What? Das Home-Office hat negative Auswirkungen auf unseren Zyklus? Was eine Expertin sagt

Witziger Funfact nebenbei: Während ich diesen Artikel hier gerade runtertippe, sitze ich mit Wärmflasche bewaffnet auf meinem Sofa. Hinter mir liegt eine Nacht, die so zu 50 Prozent daraus bestand, mich mit fiesen Unterleibsschmerzen durchs Bett zu kugeln. Jep, Girls, PMS hat mich gerade mal wieder voll im Griff. Lieb’s ja! 🙄 Und ich muss ehrlich sagen, dass ich gerade in diesen Momenten halt echt dankbar dafür bin, dass es so etwas wie Home-Office gibt. Denn mich nach ’ner Nacht mit kaum Schlaf und Krämpfen im Unterleib ins Büro schleppen zu müssen, ist halt echt nicht geil. Obwohl im trèsCLICK-Office natürlich Hose auf und Wärmflasche rein erlaubt ist. Und trotzdem: Die Gewissheit zu haben, entspannt von zu Hause arbeiten zu können, wenn einen die liebe Periode mal wieder killt, ist einfach toll. Obwohl ich gerade tatsächlich darüber nachdenken muss, ob ich aktuell mit noch krasseren Menstruationsschmerzen zu kämpfen habe – eben weil ich im Home-Office hocke?! Und ihr so: Was? Ja, ganz richtig gelesen. Denn aktuell wird immer häufiger davon berichtet, dass das Arbeiten im Home-Office angeblich den Zyklus negativ beeinflussen oder gar regelrecht durcheinanderwürfeln kann. Na, bravo. Als hätten wir nicht schon genug mit Corona und all seinen Nachwehen zu kämpfen… Zumal ja auch schon bewiesen wurde, dass die Corona-Impfung Auswirkungen auf den Zyklus haben kann. Bleibt die Frage, wie da das Home-Office nun noch mit reinspielt? Und ob überhaupt?

Ich musste natürlich direkt bei unserer Gynäkologin des Vertrauens, Prof. Dr. med. Mandy Mangler (Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum) nachhaken. Ihre klare Antwort? JA, das Arbeiten im Home-Office kann sich wirklich negativ auf den Zyklus auswirken.

Der Grund, ganz einfach gesagt: die oftmals komplett veränderten Lebenssituationen, in denen wir alle plötzlich stecken… und die oft eben auch mit weniger Bewegung einhergehen. Denn klar, der Weg zur Arbeit und wieder zurück fällt weg. Und man wird, bzw. wurde im HO vielleicht auch generell etwas fauler. „Wir alle haben erst mal ein hohes Defizit an Bewegung. Das sieht man sogar auch an den Schwangeren, die mehr Gestationsdiabetes haben [Anm. d. Red.: zu hoher Blutzucker]. Und in manchen Teilen der Welt ist es sogar so, wenn man erhöhten Blutzucker hat, dass die Babys größer werden, also dass dadurch sogar dickere Babys geboren wurden.“

» Es wurde mehr Dysmenorrhoe beobachtet, also mehr Schmerzen bei der Menstruation. «
Prof. Dr. med. Mandy Mangler

Aber zurück zum Zyklus, auf den ein Mangel an Bewegung, wie gesagt, ebenfalls negative Auswirkungen haben kann. Hinzu kommen dann auch noch „zum Teil sehr stressige Situationen, die auch nicht durch Bewegung kompensiert werden (…). Ein Zoom-Meeting nach dem anderen oder eine stressige Abgabe jagt die nächste. Oder überhaupt dieses Verschwimmen zwischen Freizeit und Arbeit, was einfach ausufernd ist“, so Mandy. Das Ergebnis aus dieser Kombi von weniger Bewegung und neuem Stress: Unser Zyklus spielt verrückt und die Krämpfe werden gerne mal noch schlimmer. Was mittlerweile sogar bewiesen wurde, wie mir die Expertin erzählt: „Da gab es sogar bereits eine Studie, die das untersucht hat. Also welche Auswirkungen das Home-Office auf den Zyklus hat. Und da kann man jetzt sagen, dass mehr Dysmenorrhoe beobachtet wurde, also mehr Schmerzen bei der Menstruation.“ Joa, hier 🙋‍♀️, würde ich dann mal sagen. Ich bin aktuell das beste Beispiel.

Die Gynäkologin ergänzt an dieser Stelle allerdings auch noch Folgendes:Jetzt ist natürlich die Frage: Warum sind mehr Schmerzen bei der Menstruation beobachtet worden? Kann es sein, dass die Frauen einfach mehr Zeit haben, sich mit ihrem Körper auseinanderzusetzen und sich diesem Thema zu widmen? Weil natürlich auch Ablenkung und Bewegung betäubend wirken, beziehungsweise schmerzlindernd. Und das fällt alles irgendwie weg. Deswegen kann es also sein, dass man alleine durch den Fokus auf den Körper und diese Ruhe, die man auf einmal mehr hat, mehr Regelschmerzen verspürt. Aber das ist alles noch nicht zu Ende untersucht.“ Wie vieles noch nicht. Denn neben der Dysmenorrhoe können ja auch noch Zyklusstörungen vorkommen. Allerdings sei es laut Mandy aktuell etwas schwierig, das alles gezielt zu untersuchen, weil ja auch die Corona-Impfung und die -Infektion zu Zyklusstörungen führen können (was bereits untersucht wurde). „Deswegen kann man das alles nicht so gut auseinanderhalten und es gibt wenig Studien dazu – denn wie immer sind solche Frauenthemen nicht Gegenstand der Studienlage und nicht so interessant für die Forschergruppen, die meistens männlich sind.“

Was man laut Mandy allerdings zusammenfassend sagen kann, ist, dass das Arbeiten von zu Hause auf jeden Fall „zu einem veränderten Zyklus und auch zu schmerzhafteren Zyklen“ führen kann. Ob durch „den Wegfall von Bewegung, durch eine sehr hohe Taktung von Arbeitsmeetings zum Beispiel, durch ein hohes Stresslevel“ oder auch durch einen gestörten Schlaf, der ja gerne mal mit Stress Hand in Hand geht. Hier spielt übrigens auch das blaue Licht von Laptops und Co. eine Rolle, dem wir im Home-Office doch gerne mal mehr ausgesetzt sind (selbst in der Pause, wo gemeinsames Lunchen ja wegfällt). Und frühere Studien haben bereits gezeigt, dass blaues Licht die Produktion von Melatonin unterdrückt, also von dem Hormon, das der Körper auf natürliche Weise produziert, um die Schlafenszeit zu signalisieren. Abbas Kanani von Chemist Click (ein Online-Apothekendienst) sagte dazu gegenüber Cosmo: „Der Menstruationszyklus ist stark mit dem zirkadianen Rhythmus verbunden. Zirkadiane Rhythmen sind 24-Stunden-Zyklen, die Teil der inneren Uhr des Körpers sind. Sie helfen, die Hormonproduktion zu regulieren und können den Eisprung beeinflussen. Wenn diese gestört sind, kann es folglich auch deine Periode beeinflussen.“

Ihr merkt schon, das ist alles irgendwie ein ewiger kleiner Teufelskreis. Ich für meinen Teil habe mir gerade vorgenommen, das nächste Mal, wenn die Krämpfe wieder Hallo sagen, meinen Office-Day trotzdem nicht sausen zu lassen. Erstens lenken mich die Girls ab. Und zweitens bekomme ich dann morgens schon mal mein Popöchen hoch, was das A und O ist, wie auch Mandy sagt: „Unbedingt Bewegung in den Alltag einbauen. Auch wenn es total schwer ist und man seine innere Schweinehündin überwältigen muss. Das ist extrem wichtig und hilfreich bei Zyklusstörungen und bei Schmerzen während der Menstruation.“ Ihr habt es gehört.🩸🙏

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