Naht das Ende der kostenlosen Rücksendungen beim Online-Shopping?

„Das Ende naht“ – klingt erstmal ziemlich bedrohlich. Irgendwie endgültig. Fast schon apokalyptisch. Aber sind wir mal ganz ehrlich mit uns selbst. Wäre es das wirklich? Wäre es ernsthaft ein so schrecklicher Verlust, wenn wir gekaufte Artikel nicht mehr ausnahmslos kostenlos an den Anbieter zurückschicken könnten …?

Klingt schon beim zweiten Lesen nicht mehr ganz so dramatisch, oder? Das einzige, was wir mit der Einführung einer Online-Rücksendegebühr nämlich tatsächlich aufgeben müssten, wäre unsere angelernte Bequemlichkeit. Und ist es das nicht allemal wert? „Auf jeden Fall!“ – heißt es jetzt von Seiten der Wissenschaft. Forscher der Universität Bamberg fordern konkret eine solche gesetzlich vorgeschriebene Mindestgebühr für Retouren ein. Ihre am Mittwoch veröffentlichte Studie macht deutlich: Jedes sechste Paket wird zurückgeschickt. Bei Sendungen mit Kleidung und Schuhen betrifft es es sogar fast die Hälfte. Auf diesem Weg entstehen riesige Müllberge, zudem wird das Klima Tag für Tag unnötig stark belastet. Denn jede Hin- und Retoure-Fahrt geht mit der Produktion von CO2 einher.

Bei einigen wenigen Rücksendungen im Jahr wäre dieser Einfluss auf unseren ökologischen Fußabdruck wohl noch verkraftbar. Doch die Zahl der zurückgeschickten Päckchen steigt. Online-Shopping ist schließlich bequem, die finale Produktauswahl kann problemlos zuhause vor dem Spiegel getroffen werden. Also bestellen wir ein Produkt – in zwei Größen und verschiedenen Farben. 490 Millionen zurückgeschickte Artikel kamen so, laut Spiegel Online, allein in Deutschland im Jahr 2018 zusammen.

Eine Rücksendegebühr könnte diese Anzahl laut der aktuellen Studie aus Bamberg um mindestens 16 Prozent senken. Denn alles, was uns Geld kostet, wird plötzlich bewusster hinterfragt. Auf einmal steht da ein Wert hinter dieser Tätigkeit. Also auch hinter dem arbeitsintensiven Rückweg, den heutzutage kaum noch einer auf dem Schirm hat, wenn er online „kaufen“ klickt. Schon ein geringer Betrag von drei Euro würde ausreichen, um das Kaufverhalten zu ändern, erklären die Wirtschaftsforscher – die mit diesen Erkenntnissen auch der Politik Druck machen könnten.

Wie die Gebühr zum Gewinn werden kann

Nicht nur moralisch und klimabedingt gehört die Frage der Forscher aber so unbedingt in den Mittelpunkt gerückt. Denn tatsächlich könnte es für den Verbraucher damit am Ende sogar günstiger werden. Studienleiter Björn Asdecker erklärt: „Die Preise [der Waren] könnten insgesamt sinken, denn der Handel kalkuliert die Kosten der Rücksendungen natürlich mit ein.“

Womit wir wohl wieder bei unserer Ausgangsfrage angelangt sind: Wäre es angesichts dessen wirklich noch so schlimm, sich vor dem Shoppen einmal mehr Gedanken zu machen? Um nicht mehr wahllos einzukaufen, sondern stattdessen mit Bedacht?

Weniger klimaschädliche Transportwege, weniger aussortierte Produkte, dafür ein bewussterer Konsum. Gar nicht mal mehr so gruselig, diese Vorstellung. Die aber vermutlich noch lange brauchen wird, um Realität zu werden. Denn wie so oft hat die Einschätzung der Wissenschaft nur bedingt einen Einfluss auf die Entscheidungen der Politiker … Aber das Thema steht immerhin schon mal im Raum. Und je länger darüber diskutiert wird, desto deutlicher wird vielleicht, welche zahlreichen Vorteile dem vermeintlichen Verlust gegenüberstehen.

Lasst uns Online-Shopping doch einfach grüner und gerechter machen

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