Warum pflanzliche Alternativen oft doppelt so teuer wie Fleischprodukte sind

Eine positive Anmerkung vorweg: Wer sich vegan oder vegetarisch ernährt, wird sicherlich immer mehr Freude daran haben, Supermärkte zu durchforsten. Das Angebot an leckerem und gesundem Fleischersatz wächst stetig weiter an. Beinahe jede Kette hat pflanzliche Würstchen, fleischlose Pattys und vegane Grillvarianten im Angebot.

Von Verzicht oder Mangel kann also schon lange nicht mehr die Rede sein. Stattdessen im besten Fall aber von neuen Geschmäckern, leckeren Alternativen und spannenden Errungenschaften. Einziges Manko dabei: Preislich unterscheiden sich die pflanzlichen Produkte doch seeeeehr von der fleischhaltigen „Konkurrenz“.

Vor allem Steaks und Grillwürstchen aus Schweinefleisch werden in der Grillsaison zu absoluten Niedrigpreisen auf den Markt gehauen.

Wer die Fleischtheke streift, trifft dort nicht selten auf unvergleichliche Rabattierungen. Ein Kilogramm für 6,36 Euro – durchschnittlich. Da kann der Sojaburger nicht mithalten. Selbst reduziert liegt der Kilopreis hier bei knapp 14 Euro und ist damit doppelt so hoch wie das Pendant aus Fleisch.

Grillfleisch zum Billigpreis

Diese Werte hat die Umweltschutzorganisation WWF in einer Analyse eindrücklich zusammengefasst. Zwischen Ende April und Ende Mai diesen Jahres wurde dabei die Grillfleischauswahl aus 56 Werbeprospekten von acht großen Supermarktketten miteinander verglichen. 922 Angebote insgesamt. Im Schnitt waren dabei 85 Prozent billiger als die pflanzlichen Alternativen im selben Prospekt.

Doch der Preisvergleich ist nicht die einzige Erkenntnis, die durch die Analyse gewonnen werden konnte. Zudem wird deutlich: Kaum eins der Fleischprodukte weist Bioqualität auf. Bei den meisten Angeboten ist stattdessen gar keine Herkunft angegeben. Ein Teufelskreis. Denn von einer artgerechten Haltung kann bei solchen Angeboten definitiv nicht mehr ausgegangen werden.

Trotzdem bleibt die Rabattschlacht natürlich verlockend. Gerade dann, wenn pflanzliche Alternativen so viel weniger leistbar sind. Während tierische Produkte zum Spottpreis verscherbelt werden, wirken Ersatzprodukte plötzlich überteuert – und werfen die soziale Frage nach gleichwertigem Zugang auf. Können sich das wirklich alle Menschen leisten?

Expert*innen kritisieren dieses Preisungleichgewicht: Es bringe Menschen dazu, aus Kostengründen Fleisch den Ersatzprodukten vorzuziehen. Obwohl sie geschmacklich oder aus ethischen Gründen vielleicht sogar zu einem Versuch und Umstieg bereit wären. Wovon letztlich vor allem die Großkonzerne profitieren. Denn auch Landwirt:innen können von solchen Kilopreisen für ihr Fleisch kaum leben. Jedenfalls dann nicht, wenn die Haltung der Tiere eine Rolle spielen soll.

Alternativen werden vielfältig… aber nicht unbedingt verfügbarer

Warum aber kann es zu diesen Preisunterschieden überhaupt kommen? Nun: Natürlich spielt der Faktor hinein, dass sich pflanzliche Alternativen auf dem Markt zunächst noch etablieren müssen. Es braucht einen gewissen Grundpreis, um die Produktion und das Marketing ankurbeln zu können. Auch die Herstellung kann oftmals noch nicht in großen Mengen passieren, was die höhere Bepreisung erklärbar macht.

Darum ist Fleisch so viel billiger als Fleischersatz

Viel entscheidender ist aber, dass Fleischprodukte eigentlich überhaupt nicht so billig sein dürften. Um diese Preise gewährleisten zu können, muss massenhaft Vieh auf engstem Raum gehalten und hochgefüttert werden. Das treibt die Zerstörung wertvoller Lebensräume, wie dem Amazonas Regenwald, voran und heizt das Klima auf. Dennoch bestimmt der niedrigste Preis weiterhin den Markt. Was dem Fleisch einen ganz klaren Wettbewerbsvorteil verschafft, wie auch Tanja Dräger de Teran, Ernährungsreferentin von WWF Deutschland, bestätigt: „Derzeit ist Fleisch […] attraktiver als die umweltfreundlicheren, vegetarischen Grill-Produkte. Nachhaltige Ernährung wird dadurch zu einer sozialen Frage.“

Um dieser Schere entgegenzuwirken und den „Newcomern“ eine Chance zu geben, sollten wir also, wenn irgendwie möglich, doch mal zum Sojapatty greifen. Wenn auch vielleicht seltener, um den Geldbeutel nicht zusätzlich zu belasten. Denn natürlich regt ein rekordverdächtig niedriger Preis auch zum Horten und Überkonsumieren ein. Dann doch lieber einmal weniger grillen, aber eben ganz bewusst – und mit Geschmack.

Auf dass die pflanzlichen Alternativen irgendwann noch mehr Platz im Supermarktregal einnehmen… und auch im preislichen Game endlich mithalten können. Denn mal ganz ehrlich: Würden wir nur nach den objektiven Faktoren wie Haltung, Herstellung und Materialkosten gehen, müsste Grillfleisch eigentlich deutlich teurer sein, als jede vergleichbare Alternative aus Gemüse es jemals sein könnte.

Umso mehr freuen wir uns da natürlich über News wie diese: 👏

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