Räucherlachs? Geht auch in vegan, aus Möhren – und vor allem selbstgemacht

Die Odyssee beginnt bereits im Supermarkt. Möhren? Kein Problem. Nori-Blätter? Auch noch auffindbar. Aber wo zum Teufel bekomme ich bitte Liquid Smoke als Zutat her? … Ihr merkt schon. Alles nicht so einfach, was diesen, meinen DIY-Versuch betrifft. Dabei klingt die Aufgabe zunächst doch recht überschaubar. Ich will einen Lachsersatz aus Karotten herstellen. All vegan, all yummy. So jedenfalls der ambitionierte Plan. Die Realität sieht dann aber doch etwas anders aus… und lässt mich von einem Biomarkt in den nächsten streifen.

Klar, grundsätzlich würde ich das flüssige Raucharoma auch online ohne weiteres kriegen (hier zum Beispiel). Und für viele, die nicht gerade in der Großstadt wohnen, ist das sicherlich auch die unkomplizierteste Möglichkeit – um überhaupt mit dem Zaubern beginnen zu können. Ich aber wohne in Berlin – und habe mir die Beschaffung all meiner Rohstoffe zum wichtigen Bestandteil der aktuellen Aufgabe gemacht (weil: kein unnötiger CO2-Verbrauch und Verpackungsmüll).

Schließlich will ich nicht einfach ein Rezept in die Zeilen tippen und dabei so tun, als müsste jeder bereits wissen, wo Liquid Smoke zu finden ist – oder in welchem Küchenregal gekramt werden muss. Also tigere ich von einem Markt zum nächsten. Jeder Spaziergang hat auf einmal ein neues, immer verzweifelteres Ziel. Wie komme ich bloß an den Flüssigrauch heran?

Do it yourself – aber mit Vorbereitung bitte

Fündig werde ich schließlich in einem gut sortierten Bioladen… 20 Minuten Fußweg entfernt. Nicht unbedingt eine Strecke, die jede*r für eine vegane Lachsalternative auf sich nehmen würde. Also disponiere ich kurzerhand um. Denn dieses „Do it yourself“-Projekt soll schließlich auch wirklich für alle selbstständig machbar sein. Ich probiere also zwei Rezepte aus. Eines mit und eines ohne Raucharoma. Um mir selbst und euch die Wahl zu lassen. Na gut, und ganz vielleicht auch, um abschließend den ultimativen Geschmackstest vorzunehmen.

Vorab wird nun aber erstmal gekocht. Und eine gute Nachricht kann ich an dieser Stelle glücklicherweise bereits loswerden: Ab jetzt wird alles einfacher! So schwierig der Karottenlachs in der Beschaffung auch gewesen sein mag – die Herstellung läuft smooth, quasi eins A mit Frischkäsehäubchen (oder so). Denn das Prozedere nimmt insgesamt tatsächlich nur 30 Minuten in Anspruch. 30 Minuten braucht es, bis die eingelegten Karottenscheiben – einmal mit, einmal ohne Liquid Smoke – von mir im Kühlschrank verstaut werden. Bereit, nach einer Ziehdauer von 60 Minuten dem großen Finale entgegenzutreten.

Wenn die Karotte zum Räucherlachs wird

Ganz so weit sind wir jetzt allerdings noch nicht. Denn auch der Prozess an sich will ja gewürdigt werden. Für mich, als ehemals große Fischliebhaberin, ist dieses DIY-Projekt nämlich quasi die Feuerprobe. Kann ich (noch dazu ohne viel Aufwand) eines meiner liebsten Lieblingsgerichte aus der Vergangenheit nachkreieren? Vergangenheit deshalb, weil ich mich seit mehr als zwei Jahren vegan ernähre – und damit auch Fisch vom Speiseplan gestrichen habe. Nicht etwa, weil er mir nicht mehr schmeckt. Sondern viel mehr, weil die Überfischung unserer Gewässer mit einem nachhaltigen Konsum schon lange nichts mehr zu tun hat.

Schwer fällt es mir manchmal dennoch, ganz klar. Ich komme zwar nicht unbedingt in Versuchung… auf der Zunge spüren wollen würde ich den Geschmack (und das Erlebnis dazu!) aber natürlich trotzdem liebend gerne wieder.

Wie gut also, dass ich mit diesem Wunschdenken nicht alleine bin. Und so gibt es inzwischen auch konventionell bereits einige Lachsalternativen aus Karotten zu kaufen. Am ökologischsten bleibt aber natürlich weiterhin die Eigenkreation. Womit wir auch schon wieder bei meinem Kühlschrankinhalt wären.

Fischlein marinier‘ dich!

Für den perfekt fischigen Karottenlachs ist dabei vor allem die Marinade entscheidend. Ein Mix aus Reisessig, Nori-Blättern (ihr wisst schon, das algige Grünbraun um’s Sushi herum), Speiseöl und Liquid Smoke – oder alternativ dazu Sojasoße und eine Prise Salz. Einfach angerührt und rein mit den Karotten. Die müssen zuvor lediglich geschält, geschnitten und in kochendem Wasser gedämpft werden. Lasst euch mit dem Köcheln ruhig Zeit, dieser Schritt ist anschließend nämlich für die Konsistenz eures ‚Räucherlachs‘ verantwortlich.

Die anschließenden Minuten im Kühlschrank werden für mich zur zweiten großen Herausforderung. Ständig will ich naschen, minütlich tigere ich um den tiefen Teller herum, in dem sich nun die weichen Karotten mit der Marinade vereinen. Das Warten aber lohnt sich. Versprochen. Jedenfalls für alle, die Fisch geschmacklich so sehr lieben, wie ich es tue. (O-Ton mein Freund, bei der Geschmacksprobe: „Uh, das schmeckt aber ARG fischig“ – na, wer sagt’s denn! 😁)

Und aus meiner neugewonnen Erfahrung kann ich selbstbewusst sagen: Es wird sogar noch besser. Von Stunde zu Stunde ein wenig mehr. Denn je länger die Möhrenscheiben in ihrer Marinade ziehen dürfen, desto intensiver nehmen sie auch den Geschmack des würzigen Gemischs an. Ausschlaggebend sind dabei vor allem die Algen – und, ihr könnt es euch denken, das Raucharoma. Denn, so leid es mir im Nachhinein auch tun mag, der Testlauf ohne Liquid Smoke schmeckt einfach weniger… geräuchert. Und somit auch weniger nach Fisch. Oder Lachs. Oder gar dem realen Geschmackserlebnis aus der Vergangenheit. Mit der zweiten Variante aber, eröffnet sich mir tatsächlich ein komplett neuer, alter Horizont. Ja, Karottenlachs schmeckt nach Räucherlachs. JA, die selbstgemachte Variante schmeckt sogar noch besser, als die aus dem Supermarkt. Und YEEES please, dieses Rezept wird definitiv zum Dauerbrenner in meiner Küche werden. Ausreichend Omega-3-Fettsäuren haben schließlich noch niemandem geschadet! Aber das ist wieder ein anderes Thema. 😏

Props gehen dabei raus an Zucker & Jagdwurst (danke für den perfektesten Lachsersatz!):

Hier geht’s direkt zum Rezept

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