Du hast ein schlechtes Gewissen, wenn du Plastikflaschen benutzt? Dann bitte hier entlang!

Life in plastic, it’s fantastic…“ – wäre der Song „Barbie Girl“ von Aqua aus dem Jahre 1997 heute veröffentlicht worden, so könnte die Band wahrscheinlich nicht nur unmittelbar einpacken, sondern am besten auch gleich auswandern. 

Plastik ist zur Inkarnation des Schlechten geworden, zum „l’enfant terrible“ der Verpackungsindustrie. Doch weshalb genau? Hat Plastik unter bestimmten Umständen eventuell die bessere Ökobilanz als die Alternative aus Glas?

Wie viel wissen wir über Plastik, seine Herstellung sowie seine Entsorgung?

Wir besuchten in Évian-les-Bains, nahe des Genfer Sees, die Quelle, aus der das natürliche Mineralwasser evian entspringt und erfuhren interessante Insights zu Themen wie der Herstellung von Plastikflaschen, Carbon Footprints sowie dem Weg zu einem klimaneutralen Unternehmen.

Plastik ist als Verpackung nicht mehr wegzudenken. Das Problem dabei? Am Ende seiner Einsatzzeit landen die Plastikteile häufig im Abfall, dabei handelt es sich um eine wertvolle Ressource.

„Das Forbes-Magazin“ und der „The Guardian“ haben aus den Ergebnissen aus einer „Ellen MacArthur Foundation-Studie“ folgende schockierende Prognose geteilt: 2021 wird die Zahl der verkauften Plastikflaschen um weitere 20 % gestiegen sein: Auf 500 Milliarden Stück im Jahr. Werden jene leeren Plastikflaschen dann nicht ordentlich und organisiert verwertet, kommt es zu großen Umweltproblemen.

Aber wie wird aus diesem Umweltproblem eine wertvolle Ressource?

Sind Plastikflaschen an sich das große Problem oder sind sie fälschlicherweise zu einem Sinnbild für unseren nachlässigen Umgang mit Plastik geworden?

Schauen wir uns doch Plastikflaschen einmal näher an:

Was genau ist PET?

PET aka. Polyethylenterephthalat ist ein Kunststoff aus der Familie der Polyester. Aus PET werden Kunststoffflaschen, PET-Flaschen, oder auch Textilien hergestellt.

Was genau ist rPET?

rPET ist die Abkürzung für recyceltes PET. Es handelt sich hierbei also nicht um frisch produziertes PET aus Erdöl, jener endlichen Ressource, sondern um recyceltes Polyethylenterephthalat, das bereits für Verpackungen genutzt wurde und durch einen Recylingprozess (leere Flaschen werden gesammelt, gesäubert und eingeschmolzen) für die erneute Verwendung aufbereitet wurde. Durch den Einsatz von recyceltem PET in Verpackungen entsteht ein Recycling-Kreislauf und der Bedarf an frischem PET wird verringert.

evians PET-Flaschen beispielsweise sind bereits zu 100% recyclebar und enthalten heute 25% rPET. Warum noch keine 100%? Weil rPET weltweit bisher noch nicht in den Mengen verfügbar ist, die es dafür braucht, denn heute kann nur aus einer PET-Flasche wieder eine PET-Flasche werden. Deswegen arbeitet evian mit einem Start-up namens „Loop Industries“ zusammen, welches eine Technologie entwickelt, durch die es möglich ist, aus jeglicher Art von Plastik hochwertiges rPET herzustellen. So kann nicht nur aus einer PET-Flasche, sondern auch aus einer Sporttights oder der Tofu-Verpackung wieder eine Flasche werden.

Ein neues System zur Quellwasser-Versorgung für den Hausgebrauch in Zusammenarbeit mit „Loop Industries“ ist evians aktuellster Coup im Kampf zur Reduzierung von Plastikmüll: Dafür wurde eine 5-Liter-Flasche designt, die zu 100% aus recyceltem PET hergestellt sein wird und sich wiederum auch zu 100% recyclen lassen soll. Diese wird auf einen Wasserspender geschraubt und schrumpft, je mehr Wasser über den Hebel-Hahn ins Glas oder die Reuse-Wasserflasche rausgelassen wurde, in sich zusammen und kann dann recyclet werden und durch eine neue 5-Liter-Bubble ersetzt werden. Pilotprojekte dazu sind in London und Paris geplant.

Aber warum verwendet evian überhaupt PET-Flaschen anstelle von plastiksparenden Glasflaschen?

Weil Glas 25-mal schwerer ist als Plastik und somit einen höheren CO2-Fußabdruck hat. „Zwar lässt sich Glas leicht recyceln, doch selbst im Recycling wird das Material auf mehr als 1000 Grad erhitzt“, bestätigt auch Carbotech-Seniorpartner Fredy Dinkel im Gespräch mit der FAZ. 

Selbst, wenn es Glas Mehrwegflaschen, also wiederbefüllbare Flaschen, sind, müssen sie extrem heiß und mit Spülmittel ausgespült werden. Auch das verbraucht Energie. Deshalb empfiehlt sogar der Naturschutzbund Nabu in einem FAZ-Artikel zum Thema Plastik: „Getränke sollte man aus Umweltgesichtspunkten nicht in Glasflaschen kaufen.“ Zumindest in den Ländern, in denen ein Pfandsystem existiert. Durch das Pfandsystem in Deutschland werden beispielsweise 97,3 Prozent aller PET-Einwegpfandflaschen zum Handel zurückgebracht und können so recycelt werden. Das sieht aber in anderen Ländern ganz anders aus.

Weshalb Recycling so wichtig ist

Gut entsorgtes Plastik ist nur ein kleines Problem, Plastik in der Umwelt entsorgt jedoch ein extrem großes. Die Müllverarbeitung in Deutschland ist jedoch beispielsweise sehr gut organisiert – so sagt es Sébastien Humbert bei der Schweizer Umweltberatung Quantisim Artikel der FAZ: „In Deutschland landet das Plastik nicht im Meer. 90 Prozent des Plastiks in den Weltmeeren stammen aus zehn Flüssen in Asien und Afrika. Mancher Umweltschützer hat Angst, dass darunter auch Plastik aus Deutschland ist, das zum Recycling nach Asien exportiert wurde. Doch das sei unwahrscheinlich, glaubt Humbert: Dieses recycelbare Plastik sei wertvoll, das werde nicht achtlos in die Flüsse geworfen. Recycling ist gut, Müllverbrennung aber auch nicht immer schlecht: So wird aus den Verpackungen am Ende immerhin noch Wärme oder Strom, und verbranntes Plastik landet sicher nicht im Meer. Verzichten Sie nicht in Stuttgart oder München auf Plastik“, so Humbert.

Wenn Sie hier gegen Plastik vorgehen, wird es nur durch Glas ersetzt, und das ist noch schlechter.“

Was tut evian, um seinen Einfluss auf die Umwelt kontinuierlich zu reduzieren?

Das Team von evian weiß, dass das sie nicht perfekt sind und dass sie noch einiges tun müssen, um ihren Einfluss auf die Umwelt kontinuierlich zu reduzieren. Deswegen ergreifen sie drei konkrete Maßnahmen: Sie schützen die Quelle, sie machen sich dafür stark, dass die industrielle Verwendung von Plastik grundlegend verändert wird (von einem linearen zu einem zirkulären System) und sie wollen bis zum Jahr 2020 weltweit klimaneutral zertifiziert werden.

Aber warum überhaupt natürliches Mineralwasser trinken? Um das Engagement von evian zu verstehen, muss man wissen, dass natürliches Mineralwasser ein reines Naturprodukt ist. Es wird über Jahrzehnte hinweg durch Gestein gefiltert und ist deswegen besonders rein – obwohl es nicht, wie andere Wasserarten, chemisch aufbereitet wird. Genau deswegen ist die Natur, die die Quelle umgibt, so entscheidend. evian entspringt hier, im Herzen der französischen Alpen. Die Quelle ist von einem 35 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet umgeben. Der Schutz der Natur ist also ein essentieller Teil der DNA von evian, denn indem die Natur geschützt wird, wird auch die Qualität von evian geschützt.

Aber die Verpackungen müssen verändert werden, und zwar schnell, denn die Zeit rennt. evian arbeitet zum einen mit Hochdruck daran, den Anteil an recycelten Materialien in den PET-Flaschen zu erhöhen. Zum anderen rütteln sie ordentlich an bestehenden Konzepten.

Ein neues System zur Mineralwasser-Versorgung für den Hausgebrauch stammt beispielsweise aus der Zusammenarbeit mit Virgil Abloh, der seit 2019 “Creative Advisor for Sustainable Innovation Design” bei evian ist. Gemeinsam wurde gerade ein Testpilot in London und Paris gestartet: evian in einer 5 Liter “Bubble”, deren Verpackung zu 100 Prozent aus recyceltem PET besteht und die im Vergleich zu einzelnen PET-Flaschen 66 Prozent weniger Plastik benötigt. Dazu gibt es eine wiederverwendbare Trinkflasche – auch designt von Virgil Abloh.

Das Entstehen einer Plastikflasche: Hier seht ihr die Flaschen als „Preform“ sowie als aufgeblasene, fertige Flasche.

Unsere Redakteurin Kathi im evian-Abfüllwerk in Évian-les-Bains nahe des Genfer Sees

Weshalb Commitments und Engagement für ein Unternehmen wie evian so wichtig sind

Zuerst einmal weil – wie in jedem anderen Unternehmen auch – bei evian Menschen arbeiten, die für die nächste Generation eine bessere Welt hinterlassen wollen. Das ist sicherlich der idealistischste Grund. Aber wenn man die Leute vor Ort kennengelernt hat, kann man sich das wirklich gut vorstellen.

Zum anderen weil sich der Anspruch der Konsumenten an große Unternehmen völlig zurecht geändert hat. Das Team bei evian will den Einfluss des eigenen Businesses auf die Umwelt kontinuierlich reduzieren. Dass man Verantwortung übernehmen muss, ist dem Unternehmen schon lange klar. Bereits 1972 stellte Antoine Riboud (ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Danone Gruppe) fest: „Es gibt nur eine Erde. Unsere Verantwortung als Unternehmen endet nicht am Werkstor oder an der Bürotür.“

Und zu guter Letzt, weil ihr Business selbst davon abhängig ist. Die Qualität des  Produktes kann nur so gut sein, wie die Umwelt, aus der es kommt. Wenn evian die Umwelt nicht schützt, dann ist ihr Produkt, aber auch die gesamte Unternehmung gefährdet.

Wie sie das machen? Sie haben beispielsweise zwischen 2008 und 2012 den eigenen CO2-Fußabdruck um 40% reduziert. Außerdem haben Sie in enger Zusammenarbeit mit lokalen Landwirten, die im Quelleneinzugsgebiet leben und arbeiten unter anderem eine Methangas-Anlage erbaut. So landet die Nitrat-lastige Gülle nicht auf den Wiesen, sondern wird zu einem hochwertigen Dünger aufbereitet. Ganz nebenbei entsteht so natürlich auch noch Energie, die auch das evian Abfüllwerk versorgt.

Das ist ein weiterer Schritt hin zur weltweiten Klimaneutralität der Marke bis 2020 – ebenfalls ein Commitment von evian. Ein wichtiger Meilenstein für diese Verpflichtung wurde kürzlich erreicht: Nachdem die evian Abfüllanlage, welche wir in Évian-les-Bains besuchten, bereits seit zwei Jahren klimaneutral abfüllt, ist jetzt die gesamte Marke evian in Deutschland klimaneutral – zertifiziert vom unabhängigen Carbon Trust.

Wie wurde evian klimaneutral?

Durch die weltweite CO2-Emissionsreduktion von 40% innerhalb der letzten Jahre. Um den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, hat evian beispielsweise die Energieeffizienz am Abfüllstandort in Évian-les-Bains verbessert sowie sein Anteil an recycelten Materialien (rPET) erhöht. Parallel zur CO2-Reduktion kompensiert evian seine verbleibenden Emissionen.

Seit zehn Jahren arbeitet man dafür mit den Livelihoods Funds zusammen. Dieser Fonds bietet Unternehmen die Möglichkeit, CO2-Emmissionen auszugleichen sowie gleichzeitig Projekte mitzugestalten, welche positive soziale sowie wirtschaftliche Auswirkungen haben: Beispielsweise der Schutz von Wasser-Ökosystemen sowie die Unterstützung ländlicher Gemeinschaften durch das Anpflanzen von mehr als 130 Millionen Bäumen weltweit. Darunter 85 Millionen Mangroven. Zur besseren Vorstellung: Das entspricht der Gesamtfläche von Paris. 

Praktisch: An der Source Cachat in Évian-les-Bains kann das evian-Wasser kostenlos aus der Quelle abgefüllt werden.

Diese Bäume absorbieren Kohlenstoff und produzieren Sauerstoff. Dadurch sollen die Kohlenstoffemissionen auf natürliche Art verringert werden.

Was Du persönlich tun kannst, um Deinen Carbon Footprint zu verbessern

Überdenke dein grundsätzliches Konsumverhalten. Bringst du ein kaputtes Kleid zur Schneiderin oder wirfst du es weg?

Beschäftigst du dich wirklich mit den Lebensmitteln, die du isst und trinkst und welche Verpackung sinnvoll ist? Entsorgst du deinen Müll so, dass er gut recycelt werden kann?

Deshalb: Schätzt wert was ihr habt. Schmeißt nicht alles leichtfertig weg. Hinterfragt Unternehmen kritisch und schätzt es, wenn Menschen etwas verändern wollen!

Hier seht ihr trèsClick-Redakteurin Kathi am Impluvium, dem Quelleneinzugsgebiet, zusammen mit Cathy le Hec, die bei evian u.a. für den Schutz des Quelleneinzugsgebietes verantwortlich ist.

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