Du überdenkst zu oft? Wie sich Overthinking laut Experten stoppen lässt

Die anstehende Präsentation auf der Arbeit. Das vergangene Streitgespräch mit der besten Freundin. Der unerwiderte Anruf des letzten Tinder-Dates. Die unbezahlte Rechnung auf dem Küchentisch. Der sorgenvolle Blick in eine ungewisse Zukunft…

Es können verschiedene Dinge sein, die uns vom Schlafen abhalten. Die uns die Konzentration rauben und manche Tage beinahe unerträglich werden lassen. Es können viele Dinge sein, die das Gedankenkarussell im Kopf lostreten… und uns in einem Strudel aus Overthinking versinken lassen. War das Studium wirklich die richtige Wahl? Hätte ich mich früher trennen müssen? Bedeutet der neue Job zu viel Verantwortung? Ist der gewählte Zeitpunkt für die Hochzeit der richtige? WIRD MIR DAS NICHT ALLES LANGSAM ZU VIEL?

Solche (oder so ähnliche) Gedanken kennt wohl jede*r von uns. Oftmals sind sie völlig harmlos und treten berechtigterweise immer wieder mal auf. Wir denken darüber nach, setzen uns mit ihnen auseinander – und finden Lösungen im Umgang damit. Was aber, wenn das Überdenken von Problemen zum eigentlich Problem mutiert? Was, wenn ein Thema irgendwann so dauerpräsent ist, dass von Normalität fast gar nicht mehr die Rede ist…?

Auch diese Art des Over-OVER-thinkings hat einen Namen. Und auch hiergegen gibt es Tipps und Hilfestellungen. Rumination nennt sich das Phänomen, bei dem ähnliche Gedanken immer und immer wieder hervorgekramt und durchexerziert werden. Zu Deutsch? Wiederkäuen. Genau das, was Kühe mit ihrer Nahrung tun, machen wir also mit unseren Problemen. Wir schlucken sie herunter, käuen sie wieder herauf … und beginnen mit dem Mahlprozess von vorn.

Overthinking kann sich in diesem Ausmaß zu einer ernsthaften psychischen Erkrankung manifestieren. Und sollte deshalb keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden, erklärt Dr. Ryan Howes via Buzzfeed: „Rumination ist zwar keine eigene Diagnose, kann aber sowohl ein Symptom von Depressionen, als auch von Angstzuständen sein. Depressive Personen zermalmen die Verluste und Fehltritte aus der Vergangenheit, während angstgeplagte Overthinker in einem Meer aus „Was wäre wenn“-Fragen zu ertrinken drohen. Ob es das ist, was wir nicht mehr ändern können, oder das, was wir nicht vorauszusagen wissen – das Gehirn bleibt beim Versuch daran stecken, etwas Unkontrollierbares kontrollierbar zu machen.“

Overthinking schadet uns

Was also zunächst nach einer Form der Problembewältigung klingt, ist letztlich viel mehr der Ursprung davon. Wir ändern nichts an der Vergangenheit, nur weil wir sie zerdenken. Und wir verhindern auch nicht die mögliche Zukunft, indem wir sie uns immer wieder schlechtmöglichst vor Augen führen.

Während viele Probleme durchs Nachdenken und Überlegen also durchaus angegangen werden können, werden sie beim Overthinking durch das ständige Wiederkäuen eher noch verstärkt. Sie werden in einer Endlosschleife wiederholt – ohne dass daraus jemals eine neue Perspektive entsteht. Psychologe und Autor Dr. Guy Winch sagt im Interview mit Buzzfeed dazu: „Rumination führt nicht zu neuen Einsichten oder Erkenntnissen. Sie wirbelt die Gedanken nur immer wieder herum, als wären wir in einem emotional beladenen Hamsterrad gefangen.“ 

Doch wie lösen wir uns denn nun wieder heraus, aus diesem endlosen Kreislauf des Überdenkens? ‚Einfach so abschalten‘ hat in einem solchen Fall schließlich noch nie so wirklich funktioniert… Dr. Winch gibt dazu folgende Einschätzung: „Wir müssen mit dem Wiederholen aufhören, bevor es sich überhaupt erst einschleichen kann.“ Sich das Problem bewusst zu machen ist demnach wohl der erste Schritt in Richtung Besserung. Wenn wir wiedergekäute Gedanken als solche erkennen, bevor sie sich einnisten, haben wir schon viel in uns bewegt: „Wenn sich ein negativer Gedanke einmal wiederholt (oder zu wiederholen droht), müssen wir ihn auffangen und in eine nützliche Problemlösungsaufgabe umwandeln. Wir müssen ihn als Problem verstehen, das gelöst werden kann. Und nicht als eines, das ungelöst bleiben wird.“

Probleme brauchen ein Ablaufdatum

Auch dieser Schritt schafft es aber natürlich nicht immer, jede*n Overthinker*in aus der Endlosschleife zu holen. Was zusätzlich vielleicht helfen kann (auch wenn es noch so sehr weh tut)? Die Gedanken niederschreiben. Einmal aus dem Kopf heraus und auf Papier verbannt, fühlen sie sich im besten Fall gleich weniger schwer und bedeutend an. Und anschließend gilt es: Ablenkung suchen! Ob beim Puzzeln, Stricken, Kreuzworträtsel lösen oder Sprache lernen – alles, was die Konzentration beansprucht, tut gut. Und hilft dabei, dem wiederkehrenden Gedanken keinen einnehmenden Platz mehr zu geben.

Die Experten stellen dabei aber ebenfalls klar: „Es gibt verschiedene Methoden, von Meditation über Achtsamkeitsübungen bis hin zu kognitiven Techniken, die Menschen dabei helfen können, ihr Denken wieder selbst in die Hand zu nehmen. Wenn das alles aber nicht hilft, und eine Person dauerhaft das Gefühl hat, nicht aufhören zu können, dann sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.“

Denn wir erinnern uns: Overthinking kann das Symptom einer psychischen Erkrankung sein. Und muss deshalb unbedingt ernst genommen werden! Nutzt also gerne diese Tipps, versucht den negativen Gedanken einen Riegel vorzuschieben. Und macht euch gleichzeitig dennoch bewusst: Ihr seid nicht allein. Und ihr müsst da auch niemals alleine durch.

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