Der „Pinky“-Menstruations-Handschuh macht SO sauer! Jetzt reagieren die Gründer und Ralf Dümmel

„Das hat mir noch gefehlt, dass Cis-Männer mir vermeintlich lebensrettende Periodenprodukte andrehen wollen.“

„Mansplaining hat eine neue Dimension erreicht.“

„Unfassbar in sowas zu investieren. Zwei weiße Männer sagen, wie wir uns verhalten und fühlen sollen. Periodentabuisierung vom Feinsten.“

„Ich bin geschockt, wie unnötig, umweltfeindlich und sexistisch dieses Produkt ist.“

Wenn ich all die anderen Negativ-Kommentare, die seit Montagabend ebenfalls das Netz fluten, an dieser Stelle zusammentragen würde, würde ich wahrscheinlich in drei Wochen noch hier sitzen. Ja, das Netz brodelt. Und zwar völlig zurecht. Der Grund dafür: ein neues Perioden-Produkt, das am Montag in der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt – und halt ernsthaft auch noch finanziert wurde. Mit 30.000 Euro. Von Ralf Dümmel. Aber lasst mich mal ein wenig ins Detail gehen: Bei dem besagten Produkt, das by the way von zwei Herren erfunden wurde, handelt es sich um einen Menstruationshandschuh, der auch noch den raffinierten Namen „Pinky“ trägt (dazu aber gleich noch mehr). Dieser Handschuh will dazu beitragen, dass Frauen ihre Tampons „hygienisch & diskret“, wie es auf der Website so nett betitelt wird, entsorgen können. Halt immer dann, wenn gerade mal kein Mülleimer oder sowas in der Nähe ist. Mädels? Wollen wir jetzt kurz schon mal aufstehen und applaudieren? Dass da endlich zwei Cis-Männer um die Ecke kommen, um ein riesiges „Frauenproblem“ (ja, ich zitiere erneut) zu lösen? Ey, DANKE! Haben wir alle drauf gewartet.

Menstruationshandschuhe in Pink? Ernsthaft jetzt?

Uuuuuuuuuuund Ironie OFF! Denn mal ehrlich, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, um zu beschreiben, was an diesem umweltverschmutzenden und sexistischen Produkt alles bis zum Himmel stinkt! Ha, stinkt, da hätte ich doch direkt mal das erste richtige Stichwort. Denn wisst ihr, wie die zwei „Pinky“-Gründer Eugen Raimkulow und André Ritterswürden, die sich am Montag bei den Löwen übrigens direkt mal als „echte Frauenversteher“ vorgestellt haben, auf ihr Wahnsinns-Produkt gekommen sind? Passt mal auf: „Wenn man mit mehreren Frauen in einer WG wohnt und nur ein Badezimmer zur Verfügung hat, dann ist ja logischerweise klar, dass man ab und zu auch mal einen Blick in den Mülleimer wagen muss, und da hatten wir schon mehrere Male den Fall, dass wir die typische Entsorgungsart gesehen haben.“ Typische Entsorgungsart heißt übrigens: Tampon in Klopapier wickeln und ab in den Mülleimer damit. Doch diese Variante würde ja dazu führen, dass es nach einiger Zeit „unangenehm“ rieche (Tipp: Müll einfach zeitig rausbringen, wenn so ein Riesenproblem 🙂). „Und man sieht es einfach, weil das Papier durchnässt, und das ist einfach sehr unangenehm.“ Och, GOTTCHEN, mir kommen gleich die Tränen. ‚N büüüüschen Blut auf Papier.

So, und hier kommt dann also der „Pinky“-Handschuh ins Spiel. Den können sich Frauen anziehen, den entnommenen Tampon darin einwickeln, alles zukleben (jep, der Handschuh kommt mit kleinem Klebeband daher) und anschließend in den Mülleimer werfen. Oder in die Hosentasche packen, falls gerade kein Mülleimer in Sicht ist (was auf Festivals oder Reisen ja tatsächlich mal vorkommen kann). Alles garantiert „auslauf- und geruchssicher“. Und „diskret“. Damit auch ja keine „unangenehmen“ Situationen entstehen.

Mag ja ganz „nett“ gemeint sein, ist aber so fucking falsch alles. Denn erstens: Diese Handschuhe implizieren doch, dass die Periode etwas Ekeliges ist. Etwas Dreckiges. Aus diesem Grund zieht man Handschuhe schließlich an, oder? Um sich nicht schmutzig zu machen. Die Periode ist aber nichts Schmutziges! Die Hälfte der Menschheit menstruiert, verdammt nochmal. Das ist etwas völlig Natürliches.

Und zweitens: Die Handschuhe sollen es Frauen dann ja auch ermöglichen, Tampons und Co. „diskret“ zu entsorgen. Und hier könnte ich direkt wieder ausflippen. DISKRET? Ernsthaft? Wir Frauen kämpfen jetzt schon seit Ewigkeiten für die Enttabuisierung der Menstruation.

Dafür, dass sich endlich kein Mädchen und keine Frau auf dieser Welt mehr dafür schämen muss, dass sie menstruiert. Was halt einfach, ich sag es nochmal, völlig NORMAL ist! Und nun sollen wir uns noch pinkfarbene Handschuhe überstülpen. Und warum überhaupt PINK? Lasst! doch! einfach! mal! die! scheiß! Verniedlichungen!, wenn es um das Thema Periode geht. Man.

Und den Aspekt Umweltverschmutzung habe ich ja noch nicht mal angeschnitten. Hallo, 2021?! Und ihr kommt mit noch mehr Plastik-Handschuhen um die Ecke? Handschuhe, die sich von normalen Einweghandschuhen halt nur dahingehend unterscheiden, dass sie pink sind und einen Klebestreifen haben? Dafür aber knapp 12 Euro für 48 Stück kosten. Googelt mal, da kriegste das Doppelte an „normalen“ Einweghandschuhen für die Hälfte des Preises. Ich weiß gerade echt nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Denn geben wir nicht schon genug Geld für andere Perioden-Produkte im Jahr aus? Aber gut. Ich beruhig mich kurz und entlasse euch für einen Moment in ein paar der Twitter-Reaktionen im Netz:

Hat nichts gebracht. Egal. Also weiter im Text. Denn wie bereis erwähnt, hat Ralf Dümmel tatsächlich in dieses Produkt investiert. Ach, und falls es jemanden interessieren sollte: Die zwei Frauen in der „Höhle der Löwen“-Gang haben den Deal mit „Pinky“ übrigens abgelehnt. Obwohl gerade Judith Williams trotzdem sehr hingerissen zu sein schien: „Ihr präsentiert eine Lösung, die extrem vernünftig ist.“ Auch wenn es total sinnvoll und sie total begeistert sei, lehne sie das Investment allerdings ab. Aha. Hätte irgendwie ’ne andere Reaktion erwartet, aber gut.

Die „Pinky“-Frauenversteher melden sich zu Wort

Eine Reaktion gab es mittlerweile übrigens auch von unseren zwei Frauenverstehern Eugen und André. Die meldeten sich jetzt nämlich via Instagram zu Wort. In einem knapp zweiminütigen Video. Hier mal nur ein paar Quotes:

„Selbstverständlich ist die Menstruation etwas ganz Natürliches.“

„Auf keinen Fall wollten wir zum Ausdruck bringen, dass die Menstruation etwas Ekelhaftes sei und die Entsorgung der Hygiene-Artikel im heimischen Mülleimer beschönigt werden müsse.“

„Aus unserer Sicht sollte die Menstruation und alles rund um das Thema schon lange kein Tabu-Thema mehr sein. Wer uns schon länger auf Instagram folgt, weiß, dass wir uns dafür einsetzen, das Thema zu enttabuisieren und eine positive Aufmerksamkeit zu schaffen, die einer Stigmatisierung der Menstruation entgegenwirkt.“

„Die Periode ist selbstverständlich weder schmutzig noch unhygienisch – diese Sichtweise ist uns so fremd, dass wir noch nicht einmal auf die Idee gekommen sind, man könne und so verstehen.“

Jut. Alles gut und schön. Allerdings wirkt das Ganze doch eeeeeeeetwas einstudiert, wenn ihr mich fragt. Ich seh förmlich, wie im Hintergrund der Teleprompter mitgelaufen ist 😆… was die Sache meiner Meinung nach dann doch etwas unglaubhaft macht.

Und an dieser Stelle muss ich einfach noch kurz Jana Heinisch zitieren, die ebenfalls unter dem Video der beiden kommentierte: „Alles in allem mein Tipp: Nutzt die mediale Aufmerksamkeit, vergesst den pinken Quatsch und macht was Neues, das wirklich Sinn macht. (Und damit meine ich keine blaue Ejakulat-Handschuhe für Männer mit Rennautos drauf. Obwohl es putzig wäre…)“ Hahahahaaaaaaa! 👌😂

Ralf Dümmel: „Das Positive ist, dass durch die hitzige Diskussion die öffentliche Darstellung der Periode viel Aufmerksamkeit bekommt“

So, und Leute, mir hat das Thema natürlich einfach keine Ruhe gelassen. Deswegen musste ich auch bei Ralf Dümmel, der für diesen „pinken Quatsch“ ja nun 30.000 Euro in die Hand nehmen will, nachhaken. Sein Exklusiv-Statement gegenüber trèsCLICK:

„Eugen und André haben mit Pinky für Aufmerksamkeit gesorgt, weil sie sich dem wichtigen Thema Menstruation widmen. Dennoch ist den Gründern durch die vielen berechtigten Hinweise zum Produkt und zum Auftritt klar geworden, dass es ernstzunehmende Kritikpunkte gibt, die den beiden als Männer-Team schlichtweg nicht bewusst waren. Periode ist ein politisches Thema. Und ich gebe zu, dass ich dem nicht die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet habe. Ich hielt es für einen Problemlöser, der Menstruierenden unterwegs, zum Beispiel auf Festivals, hilfreich sein würde.

Das Positive ist, dass durch die hitzige Diskussion die öffentliche Darstellung der Periode viel Aufmerksamkeit bekommt. So werden diverse Positionen sichtbar und wir können alle dazu lernen, auch ich. Das müssen wir auch. Es gilt jetzt, sich zu vernetzen, das Feedback ernst zu nehmen und das Thema umfassend zu überdenken.

Ein Punkt ist mir besonders wichtig: Die Frage, ob Gründer:innen, die Produkte, die vorrangig Frauen ansprechen sollen, entwickeln, auch weiblich sein müssen, führt meiner Meinung nach wiederum vollkommen in die falsche Richtung. Grundsätzlich sollten die Geschlechter der Gründer:innen kein Merkmal sein bei der Frage, ob ein Produkt Relevanz hat oder nicht. Es gibt tolle Gründerinnen, die starke Produkte für eine männliche Zielgruppe entwickeln. Und das ist auch gut so. Andersrum muss es genauso möglich sein.

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich all die Nachrichten und Kommentare lese. Ich möchte mich bei allen entschuldigen, dass ich dem Thema Periode bisher nicht ausreichend Aufmerksamkeit gewidmet habe – Das werde ich ab jetzt ändern.“

Thanks, Ralf! 🙏 Das ist doch definitiv eine Aussage, mit der sich arbeiten lässt. Und ich will an dieser Stelle nur noch ein paar Dinge loswerden. Denn dass ich den „Pinky“-Handschuh (wie viele andere da draußen auch) für großen Mist halte, dürfte deutlich geworden sein. Das ganze Ding ist einfach scheiße (bis gar nicht) durchdacht und auch die Art, mit der Eugen und André ihr tolles Produkt bewerben, zeigt klar, dass die Zwei sich mit dem Thema der Enttabuisierung der Periode eben noch nicht ausführlich genug auseinandergesetzt haben. Doch in einem Punkt muss ich dem „Höhle der Löwen“-Investor in seiner Aussage tatsächlich Recht geben. Denn jetzt stur zu behaupten, Männer könnten keine Produkte für Frauen erfinden (so wie es aktuell in vielen Kommentaren mitschwingt), ist einfach auch etwas kurz gedacht. Oder meint ihr nicht?

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