In jedem zweiten Stück Hühnerfleisch wurden resistente Keime nachgewiesen – was das zu bedeuten hat

Es ist (leider) längst nicht das erste Mal, dass eine solche Studie Schlagzeilen macht. Und doch ist es immer wieder wichtig, die Ergebnisse daraus in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. Was bedeutet: Wir sprechen heute über Hühnerfleisch. Über jenes, das in so zahlreichen Discount-Supermärkten ausgelegt – und vor allem eingekauft wird.

Und wir sprechen über Zahlen… die uns bereits beim Gedanken daran den Magen umdrehen. Veröffentlicht wurden diese am Dienstag von der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Germanwatch e.V. (mehr dazu hier). 165 Hähnchenfleischproben der drei größten Geflügelkonzerne (PHW, LDC & Plukon) hat die Organisation für die Studie entnommen und im Labor testen lassen. Insgesamt 51 Prozent davon wiesen dabei antibiotikaresistente Krankheitserreger auf.

Heißt im Umkehrschluss für die Verbraucher*innen? Über die Hälfte des Hähnchenfleischs, das wir in Discountern wie Aldi oder Lidl kaufen, ist mit Keimen kontaminiert. Und zwar mit solchen, die eigentlich nicht in unsere Nahrung gehören.

Schuld an dieser besorgniserregend hohen Zahl ist die Massentierhaltung. Durch unhygienische und beengte Haltungsbedingungen der Tiere können sich bakterielle Infektionserkrankungen rasend schnell ausbreiten. Um dem damit verbundenen (wirtschaftlichen) Verlust vorzubeugen, bekommen Hühner – aber auch alle anderen ‚Nutz’tiere – Antibiotika zugefüttert. Und das nicht zu knapp. 2017 waren es laut Recherchen des Sterns bereits rund 733 Tonnen, die für die Mastzucht verwendet wurden.

Jedes zweite Stück Hähnchen ist belastet

📺 Neue Germanwatch-Studie heute Abend 21 Uhr bei Frontal21: Hähnchenfleisch der PHW-Gruppe, Deutschlands größtem...

Gepostet von Germanwatch e.V. am Dienstag, 27. Oktober 2020

… & gekauft wird es trotzdem

Nicht gerade verwunderlich also, dass sich dabei auch Resistenzen – also Unempfindlichkeiten – gegen jene Medikamente bilden. Genauso wenig ist es verwunderlich, dass diese resistenten Erreger mitsamt dem Stück Fleisch irgendwann auf unseren Tellern landen. Gefährlich ist das in vielerlei Hinsicht. Nicht nur, weil wir auf diesem Wege über unsere Nahrung schädliche Stoffe zu uns nehmen. Sondern auch, weil diese Resistenz gegen Antibiotikawirkstoffe übertragbar ist. Müssen wir irgendwann also entsprechend behandelt werden, kann es sein, dass das Medikament nicht mehr anschlägt – und wir in Lebensgefahr geraten.

Germanwatch formuliert das Problem wie folgt: „Wir haben Hähnchenfleischproben der drei größten EU-Produzenten im Labor testen lassen: Jede 3. Probe wies sogar Resistenzen gegen Reserveantibiotika auf. Das sind Notfall-Antibiotika bei Menschen, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen. Je mehr resistente Krankheitserreger bei Hähnchen, desto größer das Gesundheitsrisiko, dass die ‚letzten Mittel‘ ihre Wirkung verlieren.“

Verkeimte Lebensmittel mit Folgen

Wer aber denkt bitte noch an diese Auswirkungen, wenn das Stück Fleisch wieder für 1,29 € in der Auslage liegt?! Eben! Immer noch viel zu wenige. Gerade deshalb sind anschauliche Studien wie die von Germanwatch wohl auch (immer wieder aufs Neue) so wichtig. Weil sich im Umgang mit unserem Konsum etwas verändern muss. Weil es nicht sein kann, dass bereits über die Hälfte des Hühnerfleischs mit resistenten Keimen belastet ist. Und weil es ebenso wenig sein kann, dass Tiere nur durch die Zugabe von Antibiotika überhaupt bis zum Schlachthof überleben können.

So sehr der Klimawandel und das Tierwohl also gegen einen hohen Fleischkonsum sprechen mögen. Letztlich sind es vor allem die Produkte selbst, die einen Verzicht oder die Reduktion immer naheliegender werden lassen. Für verbesserte Haltungsbedingungen – aber vor allem für unsere eigene Gesundheit.

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