Dieser Typ hatte das BESTE Demo-Schild beim G20 und wir haben mit ihm geschnackt

Andre Kramer wollte eigentlich echt nur einkaufen gehen. Einfach fix im Supermarkt ein paar Lebensmittel zusammensammeln und wieder nach Hause. Aber momentan ist das in Hamburg nicht so einfach, zumindest nicht, wenn man in St. Pauli, Altona oder der Schanze wohnt. Denn seit dieser Woche herrscht ein absoluter Ausnahmezustand bei uns in der Hansestadt. Hubschrauber kreisen ununterbrochen, ständig hört man Sirenen, an jeder Straßenecke steht mindestens ein Streifenwagen und in einigen Stadtteilen brennen seit dem 06. Juli Autos.

Grund dafür ist der G20-Summit, der am 07. und 08. Juli eben genau hier stattfindet. Seit Wochen wird die Stadt auf das Treffen der 20 wichtigstens Staats- und Regierungschefs der Industrie- und Schwellenländer vorbereitet. Von Beginn an wurde mit vielen Protestaktionen gerechnet, die Polizeipräsenz in der Stadt wurde daher massiv aufgestockt.

Bei der Anti-G20-Demonstration „Welcome to Hell“, die gestern mit einigen tausende Menschen zunächst superfriedlich von statten ging und zu einem späteren Zeitpunkt komplett ausartete, wollte ein Großteil der Demonstranten ein Zeichen gegen das Treffen der 20 ökonomisch stärksten Länder setzen.

Und einer, wollte – wie schon erwähnt – einfach nur zum Supermarkt. Mit seinem Protestschild. Das geht derzeit viral und wir wollten es uns natürlich nicht nehmen lassen mit Andre zu sprechen.

TC: Andre, wie kamst du auf die Idee mit dem Schild? 

Ich wollte wirklich nur kurz zu Edeka. Ich wollte einkaufen gehen und seit einer Woche ist mein Viertel, St. Pauli, nicht mehr mein Viertel. Manche Demonstranten machen das hier friedlich, manche sind gewaltbereit, die Polizei demonstriert Präsenz, die G20-Teilnehmer demonstrieren ihre Macht und ich wollte einfach gegen alle demonstrieren. Und dann hab ich diese Idee gehabt und bin aus der Haustür raus und auf dem Weg zum Edeka bin ich 10 Meter weit gekommen, da haben die erste Leute angefangen Fotos zu machen.

» Meine Oma rief an und meinte: "Junge, da war ein Mann im Fernsehen, mit so einem Schild, der sah aus wie du!". «

TC: Wie hast du erfahren, dass dein Protestschild so viral geht? Und hättest du damit gerechnet?

Nee, ich hab da überhaupt nicht mit gerechnet. Mit so was rechnet man ja auch nicht. Wie gesagt, ich bin 10 Meter weit gelaufen, da haben die ersten Leute Fotos gemacht und ich bin nicht bis zum Edeka gekommen, weil so viele Menschen Bilder gemacht haben. Und nach 45 Minuten haben mich schon wildfremde Menschen erkannt, haben mir ihr Handy unter die Nase gehalten, weil ich in irgendwelchen WhatsApp-Gruppe von ihnen mit meinem Bild zu sehen war. Und so ging das los.

TC: Und wann haben deine ersten Freunde dir Nachrichten geschickt, so nach dem Motto „Hey, dein Bild geht grad voll rum!“?

Das Witzigste war, dass nach zwei Stunden meine Oma angerufen hat und meinte: „Junge, da war ein Mann im Fernsehen, mit so einem Schild, der sah aus wie du!“.

TC: Hast du so etwas schon mal gemacht? Also ein so deutliches Statement demonstriert? 

Das war das erste Demo-Schild meines Lebens und ich hab’s in zwei Minuten gemalt.

TC: Was ist deine Meinung zu G20 und der G20-Protest-Eskalation? Schließlich bist du in St. Pauli wirklich mittendrin. 

Das Schlimmste für mich ist eigentlich, dass es abzusehen war. Sowas auf St. Pauli und in der Schanze zu machen, wo man eben weiß, dass dort mit der „roten Flora“ eines der aktivsten linksautonomen Zentren Europas sitzt. Das ist, als würde man Snowboard-Urlaub in Mordor buchen. Man weiß es einfach. Es ist unfassbar dumm.

TC: Du hättest dir also gewünscht, dass man das an einem komplett anderen Ort stattfinden lässt und nicht in Hamburg?

Ich finde, die sollten sich einfach auf einem Kreuzfahrtschiff treffen. Da nimmt man noch Journalisten der 20 größten Presseagenturen der Welt mit, damit die unabhängige Berichterstattung gesichert ist und dann ist man da auf dem Wasser und dann ist gut. Was das auch alles kostet. 130 Millionen sind angeschlagen und das wird niemals reichen. Was man mit dem Geld alles hätte Gutes machen können. Es ist einfach die pure Verschwendung.

Und übrigens, Andres Geschichte hat ein richtiges Happy End!

Das Bild vom Schild ist natürlich auch nicht am Edeka-Social-Media-Team vorbeigekommen. Die Supermarktkette postete folgendes Bild als Antwort:

Das lies Andre natürlich nicht unkommentiert. TC: Was hast du zu der Antwort von Edeka gesagt?

Ich hab denen geantwortet und ich hab mich bedankt, dass sie mir Sachen vorbeibringen wollen und, dass ich darauf verzichte und ich mich viel mehr freuen würde, wenn sie die Lebensmittel, die sie mir bringen wollten, lieber an die Obdachlosen an der Reeperbahn spenden würden.

TC: Und was hat Edeka dazu gesagt?

Ja, das machen sie!

Da kann man wohl sagen, dass Andres stiller Protest gegen die Proteste, Gewaltausschreitungen und den absoluten Ausnahmezustand in unserer schönen (Wahl-)Heimatstadt ein richtiges Happy End hat und – im Gegensatz zu allen anderen Aktionen – sogar wirklich etwas für den guten Zweck gebracht hat.

Danke, Andre!

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