere Reise von „James Bond“ in Zukunft irgendwie beeinflussen wird. Und das darf man ja wohl nicht verpassen, oder? Als großer „James Bond“-Fan schon mal gar nicht. Also ab ins Kino mit euch!

„No Time to Die“ läuft ab dem 30. September im Kino

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