Warum wir heute alle eine Runde „Patriarchy Chicken“ spielen sollten

Jeden Tag das selbe Spiel. Der Weg zur Arbeit zieht sich wie Kaugummi. Die Bahn bleibt viel zu lange an der Haltestelle stehen, die Straßen sind überfüllt von gehetzten Menschen… und die Strecke scheint sich wegen eines ganz bestimmten Phänomens oft sogar noch zu verdoppeln. Ich laufe nämlich Schlangenlinien durch die Stadt. Warum? Weil ich schnell sein will, Kontakt vermeiden möchte und deshalb allem und jedem auf der Straße im Zickzack auszuweichen versuche.

Aber liegt das wirklich nur an meiner großstadtbedingten Ungeduld? Oder steckt doch mehr hinter meinen ständigen Ausweichmanövern…? Die britische Historikerin Charlotte Riley ist sich jedenfalls sicher: Gerade Frauen tendieren dazu, Platz zu machen und den Weg freizugeben – vor allem dann, wenn Männer ihnen auf der Straße entgegenkommen.

Sofort rattert es in meinem Gehirn. Wie oft sind es tatsächlich Männer, die sich selbstbewusst und geradewegs auf mich zubewegen? Wie oft bin tatsächlich ich diejenige, die automatisch ausweicht? Und legen Frauen generell ein anderes Verhalten an den Tag, schenken sich vielleicht sogar mehr Beachtung?

Riley hat jedenfalls genug vom ständigen Nachgeben und Ausweichen. Denn was auf der Straße zunächst vielleicht nur als nervige Begleiterscheinung wahrgenommen wird, hat einen ganz entscheidenden Hintergrund. Das Verhalten des selbstbewussten Mannes und der ausweichenden Frau lässt sich leider nur zu gut auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen: den Job, das Privatleben, Diskussionen.

Da wird es höchste Zeit, endlich auch mal unseren verdienten Raum einzufordern und ein wenig das Bewusstsein für ein gleichermaßen selbstbewusstes Auftreten zu schulen. Oder, wie die Historikerin es so gerne beschreibt, ein kleines Spielchen zu spielen. „Patriarchy Chicken“ nennt sie ihr ganz bewusstes Nicht-Ausweichen auf der Straße. Wobei sich der Name auf das Konzept des Patriarchats bezieht, wonach der Mann die bevorzugte Stellung in der Gesellschaft inne hat.

Inzwischen „spielt“ sie dieses Spielchen jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und zurück. Die Spielregeln bestechen durch ihre einfache Effektivität: Wir bewegen uns ab jetzt mit einem Lächeln durch die Straßen – und. weichen. nicht. aus!

Dabei geht es keinesfalls darum, Männer per se zu verurteilen oder ihnen Böswilligkeit zu unterstellen. Vielmehr soll auf diesem Weg das Verhalten beider Seiten gespiegelt werden können. Denn tatsächlich werden Männer häufiger so sozialisiert, ihren Raum einzufordern, während Frauen beigebracht wird, nachzugeben, sich versöhnlich zu zeigen oder gar zurückzuhalten.

Was passiert also, wenn wir einfach NICHT MEHR ausweichen?

Die Resultate sind davon ausgehend wohl ebenso erwartbar wie frustrierend. Denn was Frauen erleben, die sich der „Patriarchy Chicken“-Challenge stellen, lässt sich sehr einheitlich zusammenfassen. Es kommt zu häufigen Zusammenstößen mit entgegenkommenden Personen. Hauptsächlich mit Männern. Während Frauen bei Blickkontakt nämlich sehr frühzeitig einen Bogen einschlagen, tendieren Männer tatsächlich dazu, so lange ihren Weg beizubehalten, bis ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt, als zur Seite zu treten. Das kann unangenehm sein und es erfordert natürlich Mut, in so einer Situation weiter draufzuhalten. Doch genau um diese Erkenntnis geht es eben. Warum verlangt dieses Verhalten uns nur so viel ab? Warum ist es für Männer so viel selbstverständlicher, dass ihnen der Weg frei gemacht wird?

Charlotte Riley fordert Frauen gerade deshalb dazu auf, diese routinierten gesellschaftlichen Muster konsequent aufzubrechen: „Lasst nicht zu, dass eure Instinkte und Gewohnheiten dafür sorgen, dass ihr zur Seite tretet. Männer werden in euch hineinlaufen – das ist aber nicht eure Schuld!“

Sei selbstbewusst, freundlich – und vor allem bestimmt!

Natürlich gibt es auch bei diesem Phänomen, wie immer und überall, auch genügend Ausnahmen. Männer können sehr umsichtig sind, Frauen gar nicht auf ihr Umfeld achten. Und natürlich ziehen auch die Umgebung und das Auftreten der eigenen Person die verschiedensten Reaktionen nach sich. Wer aber mit einem Lächeln durch die Welt geht und signalisiert „Hier komme ich“, der sollte eigentlich auch die entsprechende Gegenreaktion erwarten können. Finde ich. Und finden etliche andere Frauen auch, die sich und ihre Umgebung bereits mithilfe des kleinen Spiels getestet haben.

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir einfach alle ein wenig mehr aufeinander achten würden? Wenn das Nicht-Anrempeln eine gemeinsame Sache von allen Beteiligten werden würde? Einfach so, als Menschen die sich wahrnehmen? Ich jedenfalls kann meinen Heimweg jetzt schon kaum noch erwarten… and you knoooow why! 🙊

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